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	<title>Epochen &#8211; reisen damals</title>
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	<description>Die goldene Zeit des Reisens</description>
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	<title>Epochen &#8211; reisen damals</title>
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		<title>Die Grand Tour: Wegbereiter des modernen Tourismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 10:59:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Epochen]]></category>
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					<description><![CDATA[„Grand Tour“ – allein der Klang des Wortes verführt zum nostalgischen Träumen. Man denkt an prächtig ausgestattete Züge und Ozeandampfer, prunkvolle Hotels, opulente Dinner und glanzvolle Bälle in den angesagtesten Hotspots der Belle Époque … Doch diese touristisch perfekt organisierten Luxusreisen ab dem späten 19. Jahrhundert haben mit der klassischen Grand Tour in den Jahren [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">„Grand Tour“ – allein der Klang des Wortes verführt zum nostalgischen Träumen. Man denkt an prächtig ausgestattete Züge und Ozeandampfer, prunkvolle Hotels, opulente Dinner und glanzvolle Bälle in den angesagtesten Hotspots der Belle Époque … Doch diese touristisch perfekt organisierten Luxusreisen ab dem späten 19. Jahrhundert haben mit der klassischen Grand Tour in den Jahren davor nur den Namen gemein. Tatsächlich war eine Grand Tour damals alles andere als nur eine Vergnügungsreise. Hier ein Blick zurück in die Zeit vor dem Siegeszug der Eisenbahn:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab dem 17. Jahrhundert war es für die Aristokratie üblich, ihre Söhne auf eine Bildungsreise durch Mittel- und Südeuropa zu schicken, vornehmlich nach Frankreich und nach Italien, dem eigentlichen Ziel der Grand Tour. Diese „Kavalierstouren“ sollten der Bildung und den Umgangsformen der jungen Reisenden den letzten Schliff geben. Natürlich stand auch das Kennenlernen anderer Länder und deren adliger Familien mit im Vordergrund, genauso wie die Vervollkommnung im Tanzen, im Reiten und Fechten und, auch das, in der Kunst der Erotik. Ein Besuch in den entsprechenden Bordellen von Paris, Venedig oder Rom gehörte mit zum inoffiziellen Reiseprogramm. Die Grand Tour war in jeder Hinsicht eine Art Initiationsritus auf dem Weg ins Erwachsenenalter. Damit alles seine Ordnung hatte, wachten häufig erfahrene Reisebegleiter („bear leader“ oder „governor“ genannt) über das Wohlergehen der jungen Leute.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-2-2.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="847" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-2-2.jpg" alt="Karikatur eines Mannes mit Gehstock, der von einem affenähnlichen Wesen in historischer Kleidung begleitet wird; beide blicken ernst in die Ferne." class="wp-image-3089" style="width:284px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-2-2.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-2-2-227x300.jpg 227w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Ein „baer leader“ und sein Schützling</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Reisevorbereitungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine touristische Infrastruktur gab es bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur in Ansätzen. Die klassische Grand Tour, die in der Regel ein Jahr und länger dauerte, bedurfte deshalb der intensiven Vorbereitung. Das Straßennetz und das Verkehrswesen waren schlecht entwickelt, Gasthäuser und Herbergen oft von miserabler Qualität. Mit Hilfe von Reiseliteratur und nicht immer zuverlässigen Landkarten, die auch Hinweise über Post- und Zollstationen, Wegezustand und Unterkunftsmöglichkeiten enthielten, ließ sich schon im 17. Jahrhundert der Verlauf einer Grand Tour zumindest grob vorplanen. Erst ab den 1830er Jahren erschienen die ersten professionellen Reiseführer, wie beispielsweise die Handbücher von John Murray und Karl Baedeker mit detaillierten Informationen auch über Museen und ihren Öffnungszeiten, Fahrplänen von Kutschen, Hotels und Sehenswürdigkeiten. Darüber hinaus gehörten Bände und Mappen über vor Ort zu besichtigende Kunstwerke mit ins Gepäck. Das Studium der Kunst und der Geschichte Italiens war schließlich ein Hauptzweck der Reise – genauso wie das vertraut werden mit der italienischen Lebensart, wie es zum Beispiel beim römischen Karneval möglich war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die bürokratischen Barrieren, die es bei der Grand Tour zu überwinden galt, kann man sich als heutiger EU-Bürger kaum mehr vorstellen. Je nach Herkunftsland waren auf der Tour bis zu einem Dutzend Reisepässe erforderlich. In jedem Kleinstaat auf der Reiseroute mussten ein Visum und eine Zollerklärung vorgelegt werden, häufig auch ein Gesundheitszeugnis. Eine weitere Hürde waren die unterschiedlichen Währungen in Europa. Ab dem 18. Jahrhundert gab es die Möglichkeit, sich von der eigenen Bank Kreditbriefe ausstellen zu lassen, die von Partnerbanken im Ausland eingelöst werden konnten. Der Geldwechsel in die geltende Landeswährung erfolgte dann an den Zollstationen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gepäck und Kutschen: von einfach bis de luxe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was gehörte unbedingt mit ins Gepäck, was konnte zuhause bleiben? Diese Fragen beschäftigten die die Reisenden genauso wie die heutigen Touristen. Viele vertraute Konsumgüter und Gerätschaften waren jenseits der Metropolen nicht erhältlich, und so schleppten manche Reisende vorsichtshalber fast ihren halben Haushalt mit – Kochtöpfe, Matratzen, Bettlaken, Kaffeekannen, Nachttopf, Lampen, Lavendelessenz (gegen Wanzen und Flöhe), Kaffee, Zucker und vieles mehr. Andere reisten dagegen nur mit dem Allernotwendigsten, so wie der Dichter Johann Gottfried Seume. Der begab sich 1802 von Leipzig aus mit nur einem Tornister auf eine neunmonatige Wanderschaft nach Sizilien. Sein „Spaziergang nach Syrakus“ ist heute so populär wie Goethes „Italienische Reise“ zwischen September 1786 und Mai 1788.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-3.jpg"><img decoding="async" width="425" height="333" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-3.jpg" alt="Ein Mann in antikisierender Kleidung sitzt entspannt zwischen römischen Ruinen in einer idealisierten Landschaft – bekanntes Porträt von Johann Wolfgang von Goethe in Italien." class="wp-image-3087" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-3.jpg 425w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-3-300x235.jpg 300w" sizes="(max-width: 425px) 100vw, 425px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Goethe_in_der_römischen_Campagna</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der Regel verstauten die Reisenden ihr Gepäck in Truhen oder strapazierfähigen Lederkoffern und in Handkoffern, Hutschachteln und ausgeklügelten Reisenecessaires mit unzähligen Teilen für die Körperpflege, für Schreib, Mal- und Nähutensilien und für den Küchenbedarf. Auf die gewohnten Soßen und Gewürze wollte man schließlich nicht verzichten müssen. Auf aufwändige Garderobe wurde wenig Wert gelegt. Die Bekleidung sollte schlicht und strapazierfähig und, wie Goethe empfahl, „für alle Jahreszeiten geeignet“ sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je nach finanziellen Möglichkeiten reisten die „Grandtouristen“ in eigenen Kutschen, in inklusive Kutscher gemieteten Kutschen oder – die preiswerteste, aber auch unbequemste Variante – in regulären Postkutschen. Den höchsten