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	<title>Personen &#8211; reisen damals</title>
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	<description>Die goldene Zeit des Reisens</description>
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	<title>Personen &#8211; reisen damals</title>
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		<title>Theodor Fontanes Gebrauchsanleitung fürs Reisen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 09:46:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann der Fremdenverkehr in Westeuropa sich zu einer einträglichen Industrie zu entwickeln, die bereits alle Erscheinungen des Massentourismus in sich trug. Die damit verbundenen unschönen, aber wohl unvermeidlichen Praktiken verhalfen einem neuen literarischen Berufsstand zum Durchbruch: dem Tourismuskritiker. Einer der prominentesten Vertreter war seinerzeit Theodor Fontane (1819 – 1898): „Ich glaube, [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann der Fremdenverkehr in Westeuropa sich zu einer einträglichen Industrie zu entwickeln, die bereits alle Erscheinungen des Massentourismus in sich trug. Die damit verbundenen unschönen, aber wohl unvermeidlichen Praktiken verhalfen einem neuen literarischen Berufsstand zum Durchbruch: dem Tourismuskritiker. Einer der prominentesten Vertreter war seinerzeit Theodor Fontane (1819 – 1898): „Ich glaube, dass das ganze moderne Reisewesen sehr reparaturbedürftig ist; auszuhalten ist die ganze Geschichte nur von denen, die gesund und kreuzfidel sind.“ Fontanes Klagen betrafen nicht nur die touristische Infrastruktur. Auch die „leberkranken Nörgler und die Neunmalklugen“ unter den Touristen blieben von ihm nicht verschont. Fontane war nicht verborgen geblieben, dass das Reisen allmählich seine Exklusivität verlor: „Sonst reisten bevorzugte Individuen, jetzt reist jeder und jede.“ Seiner Reiselust tat das aber keinen Abbruch; wie viele Tourismuskritiker war auch er selbst ein leidenschaftlicher Reisender. „Mehr als Weisheit aller Weisen, galt mir reisen, reisen, reisen“, reimte er im hohen Alter. Theodor Fontanes Reisen führten ihn nach den Lehr-und Wanderjahren in Deutschland als Journalist, Kriegsberichterstatter und Verfasser von Reiseberichten nach Österreich, England, Schottland, Italien, Frankreich und Dänemark. Am Schreibtisch hielt es den späteren Romancier nie lange.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wandern auf Fontanes Spuren</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fontanes bekanntestes Reisewerk sind die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. In fünf Bänden&nbsp;beschreibt er Schlösser, Klöster, Orte, Landschaften der Mark Brandenburg und ihrer Menschen. Die Idee zu den&nbsp;„Wanderungen“ kam ihm während seiner Schottland-Reise im Sommer 1858. Der Anblick der alten schottischen Burg Loch Leven&nbsp;rief in ihm ein wehmütiges Bild vom Brandenburger Schloss Rheinsberg&nbsp;hervor. Die Rheinsberg-Tour in der Heimat sei nicht minder schön als die schottische gewesen, schrieb er. Sein „aus Liebe und Anhänglichkeit an die Heimat“ geborener Entschluss, in Zukunft die „Kostbarkeiten der Landschaft und Kultur“ zu Hause, statt im Ausland zu suchen, ließ ihn zwischen 1859 und 1889 dreißig Jahre lang immer wieder die Mark Brandenburg durchwandern. Unzählige Erholungsuchende tun es ihm heute gleich und lassen sich von ihrer weiträumigen Natur und den sagenumwobenen Stätten der Vergangenheit verzaubern.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane2.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="334" height="213" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane2.jpg" alt="Ein Bild, das draußen, Gras, Gebäude, Himmel enthält." class="wp-image-3256" style="aspect-ratio:1.5681167926050914;width:432px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane2.jpg 334w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane2-300x191.jpg 300w" sizes="(max-width: 334px) 100vw, 334px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Loch Leven Castle, Schottland</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane3.jpg"><img decoding="async" width="353" height="235" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane3.jpg" alt="Ein Bild, das draußen, Gras, Wolke, Wasser enthält." class="wp-image-3257" style="aspect-ratio:1.5021610479420173;width:431px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane3.jpg 353w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane3-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 353px) 100vw, 353px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Schloss Rheinsberg im Havelland</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Fontanes fünf Empfehlungen für richtiges Reisen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ob du reisen sollst, so fragst du? Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht. Und doch würde es gerade mir nicht anstehen, sie zu umgehen oder wohl gar ein „nein“ zu sagen. So denn also ‚ja‘. Aber ‚ja‘ unter Vorbedingungen. Lass‘ mich Punkt für Punkt aufzählen, was ich für unerlässlich halte.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Erstens: Wer reisen will, der muss zunächst Liebe zu ‚Land und Leuten‘ mitbringen, mindestens keine Voreingenommenheit. Er muss den guten Willen haben, das Gute gut zu finden, anstatt es durch kritische Vergleiche totzumachen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Zweitens: Der Reisende muss sich ferner mit einer feineren Art von Natur- und Landschaftssinn ausgerüstet fühlen. Es gibt grobe Augen, die gleich einen Gletscher oder Meeressturm verlangen, um befriedigt zu sein. Diese mögen zu Hause bleiben. Es ist mit der Natur wie mit manchen Frauen. ‚Auch die hässlichste‘ – sagt das Sprichwort – ‚hat immer noch sieben Schönheiten.‘ Wenige Punkte sind so arm, dass sie nicht auch ihre sieben Schönheiten hätten. Man muss sie nur zu finden verstehen. Wer das Auge dafür hat, der wage es und reise.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Drittens: Wenn du reisen willst, musst du die Geschichte dieses Landes kennen und lieben. Dies ist ganz unerlässlich. Wer ein altes Schloss sieht, das mehr hässlich als gespensterhaft aufragt, wird es für ein Landarmenhaus halten und entweder gleichgültig oder wohl gar in ästhetischem Missbehagen an ihm vorübergehen; wer aber weiß: ‚hier, an diesem Fenster stand der Kronprinz‘, der sieht den alten unschönen Bau mit anderen Augen an.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Viertens: Du musst nicht allzu sehr durch den Komfort der ‚großen Touren‘ verwöhnt und verweichlicht sein. Es wird einem selten das Schlimmste zugemutet, aber es kommt doch vor, und keine Lokalkenntnis, keine Reiseerfahrung reichen aus, dich im Voraus wissen zu lassen, wo es vorkommen wird und wo nicht. … Wo es gut sein könnte, da triffst du es vielleicht schlecht, und wo du das Kümmerlichste erwartest, überraschen dich Luxus und Behaglichkeit.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Fünftens und letztens: Wenn du das Wagstück wagen willst – ‚füll‘ deinen Beutel mit Geld‘. Glaube nicht, weil du die Preise kennst, die Sprache sprichst und sicher bist vor Kellnern und Kutschern, dass du sparen kannst. In vielen bereisten Ländern kann man billig reisen, wenn man anspruchslos ist. Ist dies nicht der Fall, so gib es auf. … Nimmst du Anstoß an solchen Preisen und Ärgernissen – so bleibe zu Hause.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese fünf Tipps stammen aus dem Vorwort von „Die Grafschaft Ruppin“, weggelassen sind hier lediglich die Ortsangaben. Ist es nicht erstaunlich, wie aktuell Fontanes Ratschläge aus dem Jahr 1864 auch heute noch klingen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Über den Wert des Reisens</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Reisen hat seine Gefahren wie alles andere; wer sie nicht mit in Kauf nehmen will, muss zu Hause bleiben“, warnt Fontane und empfiehlt, das Abenteuer auch „jenseits der großen Straße“ zu suchen. Worauf sich der Reisende dabei allerdings gefasst machen muss, schilderte er spöttelnd und selbstironisch in vielen Briefen und Berichten. Seine Seufzer über ungehobelte Kellner, geldgierige Hoteliers, unzuverlässige Eisenbahnen, nervende Mitreisende, lausige Quartiere mit „gefüllten Nachttöpfen der Vorgänger“ unterm Bett und – immer wieder – über gruselige Klos („jeder Ort in Deutschland scheitert am Örtchen“) lesen sich ausgesprochen vergnüglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nie wäre es Fontane in den Sinn gekommen, wegen derartiger Unzulänglichkeiten aufs Reisen zu verzichten. Wer reist, benötige eben auch „Reiseglück“. Der Nutzen des Reisens stand für ihn außer Frage. Reisen erweitere den Horizont und zeige, dass „hinterm Berg auch Leute wohnen“. Es führe zu neuen bereichernden Bekanntschaften und „stärkt Geist, Körper und Seele“.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane4-e1786006932278.jpg"><img decoding="async" width="450" height="291" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/08/Fontane4-e1786006932278.jpg" alt="Ein Zeichnung, das draußen, Baum, Bild, enthält." class="wp-image-3258"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Spreewalddorf Lehde (Postkarte, um 1900)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Ausflugstipp: Eine Spreewaldfahrt wie zu Fontanes Zeiten</strong>
Ob der Spreewald das schönste aller von Fontane erwanderten Gebiete Brandenburgs ist, dürfte eine Geschmacksfrage sein. Uckermark, Schorfheide, die Märkische Schweiz oder Fontanes Heimat, das Havelland, verzaubern ebenfalls jeden Besucher. Ohne Zweifel ist aber der Spreewald mit seinem verzweigten Netz von Spreearmen und Spreekanälen weltweit eine einzigartige historische Kulturlandschaft, die man noch immer so vorfindet, wie sie Theodor Fontane erlebt hat. Im August 1859 besuchte der Dichter das Spreewalddorf Lehde. In seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ beschreibt er es als „bäuerliches Venedig“, als „Lagunenstadt im Taschenformat“, bei der sich der tägliche Verkehr auf dem Wasser abspielt. Von Berlin aus ist der Spreewald in ein bis zwei Stunden zu erreichen. Eine Kahnfahrt durch die baumbestandenen Kanäle gehört zu den faszinierendsten touristischen Erlebnissen, die Deutschland zu bieten hat.