Komfort boten natürlich die privaten Reisekutschen. Von der irischen Schriftstellerin Lady Blessington (1789-1849) – auch Frauen gingen auf die Grand Tour – wird berichtet, dass ihre Kutsche mit Toilette, Küche und Bibliothek ausgestattet gewesen sei. Dazu gehörte wie bei fast allen Privatkutschen eine Kiste mit Werkzeugen, die für das Zerlegen des Fahrzeugs vor einer Überfahrt über das Meer oder vor der Überquerung steiler Alpenpässe benötigt wurden. Anschließend wurde die Kutsche wieder zusammengesetzt und zuckelte, gezogen von einem Vierergespann, zum Wechseln der Pferde weiter bis zur nächsten Poststation. Mehr als zehn bis zwölf Stundenkilometer schafften auch die leichten Kutschen nicht. Unfälle waren dennoch nicht auszuschließen, insbesondere bei schlechtem Wetter oder wenn der Kutscher die Pferde nicht im Zaum halten konnte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-4.jpg"><img decoding="async" width="400" height="272" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-4.jpg" alt="Reisende mit Pferdewagen treffen vor einem Gasthaus auf Einheimische; lebendige Szene mit Tieren und Kindern in ländlicher Umgebung Italiens." class="wp-image-3081" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-4.jpg 400w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-4-300x204.jpg 300w" sizes="(max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Pferdewechsel an italienischer Poststation. Gemälde von Heinrich Bürkel (1802–1869)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Schlafen in „garnierten“ Betten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders privilegierte Reisende waren auf die Übernachtung in Gasthöfen und Herbergen nicht angewiesen. Sie führten Empfehlungsschreiben mit sich, die ihnen die Unterkunft in den Privathäusern der „besseren Kreise“ ermöglichte. So wohnte Goethe während seines Aufenthalts in Rom zusammen mit mehreren Künstlern in einer temporären Wohngemeinschaft in der Etage eines Stadthauses in der Via del Corso – Airbnb anno 1786. (Heute ist die „Casa di Goethe“ ein Museum.) Andere mussten sich mit weniger komfortablen Unterkünften begnügen. Darunter genossen die Poststationen den übelsten Ruf. Abgesehen von einigen Hotels und Pensionen in den größeren Städten und Kurbädern war auch die Qualität der Wirtshäuser entlang der Hauptstraßen mitunter recht gewöhnungsbedürftig. Da stand denn schon mal unter dem Bett des Reisenden der Nachttopf mit den Hinterlassenschaften des Vorgängers. Einige Häuser verfügten über bescheidenen Luxus wie zum Beispiel Badezuber und separate Toiletten (oder zumindest einen mobilen „Nachtstuhl“). In anderen Herbergen standen die Betten in stallähnlichen Räumen, in denen auch gegessen wurde („Schwarzbrot, Kornschnaps und eine dünne Kaffeesuppe“, ist in einem Reisebericht zu lesen). Unerwünschte „Mitbewohner“ in den Betten machten das Schlafen oft zur Qual. Spezielle Ganzkörper-Pyjamas sollten helfen, sich gegen die Heerscharen von Wanzen, Flöhen und Läusen zu schützen. Eine andere Empfehlung lautete, Matratzen und Laken auf einem Tisch auszubreiten oder die Beine des Bettes in Schüsseln mit schwefelhaltigem Wasser zu stellen. Inwieweit diese Ratschläge tatsächlich für eine ungestörte Nachtruhe sorgten, ist nicht überliefert. Vielfach boten Hotels und Herbergen ihren männlichen Gästen ungefragt einen besonderen Service an, nämlich ein mit einem mehr oder weniger schönen Fräulein „garniertes Bett“. Insbesondere Venedig war „als Hauptstadt der Lust“ dafür in ganz Europa bekannt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der englische Adel als Trendsetter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders italophil war im 18. Jahrhundert die englische Aristokratie. Sie bewunderte die kulturellen Leistungen Italiens, war von den antiken Stätten fasziniert und schätzte die eleganten, kultivierten Umgangsformen der gesellschaftlichen Elite. Normalerweise begann für die Briten die Grand Tour in Dover. Von hier aus brachte sie ein Schiff nach Calais und eine Kutsche weiter nach Paris. Die Strecke führte dann zu den Pässen der Alpen oder zur südfranzösischen Küste, um sich von Marseille oder Nizza nach Genua einzuschiffen. In Italien waren es zunächst Florenz und die anderen Kulturzentren der Toskana, die man aufsuchte, ehe dann Rom erreicht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Rom verbrachte man üblicherweise den Winter; zu besichtigen und zu bewundern gab es in der Ewigen Stadt schließlich genug. Die Weiterfahrt nach Neapel mit den vorgelagerten Inseln Capri und Ischia und dem antiken Pompeji am Fuß des Vesuvs war nicht ganz ungefährlich. Vorsichtigen wurde geraten, ein Paar Pistolen mitzuführen, um sich gegen Straßenräuber verteidigen zu können. Überfälle waren aber seltene Ausnahme. Manche reisten anschließend noch nach Sizilien, um die griechischen Tempel zu besuchen oder den Ätna zu besteigen. Auf dem Rückweg wurde nach Florenz eine östliche Route gewählt, auf der Venedig und Vicenza lagen. Über den Brenner gelangte man dann ins heutige Österreich und nach Deutschland. Wien, Prag und Salzburg oder die großen Bäder wie Karlsbad, Marienbad und Baden-Baden waren neben dem Rheintal weitere beliebte Besuchsziele, bevor es über die Niederlande und Frankreich zurück ins Vereinigte Königreich ging. Auch Goethe folgte in etwa dieser Route, allerdings mit dem Unterschied, dass er die Alpen über den Brenner überquerte und über Venedig und Florenz nach Rom reiste. Auch in anderer Hinsicht war seine Reise keine typische Grand Tour: Zwar entdeckte auch Goethe erst in Italien die Freuden der körperlichen Liebe, aber anders als die jungen englischen Lords war er da schon fast vierzig.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-5-e1759395458390.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="808" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-5-e1759395458390.jpg" alt="Karte Italiens mit rot eingezeichneten Reiserouten, die durch zahlreiche Städte von Norditalien bis Sizilien führen; zeigt historische oder touristische Wege." class="wp-image-3082" style="width:272px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Verlauf der Italienreise Goethes</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Das Bürgertum entdeckt die Grand Tour</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als es mit der Vormachtstellung des Adels vorbei war und die Industrialisierung begann, wandelte sich die Grand Tour zum Urlaubsvergnügen der neuen wohlhabenden bürgerlichen Schicht. Italien war zwar noch immer das Traumziel, aber es war keine „Lebensfahrt“ mehr, sondern eine mehrwöchige Studienreise. Mit einem Reiseführer wie dem „Baedeker“ in der Hand versuchten die Reisenden, die man in intellektuellen Kreisen jetzt naserümpfend „Touristen“ nannte, in kurzer Zeit möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuklappern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schwoll, begünstigt durch die Eisenbahn und die Dampfschiffe, der Strom der Besucher weiter an – und mit ihr die Touristenschelte intellektueller Kreise. Da war von „glotzenden Tölpeln“ die Rede, die blind herumtappen oder sich von geschwätzigen Fremdenführern (nach dem römischen Meisterredner Cicero „Ciceroni“ genannt) übers Ohr hauen lassen würden. Und in Feuilletons und Essays wurde versucht, dem idealisierten Bild vom „Lande der blühenden Zitronen“ ein „Italien, wie es wirklich ist“ (Buchtitel von 1834) entgegenzustellen. All das konnte an der Beliebtheit Italiens als Reiseland trotz aller Schattenseiten kaum etwas ändern. Und das wohl bis heute.