<a href="http://www.spreewald.de" target="_blank" rel="noopener">www.spreewald.de</a></pre>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: „Kleines Brevier für Reisende und Sommerfrischler“</strong><br>Aus Fontanes Briefen und seinen unterhaltsamen Reiseschilderungen hat der Fontane-Experte Gotthard Erler die schönsten Äußerungen zum Thema Lust und Last des Reisens ausgewählt. Was den großstadtgestressten Schriftsteller erboste, was ihm die Laune gründlich verdarb und woran er sich wieder aufrichtete, all das präsentiert er mit einer Brillanz, die Vergnügen bereitet.<br><a href="https://link.amazon/B0h7AXDST" target="_blank" rel="noopener">Taschenbuch, 159 Seiten. Erschienen im Aufbau Verlag, Berlin (2019)</a>*</pre>



<p class="wp-block-paragraph">* Affiliate-Link</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Rüdiger Nehberg, Kuno S. Steuben und der Blaue Nil</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2026 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
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					<description><![CDATA[Im letzten Jahrhundert gab es auf der Erde Gebiete, die noch kein Europäer betreten hatte. Doch nach und nach wurden die weißen Flecken auf den Landkarten aller Kontinente immer kleiner, bis sie so gut wie verschwunden waren. Dennoch ist bei manchen Menschen die Sehnsucht nach ursprünglicher Natur und die Lust an Entdeckungen so stark, dass [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Im letzten Jahrhundert gab es auf der Erde Gebiete, die noch kein Europäer betreten hatte. Doch nach und nach wurden die weißen Flecken auf den Landkarten aller Kontinente immer kleiner, bis sie so gut wie verschwunden waren. Dennoch ist bei manchen Menschen die Sehnsucht nach ursprünglicher Natur und die Lust an Entdeckungen so stark, dass sie bereit sind, ihre bürgerliche Existenz für ein abenteuerliches Leben einzutauschen. Einer dieser heutigen Pioniere war bis zu seinem Tod Rüdiger Nehberg, im Urteil der Medien „Deutschlands Abenteurer Nr. 1“. Seine Bücher und Vorträge über seine Expeditionen, unter anderem in den Jemen, nach Äthiopien und zum Volk der Yanomamis im Regenwald Amazoniens, bescherten dem Survivalexperten und Menschenrechtler Nehberg eine riesige Fangemeinde. Rüdiger Nehberg überlebte 26 Raubüberfälle, eine Atlantiküberquerung im Tretboot und einen mehrwöchigen Marsch ohne Ausrüstung durch den brasilianischen Dschungel. Seine erste große Expedition führte ihn 1971 nach Äthiopien, in eine fast unbewohnte, wilde Landschaft. Er wollte den Blauen Nil befahren, einen reißenden Fluss, der überwiegend in Schluchten verläuft, voller Krokodile und mit Schlangen an den moskitoverseuchten Ufern. Inspiriert hatte ihn dazu das 1960 erschienenen Buch „Zu den Goldquellen des Amazonas“ von Kuno Schmutnig, der sich als Autor Kuno S. Steuben nannte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg2-e1780520183600.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="540" height="456" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg2-e1780520183600.jpg" alt="Karte des Blauen Nils von Äthiopien über Sudan mit Lago Tana, Addis Abeba, Roseires-Damm und Verlauf bis Jartún." class="wp-image-3233"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Blaue Nil</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Kuno S. Steuben – Stromschnellen, Krokodile und Banditen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kuno S. Steuben (1937 &#8211; 2004) gehörte in den fünfziger und sechziger Jahren der Bundesrepublik Deutschland zur Spezies der Globetrotter, denen an Wohlstand und Karriere nichts lag. Sie wollten reisen, die Welt erkunden und ein Leben in Freiheit führen. Kuno schmiss sein Medizinstudium, fuhr nach Izmir mit einem Faltboot im Gepäck und paddelte durch die türkische und griechische Ägäis. Danach durchquerte er die Eissteppen Lapplands auf Skiern, heuerte er auf einem Walfänger an und leitete eine Unterwasserexpedition auf den Kanarischen Inseln. 1959, da war er 23, las er in einem Buch, dass der obere Blaue Nil vom Tanasee bis zur sudanesischen Grenze eines der wenigen Gebiete Afrikas sei, die noch nicht genau erforscht werden konnten. Der Gedanke, nach Äthiopien zu reisen und ein Buch über die Bezwingung des Blauen Nils zu schreiben, ließ ihn nicht mehr los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 1959 fliegt er nach Addis Abeba, baut sich an einer Nilbrücke ein Floß und lässt sich auf dem wilden Blauen Nil 300 Kilometer flussabwärts treiben, ständig bedroht von aggressiven Riesenkrokodilen: „Die Viecher haben sich auf mich gestürzt, das Floß schwamm ja halb unter Wasser. Wie oft habe ich mich mit dem Paddel wehren müssen, die Füße eingezogen.“ Im Februar 1960 wird er überfallen, kann geschwächt und verletzt auf seinem Floß fliehen und wird schließlich von Einheimischen gerettet und gesund gepflegt. Die folgenden Jahrzehnte verbringt er mit seiner Frau Lili vorwiegend segelnd in den kleinasiatischen Küstengewässern. Kuno S. Steuben starb 2004 in Dalyan in der Türkei.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="227" height="327" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg3.jpg" alt="Buchcover „Zu den Goldquellen der Pharaonen“ von Kuno S. Steuben mit Nil-Landschaft und Bootsmann unter Palmen." class="wp-image-3234" style="aspect-ratio:0.6941749892483394;width:273px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg3.jpg 227w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg3-208x300.jpg 208w" sizes="auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Cover der vergriffenen Ausgabe von 1963 (Ullstein „Bunte leuchtende Welt“)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Zehn Jahre danach: Rüdiger Nehbergs Expeditionen zum Blauen Nil</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nehbergs erste Reise zum Blauen Nil, rund zehn Jahre nach Steubens Höllenfahrt, scheiterte bereits nach kurzer Zeit. Sein Boot, „Marke Eigenbau“, hatte sich so sehr in den Ästen eines Affenbrotbaums verfangen, dass er es aufgeben werden musste. Nur ein Jahr später, 1972, unternahm er zusammen mit dem Kameramann Michael Teichmann einen zweiten Versuch. Diesmal war das Boot stabiler, doch dafür gab es wie schon bei Kuno S. Steuben unschöne Begegnungen mit feindseligen Einheimischen, denen sie gerade noch entkommen konnten. Die dritte Expedition an den Blauen Nil im Januar 1975, wieder mit Michael Teichmann und einem weiteren Freund, endete tragisch: Die Gruppe wird von Banditen überfallen, und es kommt zu einer Schießerei. Teichmann wird von hinten in den Kopf getroffen und stirbt. Nehberg und sein Freund Andor Scholz ziehen ihre Revolver und schießen zurück. „Die Gegner flohen, versteckten sich im Gelände, und wir nutzten die Verwirrung und entkamen über den Fluss. Fünf Tage Flucht. Dann eine Fahndung. Mit Hubschrauber und äthiopischen Soldaten. Und dem Erfolg, dass wir die Täter gefangen haben“, berichtete Nehberg. In seinem Buch „Abenteuer am Blauen Nil“ ist diese Episode enthalten – neben einem Wunsch des Autors, dem allerdings nicht unbedingt nachgekommen werden sollte: „Vielleicht vermag das Buch, Leser zu inspirieren, selbst solche Wagnisse anzugehen. Bis in die Gegenwart hat sich an den Flüssen fast nichts verändert.“</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg4-e1780520207609.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="540" height="342" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg4-e1780520207609.jpg" alt="Wasserfälle am Blauen Nil in grüner Landschaft mit Regenbogen, Bäumen und Hügeln im Hintergrund." class="wp-image-3235"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Blaue Nil</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Leben voller Abenteuer und Entdeckungen. Ist das heute noch möglich?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Leben wie das von Kuno S. Steuben, Rüdiger Nehberg oder von Entdeckern wie David Livingstone und Sven Hedin scheint im jetzigen Jahrtausend wie aus der Zeit gefallen. Geografisch gibt es in „fernen Ländern“ so gut wie nichts mehr zu entdecken. (Das war in den 70er Jahren noch anders.) Außer in Kriegs- und Krisenzonen kommt man heute schnell und sicher in jeden Winkel der Welt. Spektakuläre Märsche durch Dschungel und Wüsten von Extremsportlern und Überlebensprofis sind zu sportlichen Höchstleistungen geworden, die man bewundern kann oder auch nicht. Für Rüdiger Nehberg waren sie zumindest in seinen letzten zwanzig Jahren nie Selbstzweck. Durch sie konnte er weltweit die Öffentlichkeit auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen, die er bis zuletzt leidenschaftlich bekämpfte. Diese Lebensaufgabe war vielleicht sein größtes Abenteuer, für das er sich nicht schonte. 2002 erhielt er für sein Engagement für bedrohte Völker das Bundesverdienstkreuz, 2008 für sein Engagement gegen die Beschneidung der weiblichen Genitalien in Afrika und Asien (<a href="https://www.target-nehberg.de/de" target="_blank" rel="noopener">www.target-nehberg.de</a>) Vor dem Coronavirus musste auch „Sir Vival“ Rüdiger Nehberg kapitulieren. Er starb am 1. April 2020 im Alter von 84 Jahren in Rausdorf in Schleswig-Holstein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War Nehberg wirklich „der letzte der großen Abenteurer“, wie der „Spiegel“ 2020 schrieb? Hoffentlich nicht. Die Welt braucht engagierte Abenteurer wie ihn mehr denn je.</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: Rüdiger Nehbergs Expeditionen zum Nil und zum Omo</strong>
Dieser Doppelband beinhaltet zwei packende Erlebnisberichte: die Expeditionen an den Blauen Nil, den kaum bezwingbaren afrikanischen Wildwasserstrom, und die Fahrt auf dem reißenden Fluss Omo bis zum Rudolfsee. Allen Warnungen zum Trotz macht Nehberg sich auf den Weg durch die unerbittliche und atemberaubend schöne Wildnis des nordöstlichen Afrikas. Diese Expeditionen begründeten Nehbergs Ruf als einen der bekanntesten Abenteurer der Welt.
464 Seiten, 34 Farbfotos (Taschenbuch), Piper-Verlag, München 2011</pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://amzn.to/4dSJXik" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="456" height="722" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg5.jpg" alt="Buchcover „Abenteuer am Blauen Nil“ von Rüdiger Nehberg mit Wasserfall, dunklem Himmel und kleinem Autorenfoto." class="wp-image-3236" style="aspect-ratio:0.6315846426870969;width:212px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg5.jpg 456w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/06/Nehberg5-189x300.jpg 189w" sizes="auto, (max-width: 456px) 100vw, 456px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige</figcaption></figure>
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		<title>A.E. Johann: „Wo ich die Welt am schönsten fand“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2026 09:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[A.E. Johann]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Fragespiel ist alt – und immer wieder neu: „Welche zehn Bücher, Songs oder Filme magst du am liebsten? Und warum?“ Schnell wird klar, dass es die eine, für jeden zutreffende Hitliste nicht geben kann. Nicht anders ist es bei der Frage nach den schönsten Ländern der Welt. Wer aber im Laufe seines Lebens alle [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Das Fragespiel ist alt – und immer wieder neu: „Welche zehn Bücher, Songs oder Filme magst du am liebsten? Und warum?“ Schnell wird klar, dass es die eine, für jeden zutreffende Hitliste nicht geben kann. Nicht anders ist es bei der Frage nach den schönsten Ländern der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer aber im Laufe seines Lebens alle Kontinente mehrfach bereist und darüber über achtzig Reisebücher mit einer Gesamtauflage von zwanzig Millionen Exemplaren geschrieben hat, darf sich wohl mit Recht ein kompetentes Urteil darüber erlauben, wo die Welt am schönsten ist. Subjektiv bleibt die Auswahl natürlich dennoch. A.E. Johann (1901 bis 1996) gilt als der bedeutendste deutsche Reiseschriftsteller des 20. Jahrhunderts. 1928 erschien sein erstes Buch. „Mit zwanzig Dollar in den wilden Westen“ wurde auf Anhieb mehr als 150.000-mal verkauft. In den folgenden Jahren unternahm er durch Asien, Amerika, Australien und Afrika ausgedehnte Reisen, über die er in zahllosen Zeitungsartikeln, auf Vorträgen und in Büchern mit großem erzählerischen Talent berichtete. Um Land und Leute zu studieren, scheute A.E. Johann weder Mühe noch Gefahr. Alaska durchquerte er auf dem Hundeschlitten, in der afrikanischen Steppe belauschte er mit der Kamera hautnah Löwen und Elefanten, den Amazonas und den Colorado befuhr er mit dem Kanu, in den Rocky Mountains teilte er mit Holzfällern und Trappern das Lagerfeuer … Er war ein Reisender, der auch immer die Begegnung mit den Menschen suchte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="293" height="416" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann2.jpg" alt="Historische Buchseite mit Segelbooten am Ufer, kleiner Reiterszene, Palmenbild und dem Titel „Wo ich die Erde am schönsten fand“." class="wp-image-3177" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann2.jpg 293w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann2-211x300.jpg 211w" sizes="auto, (max-width: 293px) 100vw, 293px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Buchcover von 1960 </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">1960 zog A.E. Johann in seinem Bestseller „Wo ich die Welt am schönsten fand“ Bilanz. Einfach hat er es sich dabei nicht gemacht, wie das Schlusskapitel des Buchs zeigt:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Viele Länder und Landschaften haben hier ihre Namen und Vorzüge ins Spiel gebracht. Ich will am Schluss dieses Buches Farbe bekennen und ganz klar sagen, welche Länder ich außerhalb der Heimat Europa als die schönsten und immer unvergesslichen erlebt habe. Unter den Ländern, in denen die Wildnis verwaltet und immer bestimmend bleiben wird, gehört meine größte Liebe Südwestafrika. Unter den alten Ländern mit hoher Kultur und viel Geschichte stelle ich Kaschmir über die anderen. Ich weiß, dass andere anders urteilen werden. Schönheit gibt es nicht ‚an sich‘ sondern nur im Auge des Betrachters – und dafür gilt, dass über den Geschmack nicht zu streiten lohnt.“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="341" height="255" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann3.jpg" alt="Ein einzelner Baum vor hohen Sanddünen in der Wüste, darunter karger Boden und blauer Himmel." class="wp-image-3178" style="aspect-ratio:1.337275568355904;width:457px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann3.jpg 341w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann3-300x224.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Namibwüste( (Südwestafrika)</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="460" height="256" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann4.jpg" alt="Grünes Bergtal mit Flusslauf zwischen bewaldeten Hängen, darüber hohe Wolken und schneebedeckte Gipfel im Hintergrund." class="wp-image-3179" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann4.jpg 460w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann4-300x167.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Pahalgam Valley, Kaschmir (Indien)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">A.E. Johann verzichtete in seinem Buch aus diesem Grunde auf ein abschließendes Ranking der schönsten Länder außerhalb Europas. „Höher als jede Schönheit sind jene Wochen und Stunden zu werten, in denen ich mich irgendwo – daheim oder draußen – in vollem Frieden mit mir und der Welt befand“. Dennoch, einige Orte hatten es ihm besonders angetan:</p>



<p class="wp-block-paragraph">das <em>Pare-Gebirge im Nordosten Tansanias</em>, wenn das „erste Gewitter der großen Regenzeit die Schwüle fortgeblasen“ hatte,<br>die <em>Ufer des Kongo</em>, „wo die langen Einbäume unter den Urwaldwänden gemächlich hingleiten“,<br>die <em>Savannen Simbabwes</em>, „wo mir die Herden der Impala-Gazellen über den Weg zogen“,<br>die <em>Dschungelflüsse Thailands</em>, „im blaugrünen Dämmer der über uns zusammenwachsenden Bäume“,<br>das <em>afghanische Hochland im nördlichen Hindukusch</em>, „wo mir die alten Bauern und Jäger von ihrem einfachen, aber immer umdrohten Leben erzählten“,<br>die grenzenlose <em>Pampa Argentiniens</em>, „wenn die Gauchos abends um das Feuer saßen und sangen“,<br>der <em>Nordhang des Kilimandscharo</em>, wenn vor der „Veranda meines Gästehauses sich am frühen Morgen die sanft gewölbte Gletscherkuppe des Kibo in den silberblauen Himmel hob“,<br>die <em>peruanischen Anden</em>, wo ein grober Pfad „tausend Meter hoch über dem Talgrund in den so gut wie senkrechten Wänden schwebte“.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann5-e1774971779186.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="681" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann5-1024x681.jpg" alt="Felswand mit großer Nische der zerstörten Buddha-Statue von Bamiyan, davor Häuser und im Hintergrund schneebedeckte Berge." class="wp-image-3180" style="aspect-ratio:1.5036826285478282;width:516px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Das Bamyan Valley in Afghanistan. In der Nische befand sich die 55 Meter hohe Buddha-Statue, die 2001 von den Taliban zerstört wurde</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann6-e1774971921986.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann6-1024x768.jpg" alt="Steinterrassen an steilem Berghang mit schmalem Pfad vor hohen, bewaldeten Andengipfeln." class="wp-image-3169" style="aspect-ratio:1.3333401151553377;width:527px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Terrassen im peruanischen Hochgebirge</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso schwärmerisch berichtet A.E. Johann von seinen Beobachtungen und Begegnungen im „goldenen Siam“, im „neuen und alten Japan“, in China, auf den Philippinen in der Wildnis Kanadas und in Afrika, dem Kontinent, dem er besonders zugetan war.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann7-e1774971896296.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="684" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann7-1024x684.jpg" alt="Palmengesäumter Sandstrand mit einfachen Hütten und kleinem Boot im flachen Wasser." class="wp-image-3170" style="aspect-ratio:1.4970873786407768;width:563px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">An der Küste Thailands</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann8-e1774971877162.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="427" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann8-e1774971877162.jpg" alt="Breite Wasserfälle stürzen in mehreren Kaskaden durch dichten grünen Regenwald, aufsteigender Sprühnebel erfüllt die Schlucht." class="wp-image-3171" style="aspect-ratio:1.4988472938851685;width:578px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Brasilien, die Iguazu-Wasserfälle</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann9-e1774971859114.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="426" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann9-e1774971859114.jpg" alt="Buddha-Statue auf der Terrasse des Borobudur-Tempels vor grüner Landschaft, Bergen und wolkigem Himmel." class="wp-image-3172" style="aspect-ratio:1.5023658438176284;width:580px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Java, Borobudur</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann10-e1774971810165.