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="322" height="253" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-6.jpg" alt="Gruppe elegant gekleideter Reisender betrachtet bei Sonnenuntergang antike Ruinen in weiter Landschaft – Szene einer Bildungsreise im 19. Jahrhundert." class="wp-image-3083" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-6.jpg 322w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-6-300x236.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 322px) 100vw, 322px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Engländer in der Campagna, Aquarell von Carl Spitzweg, ca. 1845</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Spätestens ab den 1850er Jahren galt jede große Reise, auch die in die Neue Welt oder in den Fernen Osten, als Grand Tour – sofern dem Geldadel exzellenter Service und höchstmöglicher Komfort geboten wurden. 1883 startete der <em>Orient Express</em> zu seiner Eröffnungsfahrt nach Konstantinopel. 1891 brach die <em>Augusta Victoria</em> zu einer spektakulären „Grand Tour to the Orient“ auf, und weltweit öffneten an den Küsten, in den Bergen und in den Metropolen immer luxuriösere Grandhotels ihre Pforten. Die „goldene Zeit des Reisens“ hatte begonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Quelle (u.a.): A. Brilli, „Als Reisen eine Kunst war. Vom Beginn des modernen Tourismus: Die Grand Tour“. </em><em>Wagenbach (1997</em>)</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: „The Grand Tour. The Golden Age of Travel“&nbsp;</strong><br>Das opulent ausgestattete mehrsprachige Buch von Sabine Arqué&nbsp;und Marc Walter mit Berichten von so berühmten Reisenden wie Charles Dickens, Jules Verne, F. Scott Fitzgerald, Mark Twain und Johann Wolfgang von Goethe führt zurück in eine Zeit, als Reisen um die Welt ein neues und aufregendes Erlebnis war. Alte Reiseplakate, Fahrkarten, Werbezettel, Broschüren, Speisekarten und Gepäckaufkleber vermitteln etwas von dem Flair des Reisens in diesem goldenen Zeitalter. 616 Seiten, Verlag Taschen, Köln 2022</pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://amzn.to/46xOgNL" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="525" height="684" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-7.jpg" alt="" class="wp-image-3084" style="width:241px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-7.jpg 525w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/10/GrandTour-Teil1-7-230x300.jpg 230w" sizes="auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige</figcaption></figure>
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		<title>Adieu Deutschland. Reisen ins Exil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Feb 2025 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Epochen]]></category>
		<category><![CDATA[Exil]]></category>
		<category><![CDATA[Fluchtpunkt Shanghai]]></category>
		<category><![CDATA[Judenvertreibung]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz von Évian]]></category>
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					<description><![CDATA[Reisen in den 1930er Jahren: Die, die es sich leisten können, fahren in den „schönsten Wochen des Jahres“ zum Wintersport in die Alpen, im Sommer in die Nord-und Ostseebäder oder amüsieren sich an Bord der Ozeanampfer auf Kreuzfahrten ins Mittelmeer oder in den Atlantik. Selbst weniger Betuchte brauchen auf ihre Urlaubsreise nicht zu verzichten. Deutschland [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Reisen in den 1930er Jahren: Die, die es sich leisten können, fahren in den „schönsten Wochen des Jahres“ zum Wintersport in die Alpen, im Sommer in die Nord-und Ostseebäder oder amüsieren sich an Bord der Ozeanampfer auf Kreuzfahrten ins Mittelmeer oder in den Atlantik. Selbst weniger Betuchte brauchen auf ihre Urlaubsreise nicht zu verzichten. Deutschland ist zum Reiseland geworden. Doch nicht für alle bedeutet das Reisen ungetrübtes Vergnügen und Erholung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir beginnen das Schiff zu lieben, seine Schönheit, seine schnelle Fahrt und die Zweckmäßigkeit seiner Einrichtungen.“ Die Berlinerin Margarete Edelheim ist auf ihrer Fahrt von Triest nach Haifa im Frühjahr 1935 von der italienischen <em>Duilio</em> begeistert. Sie kommt sich auf dem fast zweihundert Meter langen Dampfer mit seinen beiden Schornsteinen und den zwei Masten vor wie im Schlaraffenland: frischer Kuchen aus der Bordbäckerei, edle Weine, koschere Lebensmittel für die jüdischen Passagiere und sogar ein tägliches Bordmagazin. „Es ist merkwürdig, wie schnell man ein Heimatgefühl auf einem Dampfer bekommt. Und das ist – wichtiger als für den Touristen – von ungeheurer seelischer Bedeutung für Menschen, die ihre Heimat soeben für immer verlassen haben und einer ungewissen Zukunft entgegenfahren. Und derer gibt es genug auf dem Schiff“, schreibt sie in ihrem Reisebericht. Doch ein „Heimatgefühl an Bord“ verspürten nicht alle Emigranten, insbesondere nicht in den späteren dreißiger Jahren, als die Fluchten übers Meer weit weniger komfortabel verliefen. „Was für mich die größte Freude wäre“, verriet 1941 die Schriftstellerin Anna Seghers nach einer langen, hindernisreichen Überfahrt nach New York: „auf einem Laken schlafen, von einem weißen Tischtuch essen und in der Nacht die kleinen Kinder nicht mehr weinen hören.“</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="558" height="769" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland2.jpg" alt="Historische Werbeanzeige des Reisebüros „Atlantic Express“ in Berlin. Auflistung von Reisezielen wie USA, Kuba, Mexiko, Südafrika, Australien und Neuseeland. Illustration der Geschäftsfront." class="wp-image-2992" style="width:426px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland2.jpg 558w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland2-218x300.jpg 218w" sizes="auto, (max-width: 558px) 100vw, 558px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige im „Korrespondenzblatt Jüdische Auswanderung“ (Herbst 1937)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berliner Malerin Anne Frank-Klein, die im Herbst 1940 für die Flucht nach Palästina auf dem Hochseedampfer <em>Atlantic </em>mit zehn bis zwölf Tagen gerechnet hatte, kam erst nach mehreren Wochen ans Ziel. Der achtzig Jahre alte griechische Postdampfer war mit 1875 Emigranten total überbelegt. Wegen technischer Defekte und des italienisch-griechischen Kriegs wurde die illegale Fahrt mehrfach unterbrochen. „Meine Koje liegt im 3. Tiefkeller unter der Wasserlinie. Das ganze ‚Zimmer‘ ist 6 x 10 m groß und 74 Menschen wohnen darin. Dreiviertel Stunde Schlangestehen vor der Toilette. Frühstück: etwas heißer Tee, ein Stück trocken Brot …“, notierte sie in ihr Tagebuch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gehen oder bleiben? Heimat oder Exil?