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="427" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann10-e1774971810165.jpg" alt="Japanische Burg am Wasser mit roter Brücke im Vordergrund unter klarem Himmel." class="wp-image-3173" style="aspect-ratio:1.4988472938851685;width:586px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Japan, Takashima Castle</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">A.E. Johanns Beschreibung seiner Suche nach den schönsten Gegenden der Erde handelt nur von Ländern fern von Europa. Nach jeder Reise zog es ihn zurück auf den heimatlichen Kontinent; der Gedanke auszuwandern, kam ihm nie. Und im Schlusskapitel schreibt er, sicher zur Überraschung der Leser, der weitaus schönste Kontinent sei für ihn – Europa: „Nirgends sonst ist auf so kleinem Raum eine solche Vielfalt der Landschaften und Klimata, der Völker und Kultur zu entdecken wie in Europa.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">(Was für ein Trost für alle, die keine Freunde von Fernreisen sind.) Seine besondere Liebe gehörte dabei Irland, der „grünen Insel weit im Westen Europas mit ihren Bergen, Mooren und Felsenküsten, mit den Menschen in den strohgedeckten Steinhütten über der tosenden Brandung“.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann11-e1774971839255.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="427" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann11-e1774971839255.jpg" alt="Grüne Küstenlandschaft mit Trockenmauern und Steinhäusern oberhalb steiler Klippen am türkisblauen Meer." class="wp-image-3174" style="aspect-ratio:1.4988472938851685;width:618px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Irland, Slea Head</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann beantwortete A.E. Johann doch noch, sehr weise, die Frage, die ihn zeit seines Lebens umtrieb: „Am schönsten ist die Erde überall dort, wo Frieden herrscht und Freiheit.“ Das war vor mehr als 60 Jahren und gilt heute mehr denn je. Wenige Jahre nach der Erstveröffentlichung des Buchs begann eine neue Ära der Tourismusgeschichte. Reiseveranstalter wie Neckermann und Touropa brachten per Flugzeug ihre Gäste auf Pauschalreisen wohlbehütet auch in die entfernten Ecken der Welt, in die A.E. Johann nur mit großem Aufwand gelangt war. Der Besuch Kenias, Thailands, der Karibik, Mexikos oder der USA war nun nicht mehr nur Abenteurern oder Spitzenverdienern vorbehalten. Doch der Zauber der großen, weiten Welt begann mit ihrer Erreichbarkeit zu schwinden.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann12.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="389" height="549" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann12.jpg" alt="Historisches Reisekatalog-Cover von Neckermann-Fernreisen 1974/75 mit bunten Reisezielen und dem Titel „Die Welt in guten Händen“." class="wp-image-3175" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann12.jpg 389w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Johann12-213x300.jpg 213w" sizes="auto, (max-width: 389px) 100vw, 389px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die weite Welt für alle: Neckermann macht’s möglich</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>&nbsp;„Wo ich die Erde am schönsten fand“ von A.E. Johann, erschienen im Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh 1960, ist nur noch antiquarisch erhältlich.</em></p>
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		<title>David Livingstone – 47.000 Kilometer durch Afrika</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 15:19:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[David Livingstone]]></category>
		<category><![CDATA[Sambesi]]></category>
		<category><![CDATA[Sklavenhandel]]></category>
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					<description><![CDATA[Bevor David Livingstone zu einem der berühmtesten Entdecker der Geschichte wurde, hätte sein Leben fast ein jähes Ende gefunden. 1838, mit Mitte zwanzig, zog es ihn nach Afrika – nicht als Forscher, sondern als Missionar. Von der Londoner Missionsstation Kuruman nahe Port Elizabeth im südlichen Afrika aus machte er weite Erkundungsreisen in den Norden, um [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Bevor David Livingstone zu einem der berühmtesten Entdecker der Geschichte wurde, hätte sein Leben fast ein jähes Ende gefunden. 1838, mit Mitte zwanzig, zog es ihn nach Afrika – nicht als Forscher, sondern als Missionar. Von der Londoner Missionsstation Kuruman nahe Port Elizabeth im südlichen Afrika aus machte er weite Erkundungsreisen in den Norden, um dort den christlichen Glauben verbreiten zu können. Bei einer dieser Reisen fiel ihn ein Löwe an. Die Wildkatze verbiss sich in seinen rechten Oberarm und fügte ihm mit der Kralle weitere Wunden zu, doch er überlebte den Angriff. Aber sein Arm war von diesem Zeitpunkt an gelähmt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone2-e1772711097479.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="771" height="1024" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone2-771x1024.jpg" alt="Historische Illustration eines Löwenangriffs auf einen Jäger in der Savanne, mit bewaffneten Begleitern im Hintergrund." class="wp-image-3159" style="aspect-ratio:0.7529259174486915;width:395px;height:auto"/></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schwerverletzt kehrte er nach Kuruman zurück, wurde dort gesund gepflegt und heiratete 1845 Mary Moffat. Die Tochter des Missionsleiters begleitete ihn später auf vielen Expeditionen, bei denen es nicht mehr nur um die Missionierung ging. Längst brannte in Livingstone das Feuer des Entdeckers. Unbekanntes Terrain zu erforschen und zu kartographieren, darin sah er jetzt seine Bestimmung. 1849 durchquerten David und Mary Livingstone als erste Weiße die Kalahari. Zwei Jahre später waren sie die ersten Europäer, die auf den Sambesi trafen. Die genauen geografischen Angaben, die Livingstone von jeder Erkundungstour mitbrachte, veranlassten die <em>Royal Geographic Society</em>, seine weiteren Expeditionen mit Material und Geld zu unterstützen. Insgesamt legte Livingstone auf seinen afrikanischen Reisen 47.000 Kilometer zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Sklaverei</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Livingstones Forscherkarriere war ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Er wuchs in Schottland in ärmlichen Verhältnissen auf und musste schon als Zehnjähriger in einer Mühle täglich vierzehn Stunden arbeiten. Doch er wollte ein besseres Leben. Nachts, nach der Arbeit, erwarb er sich aus Büchern so viel Wissen, dass er zum Theologie- und Medizinstudium zugelassen werden konnte. Sein Wunsch, als Missionar nach China zu reisen, wurde vom beginnenden Opiumkrieg durchkreuzt. Und so ließ er sich von einer englischen Missionsgesellschaft in den Süden Afrikas schicken.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone3-e1772711343300.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="666" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone3-1024x666.jpg" alt="Historische Illustration einer Bootsreise auf einem Fluss, bedroht von einem Nilpferd, während mehrere Männer panisch ins Wasser stürzen." class="wp-image-3155" style="aspect-ratio:1.5375501489805974;width:638px;height:auto"/></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am 11. November 1853 brach Livingstone in Zentralafrika zu seiner großen Entdeckungsreise entlang des Sambesi auf. (Seine Frau und Kinder hatte er zuvor nach Kapstadt gebracht, von wo aus sie ein Schiff nach England nahmen.) Mit einigen Begleitern vom Stamm der Makololo folgte Livingstone dem Sambesi flussaufwärts, dann marschierte die Gruppe weiter bis nach Luanda an der Westküste des heutigen Angola. Diese überaus strapaziöse Reise bewältigten die Männer zu Fuß und mit Kanus. Sie mussten Stromschnellen überwinden, wurden von Flusspferden angegriffen und flüchteten vor Krokodilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Oberlauf des Sambesi sah Livingstone zum ersten Mal die Gräuel des Sklavenhandels mit eigenen Augen. Er war entsetzt vom Anblick der ausgemergelten Körper von Sklaven, die man einfach dort liegen ließ, wo sie zusammengebrochen waren. Er nannte den Sklavenhandel „eine offene Wunde der Welt“ und unternahm von da an alles in seiner Kraft stehende, den afrikanischen, arabischen und europäischen Sklavenhändlern das Geschäft zu verderben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„Das Wundervollste, das ich je in Afrika gesehen habe“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Als Livingstone und seine Begleiter am 31. Mai 1854 Luanda erreichten, war er völlig erschöpft, abgemagert und fieberkrank. Doch das Angebot englischer Kapitäne, ihn mit in die Heimat zu nehmen, lehnte er ab. Er machte sich trotz Malaria und Ruhr auf den Rückweg, der ein Jahr dauerte, und stieß dabei auf die gigantischen Mosioatunja-Wasserfälle („donnernder Rauch“) – die er zu Ehren der Queen Victoriafälle nannte. Am 20. Mai 1856 erreichte er die Küste des Indischen Ozeans im heutigen Mosambik. Livingstone ist damit der erste Europäer, der den Kontinent von Osten nach Westen durchquert hat. Zurück in England wurde er für diese Leistung als Nationalheld gefeiert. Die Wiedersehensfreude mit seiner Familie war groß, doch bald darauf zog es ihn wieder nach Afrika.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="384" height="265" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone4.jpg" alt="Historische Illustration eines großen Wasserfalls in einer tiefen Schlucht, umgeben von dichter tropischer Vegetation." class="wp-image-3156" style="aspect-ratio:1.4490830827289345;width:456px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone4.jpg 384w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone4-300x207.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 384px) 100vw, 384px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Victoriafälle (Lithografie von Thomas Baines, 1865)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 1858 startete Livingstone, diesmal mit Unterstützung der englischen Regierung, seine zweite große Expedition. In seiner Begleitung befanden sich sein Bruder Charles, der Maler Thomas Baines und vier weitere Europäer. Trotz feindseliger Eingeborener, denen er nach Ansicht seiner Gefährten zu verständnisvoll begegnete, und ständiger Reibereien mit Sklavenhändlern gelang es Livingstone, den Lauf des Sambesi bis auf wenige Teilstrecken zu klären und den Njassasee zu kartieren. Noch im selben Jahr kam Livingstones Ehefrau Mary nach Afrika, um ihren Mann wiederzusehen 1862 verstarb sie im Alter von 41 Jahren an Fieber. Für ihn war ihr Tod eine große Tragödie, die er nie verwinden konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Hoffnung der englischen Regierung auf eine wirtschaftliche Erschließung des von Livingstone bereisten Gebiets sich nicht erfüllt hatte, berief sie ihn 1863 nach London zurück. Dort wartete schon ein neuer Forschungsauftrag auf ihn: Von der Royal Geographic Society erhielt er eine Zuwendung, um die Quellen des Nils zu erkunden. 