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Boykottaktion am 1. April 1933, die sich gegen jüdische Geschäfte, Rechtsanwälte und Ärzte richtete, und willkürlichen Verhaftungen begann die erste größere Emigrationswelle. Bevorzugte Fluchtländer waren die Tschechoslowakei, die Niederlande und Frankreich, England, Palästina und die USA. Trotz der bürokratischen Schikanen, die es in Deutschland zu erdulden gab, und immer größerer Vermögensverluste war die Ausreise möglich und wurde sogar von den Nazis gefördert. (Bei Flüchtlingen, die sich die Überfahrt nicht leisten konnten, übernahmen in der Regel deutsche und ausländische Hilfsorganisationen die Reisekosten.) Ging es nach Übersee, genossen die Exilanten den gleichen Komfort wie alle anderen Passagiere auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines dieser Schiffe war die <em>Volendam</em>&nbsp;der Holland-Amerika-Linie. Der Luxusdampfer&nbsp;bot Platz für 1175&nbsp;Passagiere, davon 263 in der Ersten Klasse. Mit dem schwarzen Rumpf und dem senkrecht abfallenden Bug sah er wie eine verkleinerte <em>Titanic</em> aus. Am 19. Mai 1934 schifften sich die Emigranten Thomas und Katia Mann&nbsp;in Boulogne auf der&nbsp;<em>Volendam </em>ein undkamen am 29. Mai in New York an. Während der Überfahrt führte Thomas Mann ein Bordtagebuch, das er später in den essayistischen Bericht „Meerfahrt mit Don Quijote“ einfließen ließ. Seine Beobachtungen und Reflexionen über das Reisen und das Meer sind ein anschauliches Dokument aus der zu Ende gehenden Epoche der großen Luxusliner. Im April 1940 absolvierte die&nbsp;<em>Volendam</em>&nbsp;ihre letzte Transatlantikreise im normalen Linienverkehr während des Krieges. Am 30. August desselben Jahres wurde sie auf einer Fahrt nach Kanada&nbsp;mit evakuierten englischen Kindern an Bord von einem deutschen U-Boot torpediert, konnte aber repariert werden.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="257" height="257" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland3.jpg" alt="Historische Schwarz-Weiß-Fotografie von Menschen, die mit Gepäck eine Gangway hinauf ein großes Passagierschiff betreten. Im Hintergrund die Schiffsschornsteine und ein teils bewölkter Himmel." class="wp-image-2993" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland3.jpg 257w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland3-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 257px) 100vw, 257px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Volendam (ca.1947)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Juden in Deutschland wurde die Situation immer prekärer. Entrechtet, gedemütigt und beraubt stellte sich ihnen nicht mehr die Frage „gehen oder bleiben“. Das „Wohin“ und „Wie“ stand jetzt im Vordergrund. Im Ausland war man über die zunehmenden Flüchtlingszahlen beunruhigt – aber nicht aus Sorge um die Vertriebenen, sondern aus Angst von Flüchtlingen „überflutet“ zu werden. (Die Weltwirtschaftskrise hatte in den meisten Auswanderungsländern zu Massenarbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit geführt.)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Konferenz von Évian: ein moralisches Desaster</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 6. Juni 1938 trafen sich im französischen Évian auf Initiative der USA 32 Staaten, um über Hilfsmaßnahmen für die Flüchtlinge zu beraten. Die Konferenz geriet zur Farce: Bis auf die Dominikanische Republik weigerten sich sämtliche Teilnehmerstaaten, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Die Juden in Deutschland saßen in der Falle. Ein halbes Jahr später, am 9. November 1938, begann mit der Pogromnacht („Kristallnacht“) eine neue Stufe des Grauens. Dass es im Land der Dichter und Denker „nicht noch schlimmer kommen könnte“, glaubte jetzt keiner der verbliebenen deutschen Juden mehr. Vor der Machtergreifung im Januar 1933 lebte eine halbe Million Juden in Deutschland; bis 1941 hatten davon zwei Drittel das Land verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis Herbst 1941 waren Ausreisen zwar immer noch möglich, vollzogen sich aber unter unsäglichen Bedingungen. Auch die Einreise- und Arbeitserlaubnisse in den Zielländern wurden für die Mehrheit an kaum zu erfüllende Voraussetzungen geknüpft. Zwangsläufig gerieten mehr und mehr exotische Länder wie Marokko und Algerien, Australien und Neuseeland, China, Japan und die lateinamerikanischen Staaten in den Fokus der Verfolgten. Kanada und die USA hatten sich bereits rigide abgeschottet, und in Palästina versuchte die britische Mandatsregierung mit allen Mitteln Zuwanderungen zu unterbinden.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="430" height="193" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland4.jpg" alt="Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme eines großen Passagierschiffs mit zwei Schornsteinen auf offener See. Rauch steigt aus den Schornsteinen, der Himmel ist bewölkt." class="wp-image-2994" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland4.jpg 430w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland4-300x135.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 430px) 100vw, 430px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die City of Benares</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die Passagen über das Mittelmeer und den Nordatlantik wegen der Kriegshandlungen lebensgefährlich. Die vierundzwanzigjährige Monika Mann, Tochter von Thomas und Katia Mann, ist mit ihrem Ehemann im September 1940 auf der <em>City of Benares</em> auf dem Weg über Liverpool in die kanadische Emigration. Wie viele andere befürchtet sie, dass die Invasion Englands kurz bevorsteht. Am 17. September torpediert ein deutsches U-Boot das Schiff und trifft es am Heck. Monika Mann stürzt in den Atlantik, kann sich an einem Stück Holz festkrallen und treibt zwanzig Stunden im Wasser. Sie wird gerettet und macht sich nach ihrer Genesung erneut auf den Weg nach Amerika. Über die Hälfte der vierhundertsechs Personen an Bord, darunter auch ihr Ehemann und dreiundachtzig Kinder, die zur Sicherheit nach Kanada verschickt werden sollten, haben bei dem Unglück ihr Leben verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zehntausende Transitflüchtlinge, die nach Übersee oder Palästina gelangen wollten, saßen ohne Visa und Tickets für eine Schiffspassage in Frankreich und seinen Überseekolonien oder in Portugal fest – unter ständiger Angst, interniert, ausgewiesen oder an die Gestapo ausgeliefert zu werden. Der Arm der Nazis reichte weit über das Deutsche Reich und die besetzten Gebiete hinaus.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auf dem Landweg in den Fernen Osten</h2>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland5-e1738779042457.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="447" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland5-1024x447.jpg" alt="Historische Weltkarte mit Reiserouten per Bahn und Schiff. Verbindungen führen von Berlin über Moskau nach Asien sowie über den Pazifik nach Nord- und Südamerika. Beschriftungen zeigen Reisezeiten." class="wp-image-2995" style="width:734px;height:auto"/></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ab Mitte 1940 verblieb als einzige Möglichkeit, Deutschland legal zu verlassen, nur noch der Landweg in den Fernen Osten. Das „Jüdische Nachrichtenblatt“, dessen Erscheinen die NS-Behörden noch erlaubten, informierte detailliert über die Routen von Berlin mit der Transsibirischen Eisenbahn über Moskau nach Shanghai, das kein Einreisevisum verlangte. Wohl eher theoretischer Natur war die Empfehlung, von Wladiwostok nach Yokohama und dann über den Pazifik nach Süd- und Nordamerika zu reisen. Die Grenzen waren längst dicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf die rund 20.000 in Shanghai Gestrandeten muss die vom japanisch-chinesischen Krieg stark zerstörte Stadt wie ein Schock gewirkt haben. Ruinen und Schutt, Lärm und Chaos auf den Straßen, Kakerlaken, Ratten und Wanzen in den Notunterkünften, das feuchtheiße Klima, unzählige Bettler, Kulis und Obdachlose machten das Leben für die Flüchtlinge zur Hölle. Aber sie waren in Sicherheit. 1941 war auch damit Schluss; China nahm nur noch in Ausnahmefällen Flüchtlinge auf.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland6-e1738779018753.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="633" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/02/Adieu-Deutschland6-1024x633.jpg" alt="Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme der Uferpromenade „The Bund“ in Shanghai. Blick auf belebte Straßen mit Autos und Fußgängern, koloniale Gebäude und den Huangpu-Fluss mit Booten." class="wp-image-2996" style="width:722px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Shanghai (1928)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Armada der Geisterschiffe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hart traf es auch die Flüchtlinge, die auf gecharterten Schiffen auf den Meeren herumirrten. Ohne Pass und Visum und mit nicht mehr als den von den Nazis erlaubten zehn Reichsmark, mussten sie sich auf die Suche nach einem Zufluchtsort machen. Die <em>Königsstein</em> fuhr beispielsweise mit 780 Flüchtlingen an Bord wochenlang über die Meere, bis sie endlich in Caracas vor Anker gehen durfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <em>St. Louis</em> musste sogar nach einer Odyssee über den Atlantik nach Europa zurückkehren. Schlepperbanden nutzen die Gunst der Stunde und verkaufen zu horrenden Preisen „sichere“ Passagen auf oft seeuntüchtigen, überfüllten Booten. „Zehntausende wandernde Juden werden heute wie Tiere durch die Straßen der Niemandslande und der Niemandsmeere gejagt. Ohne Heim kampieren sie zwischen den Grenzen Deutschlands und seiner Nachbarn“, schrieb im Juli 1939 das Exilmagazin „Das neue Tagebuch“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis Ende 1941 konnten noch 18.000 bis 20.000 Juden Deutschland verlassen. Dann stoppten die Nazis die Auswanderungen und begannen mit der Deportation der noch verbliebenen 165.000 Juden in die Lager im Osten. Die „Endlösung der Judenfrage“ hatte begonnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Quellen (u.a.): K. v. Soden, „Und draußen weht ein fremder Wind …“, Aviva 2016 / „Heimat und Exil“, Begleitbuch zur Ausstellung, Suhrkamp 2006</em></p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: Kristine von Soden: „Und draußen weht ein fremder Wind …“ Über die Meere ins Exil</strong><br>Von den Nationalsozialisten verfolgt, verließen Hunderttausende Emigranten ihre Heimat in Richtung Palästina, Amerika, Südafrika oder Shanghai. Wer half ihnen bei der Beschaffung von Pässen, Aus- und Einreisepapieren, Transitvisen, Schiffskarten und finanziellen Unterstützungen? Wie ging die Ausreise vonstatten, auf welchen Schiffen und von welchen Häfen aus fuhren sie ins Ungewisse? Und wie sah ihre Ankunft aus? Anhand von Tagebüchern, Briefen, Gedichten sowie unveröffentlichten Dokumenten zeichnet Kristine von Soden die Wege von Schriftstellerinnen. Künstlerinnen, Schauspielerinnen, Ärztinnen und Juristinnen ins Exil nach. Im Mittelpunkt stehen dabei deren Fluchten über die Meere von 1933 bis zum Ausreiseverbot 1941.<br><a href="https://amzn.to/3EouAjX" target="_blank" rel="noopener">256 Seiten, 2. aktualisierte Edition, AvivA Verlag Berlin (2020)</a> (Anzeige)</pre>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Zurück ins Berlin der 1920er. Wohnen wie Asta Nielsen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Oct 2023 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Epochen]]></category>
		<category><![CDATA[Asta Nielsen]]></category>
		<category><![CDATA[Belle Etage]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Pensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Etagenhotels]]></category>
		<category><![CDATA[Zwanziger Jahre]]></category>
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					<description><![CDATA[Bis 1937 wohnte in den 14 Räumen der heutigen Hotel-Pension Funk Funk in der Fasanenstraße im Charlottenburg der dänische Stummfilmstar Asta Nielsen. Ihre Salons mit Künstlern wie Joachim Ringelnatz oder Heinrich George waren ein Mittelpunkt des Berliner Kulturlebens. Die Hotel-Pension Funk, ein sogenanntes Etagenhotel, dient mitunter als Location für Foto- und Filmaufnahmen, unter anderem für [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Bis 1937 wohnte in den 14 Räumen der heutigen <em>Hotel-Pension Funk</em> Funk in der Fasanenstraße im Charlottenburg der dänische Stummfilmstar Asta Nielsen. Ihre Salons mit Künstlern wie Joachim Ringelnatz oder Heinrich George waren ein Mittelpunkt des Berliner Kulturlebens. Die Hotel-Pension Funk, ein sogenanntes Etagenhotel, dient mitunter als Location für Foto- und Filmaufnahmen, unter anderem für die Fernsehserie „Ku’damm 56“.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="531" height="756" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk2.jpg" alt="Foto vom Eingang Hotel Funk" class="wp-image-2500" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk2.jpg 531w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk2-211x300.jpg 211w" sizes="auto, (max-width: 531px) 100vw, 531px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Hotel-Pension Funk, Gedenktafel für Asta Nielsen, 2022 (Foto: Kleinert)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schon zur Kaiserzeit gab es Etagenhotels, die meist von Beamten- oder Offizierswitwen geführt wurden. Wenn sie in ihren großen, teuren Wohnungen bleiben wollten, kamen sie nicht darum herum, Zimmer an Touristen oder Dauergäste abzugeben. Mindestens vier Zimmer und volle Verköstigung mussten sie anbieten, um die behördliche Genehmigung für das Übernachtungsgewerbe zu bekommen. Eine dieser stets wachsamen Damen hat es sogar in die Literatur geschafft. In Christopher Isherwoods Roman von 1939 „Goodbye to Berlin“ vermietet die Pensionswirtin Lina Schröder vier ihrer Zimmer an Fremde (und schläft selbst hinter einem Paravent ihres Wohnzimmers). Das Buch war die Vorlage, nach der in den 1960er Jahren das Musical „Cabaret“&nbsp;entstand. Die stilvollsten Etagenhotels befanden sich im Berliner Westen, in den Seitenstraßen des Kurfürstendamms. Einige dieser „Hotel-Pensionen“ haben Kriegs- und Nachkriegszeit überlebt und erfreuen sich bei Touristen, die in Berlin dem Lebensgefühl der 1920er Jahre nachspüren wollen, großer Beliebtheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hotel-Pension Funk weist alle Merkmale einer solchen hochherrschaftlichen Herberge auf. Durch das marmorne Treppenhaus mit reicher Stuckverzierung kommt man zum Scherengitteraufzug, der vom Hochparterre in die Belle Etage des Gründerzeitbaus führt. (Nebenbei: Nur, wenn der erste Stock über einem Hochparterre liegt, gilt er als Belle Etage. Die Fenster sind dann hoch genug, um die Bewohner vor neugierigen Blicken „vom Kutschbock aus“ zu schützen.) Alle vierzehn Zimmer und der Frühstückssalon (mit einem Pianola von 1912) sind im Stil der Art-déco- oder der Belle-Époque-Zeit eingerichtet, natürlich mit Kronleuchtern, Parkettfußboden, Stilmöbeln – aber ohne TV.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderes Hotel nahe dem Kurfürstendamm beeindruckt ebenfalls durch ein prachtvolles Jugendstil-Entree. Das <em>Hotel Augusta</em> in der Fasanenstraße 22 verfügt über 46 modern-klassisch eingerichtete Zimmer, die mit ihren hohen Wänden und Stuckdecken an die glanzvolle Zeit der Zwanziger Jahre erinnern.