1866 machte er sich von Sansibar aus mit nur wenigen Begleitern wieder auf die Reise und drang ins Unbekannte vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder entsetzte ihn der Horror des Sklavenhandels. Am 26. Juni 1866 notierte er im heutigen Malawi in sein Tagebuch: „Unterwegs stießen wir auf die Leiche einer erschossenen oder erstochenen Sklavin; eine Gruppe Eingeborener stand gaffend etwa hundert Schritte abseits; sie erzählten uns, dass ein Araber heute morgen hier vorbeigekommen sei. Da die Sklavin nicht mehr weiterkonnte, hatte er sie aus Wut über den Verlust des Kaufpreises umgebracht.“ David Livingstone wurde auch Zeuge an der Massakrierung von 400 Schwarzen durch arabische Sklavenhändler. Ein vom Journalisten Morton Stanley später veröffentlichter Tagebucheintrag Livingstones über dieses Ereignis hat wesentlich dazu beigetragen, dass Großbritannien den auf der Insel Sansibar herrschenden Sultan mit Waffengewalt dazu zwang, diesen wichtigsten Sklavenhandelsplatz Ostafrikas zu schließen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Livingstone gelangte zum Tanganjikasee, entdeckt den Mwerusee und den Bangweolosee, aber das Geheimnis der Nilquellen konnte er nicht lösen. Zwei Jahre war er unterwegs und hatte in dieser Zeit nichts vom Weltgeschehen mitbekommen. Für die Öffentlichkeit in Europa und Amerika galt der inzwischen weltbekannte Forscher als verschollen oder gar tot. Und in der Tat war er am Ende seiner Kräfte. Im letzten Augenblick erreichte er krank und fast verhungert, aber mit erstaunlichem Durchhaltewillen, die Arabersiedlung Ujiji am Tanganjikasee. Doch gerettet war er damit noch nicht. Die Vorräte, die man ihm dorthin geschickt hatte, waren gestohlen worden. In Ujiji kam es dann am 10. November 1871 zu der Begegnung, bei der der Satz fiel, der in die Weltgeschichte eingehen sollte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="252" height="368" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone5.jpg" alt="Historische Illustration einer Begegnung zwischen afrikanischen Männern und einem europäischen Reisenden vor strohgedeckten Hütten." class="wp-image-3157" style="aspect-ratio:0.6847692242367628;width:302px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone5.jpg 252w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2026/03/Livingstone5-205x300.jpg 205w" sizes="auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">„Mr. Livingstone, I presume“ (1871)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">H. M. Stanley trifft Livingstone: „Dr. Livingstone, wie ich annehme?“</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ich bin zum Skelett abgemagert. In meiner Verlassenheit gleiche ich dem Mann aus der Bibel, der von Jerusalem nach Jericho ging und unter die Räuber fiel. Nur, dass ich keine Hoffnung habe, dass ein freundlicher Samariter mir zu Hilfe kommt … Eines Morgens kam mein afrikanischer Weggefährte Susi hereingestürzt und schrie, ganz atemlos: ‚Ein Engländer! Ich habe ihn selbst gesehen!‘ Bald sah ich die amerikanische Flagge, nun wusste ich wenigstens, mit welcher Nationalität ich es zu tun hatte. Es war Henry Morton Stanley, Reporter des „New York Herald“, den die Zeitung nach Afrika geschickt hatte, damit er mich auffinde – tot oder lebendig … Nach einer Woche fühlte ich mich im Besitz neuer Kräfte. Ich bin unendlich dankbar. Mr. Stanley hat seine Aufgabe mit unerhörter Energie und großer Umsicht gelöst.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit diesen Worten beschrieb Livingstone in seinen „Reisetagebüchern aus Zentral-Afrika 1866 &#8211; 1873“ das legendäre Treffen, das seine Rettung bedeutete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Henry Morton Stanley unternahm Livingstone eine Erkundungstour zur Nordspitze des Tanganjikasee, die die Afrikaforscher Richard E. Burton und John Speke 1857 bei ihrer Expedition mit 130 Männern und 30 Maultieren vergeblich versucht hatten zu erreichen. Burton vermutete dort irrtümlicherweise einen Zufluss zum Nil.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ende eines großen Forscherlebens</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Stanley wollte Livingstone überreden, nach England zurückzukehren, doch das kam für ihn nicht in Frage. Er empfand seine Arbeit als noch nicht beendet und blieb weiter in Ostafrika. Doch das Glück hatte ihn verlassen: Auf seiner letzten Expedition wurde er ausgeraubt und in der Wildnis hilflos zurückgelassen. Zwar schaffte er es noch, seine Hütte zu erreichen, er wusste aber, dass ihm der Tod bevorstand: „Ich bin blass, blutleer und schwach.“ Ständige Blutungen hatten ihm die letzten Kräfte geraubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai 1873 starb David Livingstone im Alter von nur sechzig Jahren. Seine afrikanischen Freunde vergruben sein Herz unter einem Baum am Tanganjikasees; sein Leichnam wurde in der Westminster Abbey zur Ruhe gebettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">David Livingstone war ein großer Forscher, Menschenfreund – und Abenteurer: „Mir bereitet der Gedanke, unerforschtes Land zu betreten, ein rein physisches Vergnügen. Immer empfindet man das spannende Gefühl lauernder Gefahren.“</p>
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		<title>Ernest Hemingways Safari in Ostafrika 1933/34</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Nov 2025 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Jagdsafaris]]></category>
		<category><![CDATA[Karen Blixen]]></category>
		<category><![CDATA[KEYWORDS Ernest Hemingway]]></category>
		<category><![CDATA[Kilimandscharo]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute gehört eine Safari durch die Wildparadiese Afrikas zu den Standardangeboten des gehobenen Ferntourismus. Ihre Faszination verdankt sie nicht zuletzt einem Mann des letzten Jahrhunderts, dem Dichter Ernest Hemingway (1899 bis 1961). Wie er suchen jährlich Zehntausende von Touristen den Kitzel der Begegnung mit Elefanten, Giraffen, Löwen &#38; Co. Anders als der spätere Nobelpreisträger sind [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Heute gehört eine Safari durch die Wildparadiese Afrikas zu den Standardangeboten des gehobenen Ferntourismus. Ihre Faszination verdankt sie nicht zuletzt einem Mann des letzten Jahrhunderts, dem Dichter Ernest Hemingway (1899 bis 1961). Wie er suchen jährlich Zehntausende von Touristen den Kitzel der Begegnung mit Elefanten, Giraffen, Löwen &amp; Co. Anders als der spätere Nobelpreisträger sind sie nicht mit Schrotflinte und Elefantenbüchse bewaffnet, sondern nur mit ihrer Kamera. Hemingways Suche nach dem „männlichen Urerlebnis“ der Jagd „im Schnittpunkt von Leben und Tod“, wirkt heute arg aus der Zeit gefallen. Der Zauber Afrikas ist aber geblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden kursiv gesetzten Passagen sind überarbeitete Zitate aus Hemingway-Biografien, die in der Erzählung „Caporetto. Das Hemingway-Komplott“ (H. Kleinert, Thurm-Verlag) verwendet wurden. Der Protagonist, der Reporter Frank, hatte Hemingway 1930 in Berlin kennengelernt und ihn drei Jahre später in Miami wiedergetroffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Hemingway verriet mir, dass er im Dezember 1933 von Nairobi aus zu einer Jagdsafari aufbrechen wolle:</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im Rift Valley werden wir Antilopen, Kudus und Büffel jagen. In Tanganjika werden wir von Arusha aus in die Serengeti vorstoßen und Löwen erlegen. Ich liebe die Tiere Afrikas.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Er hörte nicht auf, von der Jagd zu schwärmen. Für ihn wäre die Reise die Erfüllung eines Lebenstraums.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wenn Sie die Tiere so lieben, Hem, warum erschießen Sie sie dann?“, fragte ich.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Tiere sind da, um gejagt zu werden, Frank“, antwortete Hemingway lächelnd. „Ich mag es, sie zu erlegen.“ Dann wurde er wieder ernst. „Die Bestimmung des Mannes ist die Jagd. Einem Kudu gegenüberzustehen und ihn zu bezwingen, das ist ein Urerlebnis. Wie die Liebe und der Tod.“ Er schwieg und fuhr dann fort, als ob er zu sich selbst spräche: „In der Jagd offenbart sich der Urinstinkt des Mannes. Er wird wieder Teil der Natur.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hemingways litt unter Kurzsichtigkeit; ihn als Meisterschütze zu bezeichnen, wäre stark übertrieben, Er versuchte dies durch erhöhten Fleiß wettzumachen: Zur Jagdausbeute seiner Safari 1933/34 gehörten vier Löwen, drei Geparden, vier Büffel, zwei Leoparden, zwei Nashörner, dreizehn Zebras, zahlreiche Antilopen, Gazellen und anderes Wild, darunter auch „einundvierzig zum Vergnügen getötete Hyänen“, wie Hemingway-Biograf Michael Reynolds schrieb.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Von Nairobi zum Kilimandscharo</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hemingway und seine Frau Pauline trafen sich in Paris mit Charles Thompson, einem Freund aus Key West, der sie auf der Safari begleiten wollte. Die drei fuhren nach Marseille und von dort auf dem Frachtschiff<em> S.S. General Metzinger </em>nach Britisch-Ostafrika<em>. </em>Am 8. Dezember 1933 erreichten sie nach siebzehntägiger Fahrt den Hafen von Mombasa. Von dort brachte sie die Ugandabahn ins 550 km entfernte Nairobi. Der Zug bot unerwarteten Komfort: Salonwagen, einen Speisewagen, in dem sie ein Fünf-Gänge-Menü genossen, und Schlafwagenabteile mit Waschräumen. Hemingway wusste auf seinen Reisen durchaus Luxus, sofern verfügbar, zu schätzen. Ob in Paris, Madrid, Rom oder Venedig, als er es sich leisten konnte, residierte er nur in den besten Hotels.