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="461" height="832" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk3.jpg" alt="Eingang vom Hotel Augusta" class="wp-image-2501" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk3.jpg 461w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk3-166x300.jpg 166w" sizes="auto, (max-width: 461px) 100vw, 461px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Entree des Hotels Augusta, 2022 (Foto Kleinert)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Häuser weiter befindet sich das <em>Savoy Hotel</em>. Das 1929 gebaute Savoy ist kein preiswertes Etagenhotel, sondern gilt mit seinen 122 Zimmern als das „kleinste Grandhotel Berlins“ – und genießt seit Jahrzehnten einen legendären Ruf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Savoy Hotel in der Fasanenstraße 9-10 war das erste Berliner&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hotel" target="_blank" rel="noopener">Hotel</a>, in dem jedes Zimmer über ein eigenes Bad und einen elektrischen Zimmermädchenruf verfügte. Anfang der 1950er Jahre wurde das Savoy als eines der ersten Häuser Berlins wieder seiner Bestimmung als Hotel zugeführt. Hier stiegen nicht nur prominente Künstler und Literaten ab, sondern auch Diplomaten und, wie gemunkelt wird, Agenten. In der lauschigen Atmosphäre des Rauchsalons konnte schon damals bei einer guten Havanna und einem Cognac diskret geplaudert oder verhandelt werden.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk4-e1693910591309.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/09/Funk4-1024x679.jpg" alt="Foto Eingang Savoy Hotel in Berlin" class="wp-image-2502" style="width:586px;height:389px" width="586" height="389"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Savoy Hotel (2022). Foto: Kleinert</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">1957 wurde das Hotel um dreißig Zimmer und eine Bar erweitert, die sich schnell in der Berliner Barszene etablierte. Die sechste Etage, die das Savoy historisch nicht ganz korrekt als seine „Belle Etage“ bezeichnet, bietet einen beeindruckenden Blick über die Dächer Berlins. Genauso beeindruckend ist die Gästeliste des Savoys. Prominente wie Greta Garbo, Thomas Mann, Henry Miller, Helmut Newton, Maria Callas Heinrich Böll und Romy Schneider schätzten den persönlichen Service und die Ruhe dieser Oase mitten in der turbulenten City West-Berlins. Das Savoy wird zurzeit (2022) aufwendig saniert und umgebaut. Die Wiedereröffnung ist für 2024/25 geplant.</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Tipp: übernachten im Stil der 1920er Jahre</strong>
Wenn Sie hautnah nachempfinden wollen, wie der Autor Christopher Isherwoods oder seine unter permanenter Geldnot leidende Romanfigur Sally Bowles im Berlin der zwanziger Jahre gewohnt haben, sollten Sie in der <em>Pension Funk</em> übernachten. Verzichten Sie auf eines der Komfortzimmer, und wählen Sie stattdessen eines der wenigen Zimmer, dessen sanitäre Ausstattung lediglich aus einem Waschbecken besteht. Bad und WC stehen Ihnen im Flur zur Mitbenutzung zur Verfügung (2022: EZ ab 34 €, DZ ab 52 €). Eine rabiate Pensionswirtin brauchen Sie nicht zu fürchten; der Hotelier Michael Pfund ist ausgesprochen nett. Allein schon das üppige Frühstück im großen Salon mit dem rotsamtenen Chaiselongue am Eingang ist die Übernachtung wert. &nbsp;
<a href="http://www.hotel-pensionfunk.de" target="_blank" rel="noopener">www.hotel-pensionfunk.de</a>
<a href="http://www.hotel-augusta.de" target="_blank" rel="noopener">www.hotel-augusta.de</a>
<a href="http://www.hotel-savoy.com" target="_blank" rel="noopener">www.hotel-savoy.com</a></pre>
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		<title>Berlin in den „Goldenen Zwanzigern“: Vergnügungsmetropole der Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Apr 2023 10:26:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Epochen]]></category>
		<category><![CDATA[20er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Goldene Zwanziger]]></category>
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					<description><![CDATA[Mitte der 1920er Jahre begann die Stadt mit dem Slogan „Jeder einmal in Berlin“ professionell um Gäste zu werben. Insbesondere Ausländer waren eingeladen, sich von der kulturellen Vielfalt der Reichshauptstadt und ihrer quirligen, weltoffenen Atmosphäre selbst zu überzeugen. Die Zahl der Hotels und Pensionen stieg sprunghaft an; der Tourismus florierte. Und Berlin hatte an Sehenswertem [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Mitte der 1920er Jahre begann die Stadt mit dem Slogan „Jeder einmal in Berlin“ professionell um Gäste zu werben. Insbesondere Ausländer waren eingeladen, sich von der kulturellen Vielfalt der Reichshauptstadt und ihrer quirligen, weltoffenen Atmosphäre selbst zu überzeugen. Die Zahl der Hotels und Pensionen stieg sprunghaft an; der Tourismus florierte. Und Berlin hatte an Sehenswertem einiges zu bieten. Doch nicht nur das Schloss und der Dom, die Museen, Zoo und Aquarium, Schloss Sanssouci in Potsdam und die vielen Seen und Wälder im Umland lockten Besucher, auch als Kultur- und Vergnügungsmetropole nahm die Reichshauptstadt weltweit eine Spitzenposition ein. Für die vielen dollarstarken Gäste aus den USA gab es neben dem günstigen Wechselkurs noch ein weiteres Argument für Berlin: Im vermeintlichen „Sündenbabel Berlin“ brauchte man nicht wie daheim die Whiskeyflasche in der Hosentasche zu verstecken. (Erst 1933 endete in den USA die Prohibition. )</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz so „golden“, wie es in manchen nostalgischen Betrachtungen behauptet wird, waren die Zwanziger nicht. Die meisten Berliner spürten von der Aufbruchsstimmung nur wenig; die Löhne waren niedrig, die Wohnungsnot groß und der Arbeitsalltag in den Werkstätten, an den Fließbändern und in den Schreibsälen hart. Amüsieren wollte man sich trotzdem.<br>Besucher, die sich im „Babylon Berlin“ nicht auskannten, taten gut daran, sich bei ihren Entdeckungstouren einem kundigen Begleiter anzuvertrauen oder sich zumindest einen gedruckten Wegweiser zu besorgen – nicht den Baedeker, sondern ein Reisehandbuch wie den „Führer durch das ‚lasterhafte’ Berlin“ von Curt Moreck, erschienen 1931. Aus diesem Buch stammt die hier mit freundlicher Genehmigung der Nicolaischen Verlagsbuchhandlung verkürzt wiedergegebene Beschreibung der drei Zentren des Berliner Nachtlebens. Den Beginn macht die City, der Bereich um die „sündige Meile Berlins“, die Friedrichstraße.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die City – grell und schrill</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Abends flammen hier die Lichtfassaden zweier der größten Vergnügungsstätten auf, die schon vor Jahrzehnten zum Verruf der berlinischen Sündenhaftigkeit beigetragen haben … Um Mitternacht speien die Revuetheater ihr Publikum aus. Dann staut sich die Menge vor den Türen der Tanzdielen, und in den Bars füllen sich die hohen Stühle und klappern die Gläser. Schlepper schieben sich in Tuchfühlung an die männlichen Alleingeher heran und flüstern ihnen zu: ‚Nachtlokal – Spielklub – Nackttänze’: Der Nepp lauert auf seine Opfer.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Westen – weltstädtisch und glamourös</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Der Kurfürstendamm ist das heutige, das lebendige Berlin. Wer hier flaniert, will sehen und gesehen werden. Die Sprachen aller Nationen, die Dialekte aller Stämme schwirren hier in einem babylonischen Gewirre durcheinander. Hier fängt das Leben mit der Abenddämmerung an und endet erst mit der Morgendämmerung. Das mit dem Nachmittagstee beginnende Nachtleben des Kurfürstendamms bevölkert die Unzahl der Cafés, Weinstuben, Grill-Rooms, Kabaretts, Austernstuben, Bars und Kinos.“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin2-e1676631377800.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="872" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin2-1024x872.jpg" alt="Werbung im Berlin der zwanziger Jahre" class="wp-image-2162" style="width:494px;height:420px"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Nachtclubwerbung in einem Reiseführer von 1928</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der Osten – verrucht und abenteuerlich</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Am Alexanderplatz beginnt der dunkle Osten. Das Nachtleben spielt sich hier ab in rauchigen Kneipen, in düsteren Kaschemmen, schmalen Bierausschanken, in kleinen Cafés – der harte Kontrast zu den in Lichtfluten ertrinkenden Straßen des Westens und der City. Dazwischen überall Häuser mit dem schlichten Schild ‚Hotel’. Aus der Tür kommen Paare, Paare verschwinden hinein … An einer Stelle nimmt der dunkle Osten einen Anlauf ins Mondäne. Die Stätte östlicher Lebenslust ist das Residenz-Casino, kurz Resi genannt. Hier tanzt Berlin in einer Märchendekoration wie aus 1001 Nacht. Leuchtfontänen säumen die gläserne Tanzfläche, die niemals leer wird. Zwei Orchester, auf Balkonen platziert, wechseln einander ab.“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="464" height="733" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin3.jpg" alt="Werbepostkarte vom Resi-Casino" class="wp-image-2163" style="width:316px;height:499px" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin3.jpg 464w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin3-190x300.jpg 190w" sizes="auto, (max-width: 464px) 100vw, 464px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Resi-Werbepostkarte</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Berlins kesse Partymädchen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Morecks Reiseführer beschreibt auch ein Phänomen, das es in dieser Form nur in Berlin gab: die extreme Tanzlust der Berlinerinnen. Fast alle großen Hotels wie Kaiserhof, Eden, Centrum oder Esplanade boten zum Fünf-Uhr-Tee in ihren Hallen Gelegenheit zum Tanzen. Das Bedürfnis der Frauen nach Geselligkeit, Tanz und Bewunderung war nach den mageren Jahren groß. Selbst das sich eher zurückhaltend präsentierende Hotel Adlon musste sich – nicht zuletzt unter dem Druck seiner vielen amerikanischen Gäste – dem Wunsch nach Tanzveranstaltungen beugen und ließ schließlich nachmittags eine Jazzband zum Charleston und Shimmy-Fox aufspielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevorzugt besucht wurden die Tanztees von den sog. Flapper-Girls – junge Frauen mit Bubikopf und Zigarettenspitze, berufstätig, unabhängig und Flirts nicht abgeneigt. Der Unterschied zu Paris oder New York: In Berlin war der Anteil der Frauen als Folge der demographischen Lücke, die der Krieg hinterlassen hatte, sehr viel höher, und männliche Tanzpartner waren entsprechend begehrt – „Damenwahl“ musste nicht extra angekündigt werden. Männliche Touristen aus den USA waren verblüfft. Vollends ins Staunen gerieten sie, wenn sie der Einladung einer Tanzpartnerin in den festlich illuminierten Lunapark, den mit täglich 50.000 Besuchern größten Vergnügungspark Europas, folgten. Direkt am Halensee gelegen, am Ende des Kurfürstendamms, wartete neben gewaltigen Rummelplatzattraktionen ein großes Wellenbad auf die Besucher. Keine Badehose? „No problem, Mister. Heute ist für Männer und Frauen Nacktbadetag.“</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="519" height="745" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin4.jpg" alt="Frau im Café aus den zwanziger Jahren" class="wp-image-2164" style="width:376px;height:540px" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin4.jpg 519w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin4-209x300.jpg 209w" sizes="auto, (max-width: 519px) 100vw, 519px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Flapper Girl im Romanischen Café </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Haus Vaterland – Alle Nationen unter einem Dach</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die spektakulärste und meistbesuchte Großgaststätte Berlins befand sich am verkehrsreichen Potsdamer Platz – das Haus Vaterland. Unter seiner rotierenden Lichtkuppel hatten so ziemlich alle Nationen der Welt eine gastronomische Heimstatt gefunden: Es gab ein Wiener Café, Japan war mit einer Teestube vertreten, Amerika mit einer Wild-West-Bar, Italien mit einer Osteria, Spanien hatte eine Bodega, Ungarn eine Puszta-Stube, die Türkei einen Mokka-Ausschank. Berühmt waren die Wettersimulationen in der Rheinterrasse. Wohl nur wenige ausländische Besucher verzichteten darauf, das Haus Vaterland zu besuchen. Die Berliner waren dort nur selten zu sehen, „aber es ist eine Sehenswürdigkeit“, wie Curt Moreck in seinem Reiseführer schrieb, „und darum den Fremden empfohlen. Denn für die ist es ja aufgebaut worden.“</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin5-e1676631791200.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="435" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin5-e1676631791200.jpg" alt="Kudamm in den zwanziger Jahren" class="wp-image-2159" style="width:466px;height:317px" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin5-e1676631791200.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin5-e1676631791200-300x204.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Haus Vaterland</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Das Romanische Café – „Im Wartesaal der Talente“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Besuch des Romanischen Cafés, vis-à-vis der Gedächtniskirche, gehörte fast schon zum Pflichtprogramm der in Berlin weilenden Touristen. Hier traf sich das Berliner Geistesleben – Regisseure, Journalisten, Literaten. Für Erich Kästner war das Romanische Café ein Wartesaal der Talente: „Man wartet. Inzwischen vertreibt man sich die Zeit. Hierzu benötigt man das weibliche Geschlecht; Studentinnen, Kunstgewerblerinnen, höhere Töchter. Außer ihnen gibt es hier auch jene Damen, die von der Liebe leben.“ Zu den Stammgästen gehörten arrivierte Künstler und Kulturschaffende wie Alfred Kerr, Otto Dix, Alfred Döblin, Max Liebermann, Bertolt Brecht, Billy Wilder und Stefan Zweig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Eldorado – Feiern unterm Regenbogen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Eldorado in der Schöneberger Lutherstraße war über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Einen Abend im Eldorado zu verbringen, war bei Touristen und bei der Berliner Gesellschaft große Mode. Zu den Gästen des Eldorados zählten Prominente wie Marlene Dietrich, Claire Waldorf, Magnus Hirschfeld und Egon Erwin Kisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Zum Verständnis sei vorausgeschickt, dass dieses Lokal eine besondere Note hat, es ist die Heimstätte derer, die ‚anders als die anderen’ sind, und eine Unterhaltungsstätte für diejenigen, die diesem Treiben zuschauen und sich zuerst sehr wundern, wenn sie plötzlich erfahren, dass die von ihnen bewunderte und vielleicht auch begehrte Tänzerin ein junger Mann ist und dass die Lokalberühmtheit ‚Nora’ eigentlich ‚Leo’ heißt. Die Bühne zeigt Karikaturen berühmter Operetten- und Schlagerkomponisten, die ‚Wunder-Bar’ persifliert Prominente aus Kunst und Kultur (über allen thront Max Schmeling), und in der ‚Taormina-Bar’ mit dem aufflammenden Ätna findet man Dekorationen zu bekannten Romanen, Bühnenstücken und Schlagern.“</em> (Quelle: Die Reklame, 1. Novemberheft 1930)</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin6-e1676631944726.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="356" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin6-e1676631944726.jpg" alt="Foto vom Lokal Eldorado aus dem Berlin der 20er Jahre" class="wp-image-2160" style="width:465px;height:259px" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin6-e1676631944726.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Berlin6-e1676631944726-300x167.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Das Eldorado</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor der nationalsozialistischen Machtergreifung musste das Eldorado 1932 im Zuge einer polizeilichen „Kampagne gegen das lasterhafte Nachtleben“ schließen. Ein Jahr später war, tatsächlich unter dem alten Namen, Wiedereröffnung – als SA-Lokal. Die braune Pest hatte längst begonnen, das tolerante, weltoffene Vergnügungs- und Kulturleben der Stadt zu zerstören. Goodbye to Berlin: Die ersten Künstler, Wissenschaftler, Journalisten, Autoren und Oppositionellen gingen ins Exil.</p>