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Nairobi checkten sie im <em>New Stanley Hotel</em> ein, das als einzige Unterkunft nördlich von Johannesburg über Suiten mit eigenem Bad verfügte. Am nächsten Tag suchte Hemingway den Direktor von <em>Tanganjika Guides</em>, Philip Percival, auf, der ihm als Safariführer empfohlen worden war.&nbsp; Percival, fünfzehn Jahre älter als der vierunddreißigjährige Hemingway und „very british“, war ein erfahrener Jagdführer, der als junger Mann schon bei der legendären Ostafrika-Exkursion des amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelts im Jahr 1909 dabei gewesen war. Hemingway lernte in Percivals Büro auch dessen Partner kennen, Karen Blixens früheren Ehemann Baron Bror von Blixen-Finecke, einen der besten Großwildjäger Ostafrikas. Im Film <em>Jenseits von Afrika </em>nach der Biografie von Karen Blixenverkörperte ihn Klaus Maria Brandauer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Jagdsafaris – der Sport reicher Abenteurer und Müßiggänger</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Afrikaerforscher des neunzehnten Jahrhunderts nahmen an, dass die riesigen Wildtierbestände des Kontinents unerschöpflich seien. Einige nutzten auf ihren Expeditionen jede Gelegenheit, ihrem „Sport“ nachzugehen, der Großwildjagd. So auch John Hanning Speke, der (fälschlicherweise) behauptete, die Quellen des Nils gefunden zu haben. „Ich befand mich zwischen dem Nil und dem Asuafluss. Doch ich ging nicht hin, um das Flussbett des Asua mir anzusehen, denn in diesem Moment stellten fünf Büffel, fünf Giraffen und eine Fülle von Antilopen eine zu große Versuchung dar“, ist in seinem Tagebuch vermerkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurden für gutbetuchte Europäer und Amerikaner „all inclusive“-Jagdsafaris von Agenturen in Nairobi organisiert. Die damaligen Ausstatter trafen alle örtlichen Vorkehrungen und stellten die komplette Safari-Mannschaft aus Spurenlesern, treffsicheren Gewehrträgern, „Skinnern“ für das Zerlegen der Jagdbeute, Mechanikern und Köchen zusammen, ohne die eine Safari unmöglich war. Sie sorgten für geländegängige Fahrzeuge, Zelte, Waffen, Proviant und Annehmlichkeiten wie Toilettenzelt, Badewannen und einen gutsortierten Spirituosenvorrat – auf letzteres hatte Hemingway besonders großen Wert gelegt. Hemingways Safari kostete 25.000 Dollar, damals weit mehr als nur ein kleines Vermögen. Obwohl ihn der Erfolg von „In einem andern Land“ (1928) zu einem wohlhabenden Mann gemacht hatte, musste er sich für die Safari finanzkräftige Unterstützer suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hemingways ging zunächst in den Kapiti Plains, südlich von Nairobi, auf Jagd und fuhr dann am 20. Dezember 1933 mit zwei Trucks und einem offenen Geländewagen ins 250 km entfernte Arusha in Tanganjika. Vom Hotel <em>Athenaeum, </em>ihrer Unterkunft<em>, </em>erblickte er erstmals den schneebedeckten Gipfel des Kilimandscharo – und war von dessen Schönheit sofort fasziniert.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari2-e1762259454794.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="459" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari2-e1762259454794.jpg" alt="Mann mit Hut entspannt in einem Liegestuhl vor einem offenen Safari-Zelt, umgeben von Kisten und Ausrüstung in einem bewaldeten Camp." class="wp-image-3097"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Safaricamp um 1930</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der Erzählung „Caporetto“ hatte sich die Romanfigur Frank, die sich ebenfalls in Arusha aufhielt, mit Hemingway im Hotel <em>Athenaeum</em> verabredet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Nach dem Abendessen trafen wir uns im Kaminzimmer des Athenaeums und hörten Philip Percivals Geschichten über tapfere Massai-Krieger oder die Jagdstrategien von Löwen. Der ansonsten eher wortkarge Mann war ein guter Erzähler. Bevor ich mich auf den Weg zurück in mein Quartier machte, gab uns Philip noch ein Rätsel auf:</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Im September 1926 hat ein Bergsteiger in sechstausend Meter Höhe am Kraterrand des Kibo den gefrorenen Kadaver eines Leoparden gefunden. Bis heute rätseln wir, was der Leopard dort oben auf dem Kilimandscharo in Schnee und Eis gesucht haben könnte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das war eine Geschichte ganz nach dem Geschmack von Hemingway – ein Leopard, den es in die Reinheit des ewigen Eises treibt, vielleicht ein Gleichnis für den einsamen Helden, der auf der Flucht vor der schmutzigen, verdorbenen Welt den Tod nicht scheut?</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari3-e1762259476499.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="360" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari3-e1762259476499.jpg" alt="Elefantenherde in weiter Savanne vor dem Kilimandscharo bei Sonnenaufgang, majestätische Landschaft mit Akazien und Nebelschleier." class="wp-image-3098"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Kilimandscharo, ein Sehnsuchtsziel. Doch die Gletscher sind heute fast verschwunden</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Tage verbrachte die Jagdgesellschaft in Camps in der Nähe von Arusha. Am 23. Dezember 1933 startete sie ihre Safari in den Ngoro­ngoro-Krater und in die Serengeti. Mitte Januar verschlimmerte sich der Zustand von Hemingway, der an Diarrhoe erkrankt war, so sehr, dass er mit einem Buschflugzeug nach Arusha ins Hospital transportiert werden musste. Nach einem weiteren Krankenhausaufenthalt in Nairobi kehrte er nach Arusha zurück, um am 24. Januar 1934 die Safari fortzusetzen. Am 3. März 1934 fuhren Hemingway, seine Ehefrau Pauline und sein amerikanischer Freund von Mombasa aus auf der <em>Gripsholm</em> zurück nach Frankreich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Seine Sehnsucht nach Afrika blieb</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Haus in Key West verarbeitete Hemingway seine Erlebnisse in Ostafrika literarisch, unter anderem in seiner wohl bekanntesten Afrikaerzählung <em>Schnee auf dem Kilimandscharo</em> (1936) und im mehr oder weniger biografischen Roman <em>Die grünen Hügel von Afrika </em>(1935). Mit diesem Buch wollte er sein Image als trinkfester „tough guy“ und wagemutiger Jäger pflegen. Andererseits präsentierte er sich hier als nachdenklicher Vorbote der ökologischen Bewegung, dem der Schutz der Natur vor wachsender Industrialisierung und wirtschaftlicher Ausbeutung am Herzen lag. Oder sprach aus ihm nur die Sorge eines Jägers um den Erhalt seiner geliebten Jagdreviere?</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari4-e1762259502566.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari4-1024x1024.jpg" alt="Jäger mit Gewehr posiert neben erlegtem Kaffernbüffel in trockener, steiniger Buschlandschaft unter kahlen Ästen." class="wp-image-3099" style="width:622px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Hemingways Jagdbeute: ein Wassebüffel (1953)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Hemingway reiste noch einmal nach Ostafrika. 1953/54 verbrachte er drei Monate auf Jagdsafari in Kenia, Tanganjika und Uganda. Dabei überlebte er innerhalb von 24 Stunden zwei Flugzeugunglücke. Nach dem ersten Absturz bei den Murchison-Fällen kletterten er, seine Frau Mary und der Pilot fast unverletzt aus dem Wrack. Nach einer eintägigen abenteuerlichen Flussfahrt erreichten sie Butiaba, um von dort nach Entebbe weiterzufliegen. Während des Starts fing die Maschine Feuer, doch die Passagiere konnten sich aus dem brennenden Flugzeug retten. Einen Monat später erlitt Hemingway schwere Brandwunden, als er beim Löschen eines Buschfeuers helfen wollte. Die schweren Schmerzen bekämpfte er, wie sein Jagdführer berichtete, mit etwa zwei Flaschen Gin pro Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übermäßiger Alkoholkonsum und starke Depressionen begleiteten Hemingway Zeit seines Lebens. Am 2. Juli 1961 erschoss er sich in seinem Haus in Ketchum (Idaho). Er wurde 62 Jahre alt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="312" height="297" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari5.jpg" alt="Mann und Frau in Safari-Kleidung stehen vor Strohhütten in trockener Landschaft unter blauem Himmel, scheinbar während einer Afrika-Reise." class="wp-image-3100" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari5.jpg 312w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/11/HemingwaysSafari5-300x286.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">„Big white hunter Hemingway“ mit Frau Mary (1953/54)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie bei Hemingway werden heute Safaris von speziellen Agenturen bis ins kleinste Detail professionell vorbereitet und durchgeführt. Doch es geht nicht mehr in die Wildnis, wo Gefahren drohen könnten, sondern auf vorgegebenen Pisten in kontrollierte Schutzgebiete und Großgehege. Statt in Zelten wird in komfortablen Lodges übernachtet. Safaribusse und Geländewagen bringen die Touristen zu Orten, an denen die Tiere auf die Besucher oft schon zu warten scheinen. Die Zeiten der frühen Afrikajäger, deren Safaris von Strapazen und Entbehrungen geprägt waren, sind längst vorüber.&nbsp;Eine Tradition hat im Safarigeschäft überlebt: Der Sundowner am Ende eines erlebnisreichen Tages ist ein Muss.</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Reisetipp: Zeltsafaris – die traditionelle Art, die Tierparadiese Afrikas zu erkunden <br></strong>Wenn Sie eine Fotosafari im Stil Hemingways machen wollen, sollten Sie sich für eine mobile Safari mit dem Zelt entscheiden. Bei einer derartigen Safari ziehen kleine Reisegruppen von Tag zu Tag zu verschiedenen Orten und übernachten in Zeltlagern, die speziell für die Gruppe errichtet wurden. Im Allgemeinen besteht eine mobile Safari aus großen, begehbaren Zelten mit eigenem „Buschbad” und richtigen Betten. Alle Arbeiten wie der Auf- und Abbau des Camps, die Zubereitung des Essens und die allgemeinen Arbeiten im Camp werden von den Camp-Mitarbeitern erledigt. Die Reiseleiter sind nicht nur Experten, wenn es darum geht, wilde Tiere aufzuspüren, sondern sie sind auch diejenigen, die immer zur Stelle sind, wenn etwas passieren sollte. Vorteil von Zeltsafaris ist auch, dass sie in der Regel preiswerter sind als Safaris, auf denen in Lodges übernachtet wird.<br>Anbieter: <a href="http://www.safarifrank.de" target="_blank" rel="noopener"><em>www.safarifrank.de</em></a><em>, global-adventures.de</em> und andere</pre>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals-Lesetipp:</em> „Caporetto. Das Hemingway-Komplott“ (Roman)<br></strong>In der explosiven Situation der untergehenden Weimarer Republik besucht der junge Ernest Hemingway Berlin – und gerät ins Visier eines politischen Geheimbunds. Als der Reporter Frank Hartung den Verschwörern auf die Spur kommt, wird er selbst zur Zielscheibe. Eine dramatische Flucht, die ihn über Paris und Miami bis nach Ostafrika führt, nimmt ihren Anfang. <br>Thurm-Verlag, Lüneburg (2020), 205 Seiten,<br><a href="https://thurm-verlag.de/caporetto-das-hemingway-komplott/" target="_blank" rel="noopener">www.thurm-verlag.de</a></pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter is-resized"><a href="https://amzn.to/3LngnHg" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="1600" height="2560" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/12/Caporetto_Front.jpg" alt="Buchcover Caporetto" class="wp-image-1942" style="width:317px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/12/Caporetto_Front.jpg 1600w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/12/Caporetto_Front-188x300.jpg 188w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/12/Caporetto_Front-640x1024.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/12/Caporetto_Front-768x1229.jpg 768w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/12/Caporetto_Front-960x1536.jpg 960w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/12/Caporetto_Front-1280x2048.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1600px) 100vw, 1600px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige</figcaption></figure>
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		<title>Annemarie Schwarzenbachs Reise nach Afghanistan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Aug 2025 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Afghanistan]]></category>
		<category><![CDATA[Annemarie Schwarzenbach]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus und Erika Mann]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Schweizer Schriftstellerin, Reisejournalistin und Fotoreporterin Annemarie Schwarzenbach führte im wahrsten Sinne des Wortes ein bewegtes Leben – ein Leben auf Reisen und oft am Rand des Abgrunds. Die Tochter einer der reichsten Schweizer Familien gerät bereits in jungen Jahren mit ihrem erzkonservativen Elternhaus in Konflikt. 1928, da war sie zwanzig, entflieht sie nach Paris [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Schweizer Schriftstellerin, Reisejournalistin und Fotoreporterin Annemarie Schwarzenbach führte im wahrsten Sinne des Wortes ein bewegtes Leben – ein Leben auf Reisen und oft am Rand des Abgrunds. Die Tochter einer der reichsten Schweizer Familien gerät bereits in jungen Jahren mit ihrem erzkonservativen Elternhaus in Konflikt. 1928, da war sie zwanzig, entflieht sie nach Paris und Berlin, beendet ihr Studium der Geschichte und schreibt ihren ersten, von der Kritik gefeierten Roman. In Berlin lernt sie die Kinder von Thomas Mann, Klaus und Erika, kennen. Mit dem unkonventionellen Geschwisterpaar bleibt sie ihr ganzes Leben verbunden. Sie betätigen sich politisch und bekämpfen gemeinsam den um sich greifenden Rechtsextremismus. Das Trio genießt das Kultur- und noch mehr das freizügige Nachtleben der Reichshauptstadt. Morphium, wechselnde Liebschaften und exzessive Partys werfen die psychisch labile Annemarie Schwarzenbach fast aus der Bahn. Noch helfen ihr ihre Reisen, ihr pausenloses Schreiben und immer wieder Entziehungskuren, ihre Krisen zu überwinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr unstetes Reiseleben führt sie um die halbe Welt. Ihre Berichte und Fotoreportagen über ihre Beobachtungen in Europa, Russland, im Orient und in Asien, in den Vereinigten Staaten und in Afrika werden von Schweizer und US-amerikanischen Zeitungen gedruckt und über den Rundfunk verbreitet. Überall, wo Annemarie Schwarzenbach auftritt, sind die Menschen von ihrer androgynen Schönheit und ihrer Anmut fasziniert. Die dunkle Seite ihrer Seele kann sie aber nicht immer verbergen. Sie ist eine provokante Persönlichkeit, queer und kämpferisch. Ob in Europa oder in Amerika, gegen Unterdrückung und Ausbeutung erhebt sie laut ihre Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Annemarie Schwarzenbach Reisereportagen und -bücher beschränken sich nicht auf Beschreibungen exotischer Landschaften und fremder Kulturen. Sie blendet die soziale und politische Realität nicht aus – was keinesfalls selbstverständlich für die Reiseliteratur jener Zeit ist. Ein Beispiel ist ihr Bericht über ihre abenteuerliche Autoexpedition im Jahr 1939 mit der Schriftstellerin Ella Maillart durch Afghanistan, aus dem der nachstehende Auszug stammt <em>(Quelle: Annemarie Schwarzenbach, Reisereportagen, 1940. Aus: „Orientreisen“, Hrsg. W. Fähnders, Berlin 2017.)</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach2-e1754483939255.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="743" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach2-1024x743.jpg" alt="Gruppe von Männern und Kindern in traditioneller Kleidung steht vor einem alten, verfallenen Gebäude in einer Wüstenlandschaft." class="wp-image-3062" style="width:512px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Afghanistan (Ghazni)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verstörende Einblicke in ein Land voller Rätsel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Ford Cabrio V8 und ausgerüstet mit einer Rolleiflex-Kamera und einer Schreibmaschine reisen die beiden Frauen über die Türkei und Persien in das damals weithin unbekannte Land.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="485" height="314" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach3.jpg" alt="Alter Lastwagen und Cabrio parken auf staubiger Straße vor einer Berglandschaft mit Gebäude auf dem Gipfel." class="wp-image-3063" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach3.jpg 485w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach3-300x194.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 485px) 100vw, 485px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Afghanistan, bei Dakka. Im Bild: der Ford V8</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Ella und ich hatten bisher nur theoretische Gespräche über die Frauen Afghanistans führen können. Seit mehreren Wochen in diesem strengen mohammedanischen Land hatten wir uns mit Bauern und Beamten, Soldaten, Basarhändlern und Provinzgouverneuren angefreundet, waren überall gastfreundlich aufgenommen worden und begannen, dieses männliche, fröhliche und unverdorbene Volk liebzugewinnen. Nie hatten wir es nötig, unser Zelt aufzuschlagen und unsere Suppe selber zu kochen. Wir wurden in den Dörfern vom Bürgermeister begrüßt, mit Tee und Trauben bewirtet.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Aber wir schienen in einem Land ohne Frauen zu sein! Wir kannten wohl den ‚Tschador‘, das alles verhüllende Faltengewand der Mohammedanerinnen, das mit den romantischen Vorstellungen vom zarten Schleier orientalischer Prinzessinnen wenig gemeinsam hat. Er umschließt eng den Kopf und ist vor dem Gesicht wie ein Gitterchen durchbrochen und fällt dann in weiten Falten bis zur Erde, kaum die gestickte Spitze und den schiefgetretenen Absatz der Pantoffeln frei lassend. Wir hatten solche vermummten, formlosen Gestalten scheu durch die Basargassen huschen sehen und wussten, das seien die Frauen der stolzen, frei einherschreitenden Afghanen, die ihrerseits die Gesellschaft und das fröhliche Gespräch liebten und den halben Tag nichtstuend im Teehaus und im Basar verbrachten. Aber diese gespenstischen Erscheinungen hatten wenig Menschliches an sich. Waren es Mädchen, Mütter, Greisinnen; waren sie jung oder alt, froh oder traurig, schön oder hässlich? Wie lebten sie; mit was beschäftigten sie sich; wem galt ihre Anteilnahme, ihre Liebe oder ihr Hass?</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="321" height="338" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach4.jpg" alt="Belebter Marktplatz vor einem alten Stadttor mit massiven Lehmwänden, viele Menschen in traditioneller Kleidung." class="wp-image-3064" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach4.jpg 321w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach4-285x300.jpg 285w" sizes="auto, (max-width: 321px) 100vw, 321px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Ghazni, Stadtansicht</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wir wussten, dass der junge König Amanullah, von einer europäischen Reise zurückkehrend, in Afghanistan überstürzte Reformen eingeführt und versucht hatte, dem Beispiel vor allem der Türkei zu folgen. Er war zu rasch vorgegangen. Am meisten warf man ihm die Emanzipation der Frau vor. Während einiger Wochen war in der Hauptstadt Kabul der Tschador gefallen; dann brach die Revolution aus; die Frauen kehrten in den Harem, in ihr streng abgeschlossenes häusliches Leben zurück und durften sich auf der Straße nur noch im Schleier zeigen. Waren die Ansätze zur Freiheit vergessen, die wenigen Wochen des Jahres 1929 aus dem Gedächtnis der Frauen verschwunden?