<pre class="wp-block-verse"><em><strong>Reisen damals-Tipps: Berlin in den 1920- und 1930ern</strong><br></em><br><strong>Stadtführung</strong><br>Wer in Berlin in die Goldenen Zwanziger abtauchen will, kann eine Tour mit dem Historiker Arne Krasting von Zeitreisen Berlin buchen. Bei seinen Stadtführungen trägt er Schiebermütze und Knickerbockerhosen und bietet den Teilnehmern Zigaretten aus einer original Overstolz-Schatulle aus den Zwanzigern an. Der gleichen Marke, die auch Kommissar Rath in „Babylon Berlin" raucht. (Nichtraucher sind natürlich auch willkommen.)<br><a href="https://zwanziger-jahre-berlin.de/" target="_blank" rel="noopener">www.zwanziger-jahre-berlin.de</a><br><br><strong>Berlin-Museen</strong><br>Das Märkische Museum widmet sich der Geschichte und Kulturgeschichte Berlins vom Mittelalter bis zur Gegenwart.<br>www.stadtmuseum.de<br>Das Humboldt Forum (Berliner Schloss) beherbergt die Ausstellung BERLIN GLOBAL. Sie berichtet über die Geschichte Berlins aus den Perspektiven Freiraum, Grenzen, Vergnügen, Krieg, Mode und Verflechtung.<br><a href="https://www.humboldtforum.org/de/" target="_blank" rel="noopener">www.humboldtforum.org</a><br><br><strong>The Story of Berlin</strong><br>Das Erlebnismuseum The Story of Berlin zeichnet die wechselhafte Geschichte Berlins – von der Siedlung bis zur bundesdeutschen Hauptstadt – nach. Auf 6000 Quadratmetern und in 23 Themenräumen kann sich der Besucher anhand von Multimedia-Installationen und Original-Exponaten über die Entwicklung der Stadt sowie die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen seit ihrer Gründung informieren.<br></pre>
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		<title>Usedom – das Mallorca der Kaiserzeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jan 2023 11:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reiseziele]]></category>
		<category><![CDATA[Epochen]]></category>
		<category><![CDATA[Ahlbeck]]></category>
		<category><![CDATA[Kaiserzeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Der deutsche Badetourismus begann 1872 in Heringsdorf auf der Ostseeinsel Usedom – wobei das Baden im Meer zunächst nichts mit dem lockeren Strandleben von heute gemein hatte. Man stieg, wenn überhaupt, in hochgeschlossenen Kostümen von Badekarren aus ins Wasser und ließ weder Luft noch Sonne an den Körper. Dass es auch Kaiser Wilhelm I. auf [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Der deutsche Badetourismus begann 1872 in Heringsdorf auf der Ostseeinsel Usedom – wobei das Baden im Meer zunächst nichts mit dem lockeren Strandleben von heute gemein hatte. Man stieg, wenn überhaupt, in hochgeschlossenen Kostümen von Badekarren aus ins Wasser und ließ weder Luft noch Sonne an den Körper. Dass es auch Kaiser Wilhelm I. auf Usedom gefiel, erwies sich für Heringsdorf und die Nachbarorte Bansin, Ahlbeck und Swinemünde als Glücksfall: Auf Betreiben Wilhelms wurde die Eisenbahnstrecke Berlin-Swinemünde ausgebaut und 1876 eingeweiht. Die Ostsee war nun in knapp drei Stunden von der Hauptstadt erreichbar. Zur Jahrhundertwende galt Heringsdorf mit seinen prunkvollen Sommervillen, Kurhotels und der 500 Meter langen Seebrücke unter den vier „Kaiserbädern“ als fast so luxuriös wie die Badeorte an der Cote d’Azur. (Auch Wilhelm II. weilte oft auf Usedom. Für seine Geliebte, Konsulin Steude, ließ er am Strand von Heringsdorf eine schlossartige Villa bauen.) Künstler und Literaten wie Lyonel Feininger, Johann Strauß, Thomas Mann, Leo Tolstoi und Maxim Gorki gehörten zu den prominenten Gästen, die hier die würzige Seeluft genossen. Etwas lockerer als in Heringsdorf ging es in Bansin zu, das sich zu einem „Volksbad“ für die Mittelschicht entwickelte. 1923 erhielt Bansin als erstes deutsches Seebad die „Freibadeerlaubnis“. Usedom war nun die „Badewanne Berlins“. Noch immer ist die typische schnörklige Usedomer Bäderarchitektur in den drei deutschen Kaiserbädern und im polnischen Swinemünde gegenwärtig.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/10/Seebruecke-von-Ahlbeck-scaled-e1666899449317.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="650" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/10/Seebruecke-von-Ahlbeck-1024x650.jpg" alt="Seebrücke von Ahlbeck mit Booten und Strandkörben" class="wp-image-319"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Seebrücke von Ahlbeck (1898). Das hölzerne Brückengebäude ist erhalten geblieben.</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/10/Grandhotel-Ahlbecker-Hof.png"><img loading="lazy" decoding="async" width="543" height="509" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/10/Grandhotel-Ahlbecker-Hof.png" alt="Grandhotel Ahlbecker Hof" class="wp-image-322" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/10/Grandhotel-Ahlbecker-Hof.png 543w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/10/Grandhotel-Ahlbecker-Hof-300x281.png 300w" sizes="auto, (max-width: 543px) 100vw, 543px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Grandhotel Ahlbecker Hof 1909. Das mondänste Haus in Ahlbeck</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/10/Seetelhotels-e1666900271744.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="614" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/10/Seetelhotels-1024x614.jpg" alt="Frontseite Ahlbecker Hof" class="wp-image-320"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Ahlbecker Hof direkt an der historischen Strandpromenade im Kaiserbad Ahlbeck</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der im Jahr 1890 erbaute <em>Ahlbecker Hof</em> war bereits zur Jahrhundertwende ein Haus ersten Ranges, worauf auch heute noch die eindrucksvolle Fassade des Gebäudes hinweist. Der Ahlbecker Hof war nicht immer ein reiner Hotelbetrieb: 1944 quartierten sich die Generalstäbe der Heeresgruppe Nord bis kurz vor Kriegsende ein. 1949 wurde das Hotel zum ersten FDGB-Heim, dem Feriendienst des freien Deutschen Gewerkschaftsbunds der ehemaligen DDR, als Ferienheim umfunktioniert. Das heutige&nbsp;Fünf-Sterne <em>Romantik Seehotel Ahlbecker Hof</em> feierte 2016 sein&nbsp;125-jähriges Jubiläum.<em> (Quelle: Seetelhotels Usedom)</em></p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>‚Reisen damals‘-</em>Tipp: Museen in Anklam und Wolgast</strong>
Die Küstenstädtchen Anklam und Wolgast sind die „Tore zur Insel Usedom“.

<strong>Otto-Lilienthal-Museum in Anklam</strong>
Das Museum präsentiert eine Sammlung rekonstruierter Gleitflieger des Flugpioniers Otto Lilienthal (geb. 1848 in Anklam, gest. 1896 in Berlin nach einem Absturz) und informiert über Geschichte und Technik des Fliegens.
<a href="http://www.lilienthal-museum.de/olma/home.htm" target="_blank" rel="noopener">www.lilienthal-museum.de
</a>
<strong>Museum Wolgast</strong>
Technikbegeisterte können hier das „Eisenbahndampffährschiff“ besichtigen – eine historische Fähre mit Dampfmaschine, die einst Zügen mit bis zu drei Waggons über die Peene half.
<a href="http://www.museum.wolgast.de/" target="_blank" rel="noopener">www.museum-wolgast.de</a></pre>
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