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>In Kaisar, einem kleinen Oasenort in der nördlichen Provinz Turkestan, wurden wir zu unserer nicht geringen Überraschung von dem Herrn Bürgermeister selbst ohne viel Umstände durch eine kleine Pforte in den inneren Garten seines Hauses geführt, dem Garten seiner Frau und Töchter. Zwei junge Mädchen in Sommerkleidern, das dunkle Haar von luftigen, zarten Schleiern eingehüllt, kamen uns lächelnd entgegen. Obwohl die Mädchen kaum ein Wort Französisch kannten und wir nur ein paar Brocken Persisch, unterhielten wir uns doch ganz lebhaft. Sie brachten uns einen hellblauen Seidenstoff und eine Schere und wollten, dass wir Ihnen ein Kleid zuschnitten. Wir wagten uns aber nicht daran und versprachen, ihnen von Kabul französische Zeitschriften mit Schnittmustern und Modebeilagen zu schicken. Es waren zweifellos kluge, ja begabte und anmutige Mädchen. Wenn diese Mädchen den Garten verließen, trugen sie den Tschador – und sahen die Welt draußen nur durch das durchbrochene Gitterchen, das ihr Gesicht neugierigen Männeraugen verbarg.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ein solches Leben konnten wir uns kaum vorstellen. Aber waren diese Frauen etwa besonders unglücklich? Man kann nur begehren, was man kennt. Und war es richtig, sie zu bilden und aufzuklären und ihnen den Stachel der Unzufriedenheit zu geben? Aber wir lernten bald, dass diese Frage sich gar nicht stellt. Afghanistan entwickelt sich heute nach jenen Gesetzen, die man Fortschritt nennt und deren Verlauf man nicht aufhalten kann. Als wir von Kabul aus die versprochenen Schnittmuster nach Kaisar schickten, leisteten wir auch einen winzigen Beitrag zu den Folgen dieser Gesetze. Wir bekämpften den Tschador!“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach5-e1754483977833.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="483" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach5-e1754483977833.jpg" alt="Gruppe von Männern in traditioneller Kleidung sitzt im Kreis und unterhält sich in bergiger Landschaft." class="wp-image-3059" style="width:528px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Afghanistan, bei Bamiyan. Vorn: Ella Maillart</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Das tragische Ende eines unsteten Lebens</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Entwicklung Afghanistans verlief anders, als sie sich Annemarie Schwarzenbach vor über achtzig Jahren vorgestellt hatte. Der „unaufhaltsame Fortschritt“ blieb aus. Unterdrückung, Gewalt und der tägliche Kampf um Nahrung bestimmen das Leben der afghanischen Frauen heute stärker denn je.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Annemarie Schwarzenberger sollte die dunklen Schatten auf ihrer Seele nicht mehr loswerden. 1940 musste sie sich in den USA in psychiatrische Behandlung begeben. Zwei Jahre später kehrte sie in die Schweiz zurück. Am 15. November 1942 stirbt sie im Alter von 34 Jahren nach einem Fahrradunfall an den Folgen einer schweren Kopfverletzung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Bilder stammen aus dem Nachlass von Annemarie Schwarzenbach. Das Schweizerische Literaturarchiv in Bern hat über 3000 Fotos, die sie in den 1930er und 1940er aufgenommen hat, digitalisiert und online gestellt.</em></p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: <em>Annemarie Schwarzenbach „Orientreisen. Reportagen aus der Fremde“, Hrsg. W. Fähnders</em></strong><br>Annemarie Schwarzenbachs Reisereportagen aus den Jahren 1933 bis 1940 berichten von einer versunkenen Welt und faszinieren bis heute durch ihre authentische, bildhafte Sprache und atmosphärischer Dichte. Viermal fährt Annemarie Schwarzenbach, nach eigenen Worten eine „unheilbar Reisende“, in den Orient. Es ist ein andauerndes „Go East“, das sie durch Anatolien und den Vorderen Orient bis zu den Ruinen von Persepolis führt, in orientalische Metropolen wie Bagdad oder Teheran, schließlich bis in die Wüsten Turkestans und die Höhen des Hindukusch.<br>141 Seiten,  ebersbach &amp; simon, Berlin 2017</pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://amzn.to/4muMKkr" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="175" height="276" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2025/08/Schwarzenbach6.jpg" alt="" class="wp-image-3060"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige</figcaption></figure>
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		<title>Sven Hedins Reise zum „Mittelpunkt der Welt“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Junge träumte Sven Hedin (1865 – 1952) davon, einmal die letzten weißen Flecken auf dem Globus zu bereisen. Ein Entdecker wie die von ihm bewunderten berühmten Afrika- und Polarforscher wollte er werden. Und er machte seinen Traum wahr. Die nahezu unübersehbare wissenschaftliche Ausbeute seiner Expeditionen durch weitgehend unbekannte Gebiete im westlichen China, in der [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Als Junge träumte Sven Hedin (1865 – 1952) davon, einmal die letzten weißen Flecken auf dem Globus zu bereisen. Ein Entdecker wie die von ihm bewunderten berühmten Afrika- und Polarforscher wollte er werden. Und er machte seinen Traum wahr. Die nahezu unübersehbare wissenschaftliche Ausbeute seiner Expeditionen durch weitgehend unbekannte Gebiete im westlichen China, in der Mongolei und in Tibet brachten ihm Ruhm und Ehre ein. Seine Reisebücher und immer ausgebuchten Vortragsveranstaltungen machten ihn weltweit zu einem der populärsten Menschen seiner Zeit – doch an seinem Lebensende war er ein geächteter Mann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Tätigkeit als Hauslehrer, gleich nach dem Abitur, führte ihn für acht Monate nach Baku am Kaspischen Meer. Von dort aus bereiste er den Mittleren Osten, bevor er nach Schweden zurückkehrte.&nbsp; Nach dem Geographiestudium und dem Erlernen mehrerer Fremdsprachen stand für ihn fest: „Ich will nur noch Pfade gehen, die vor mir noch kein Europäer betreten hat.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hedins erste Expedition kostete ihn fast das Leben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 16. Oktober 1893, da war er 28, brach er in seiner Heimatstadt Stockholm zu seiner ersten großen Expedition durch Innerasien auf, die drei Jahre dauern sollte. Über Sankt Petersburg fuhr er nach Taschkent. Zusammen mit drei Trägern verließ er das russische Turkestan und durchwanderte das Pamirgebirge. Jetzt wollte er die „Todeswüste Taklamakan“ durchqueren – trotz der Warnungen der Einheimischen, die davon überzeugt waren, dass die Wüste von bösen Geistern beherrscht sei. Noch ahnte er nicht, was ihm in den kommenden Wochen bevorstand. Sandstürme und hundert Meter hohe Dünen ließen die Männer die Orientierung verlieren, Hunger und Durst quälten sie. Sie versuchten das Blut eines geschlachteten Schafs zu trinken, doch in der Gluthitze gerann das Blut sofort. Sieben ihrer acht Kamele hatten sie inzwischen verloren. Einer der beiden Begleiter brach im Delirium zusammen, der andere war verschwunden. Hedin stolperte auf der verzweifelten Suche nach Wasser weiter, stieß auf ein Flussbett – doch es war trocken. Im letzten Moment fand er eine Lache, die die Dürre überstanden hatte. „Ich trank und trank und trank. Das Wasser war kalt, kristallklar und süß wie das beste Quellwasser.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum hatte Sven Hedin sich erholt, stellte er erneut eine Karawane zusammen: vier Begleiter, drei Kamele, zwei Esel. Ziel war das Tarimbecken westlich der Taklamakanwüste. Dort dokumentierte er die Ruinen der antiken Oasenstadt Lop Nur und enträtselte das Geheimnis der „wandernden Seen“. (Die Gewässer bewegten sich durch hin und her pendelnden Sand.) Dann ging es mehrere Monate weiter durch Nord-Tibet nach Peking. Anfang 1897 reiste er über die Mongolei und Russland zurück nach Stockholm. Über zehntausend Kilometer hatte er zurückgelegt, davon 3.350 Kilometer durch unbekanntes Terrain, und eine Unmenge Landkarten, Zeichnungen und geografischer Beschreibungen erstellt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="580" height="419" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin2.jpg" alt="Weite Dünenlandschaft in einer Wüste mit feinen Sandmustern und sanften Erhebungen unter klarem Himmel." class="wp-image-2943" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin2.jpg 580w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin2-300x217.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">In der Taklamakan</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Expedition Nr. 2 und Nr. 3</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sven Hedin hielt es nicht lange in Europa. Zwei weitere für damalige Verhältnisse extrem waghalsige Expeditionen durch Zentralasien folgten (1899 bis 1902 und 1905 bis 1908).</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin3-e1727384619825.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="357" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin3-e1727384619825.jpg" alt="Schwarz-Weiß-Foto einer Gruppe von Männern in traditioneller Kleidung vor einem Zelt, aufgenommen in einer ländlichen, bergigen Umgebung." class="wp-image-2944"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Sven Hedin (Mitte) bei einer seiner Reisen in Tibet, vermutlich 1908</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der zweiten Expedition reiste er zum ersten Mal in das fast total abgeschottete Tibet. Als Pilger verkleidet, zog er mit wenigen einheimischen Begleitern über elf Bergketten des Kunlun, um in das für Ausländer streng verbotene Lhasa zu gelangen. Doch kurz vor dem Ziel wurde er von tibetischen Truppen enttarnt und in Richtung Ladakh aus dem Land geleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1905 bis 1908, auf seiner dritten Expedition, erforschte er die Wüsten Persiens und das westliche Hochland Tibets. Er stieß auf eine gewaltige Gebirgskette, die er Transhimalaya nannte. (Später bekam die Kette der über 7.000 Meter hohen Berge ihm zu Ehren den Namen Hedin-Gebirge.) &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hedin scheute auf diesen Expeditionen keine Gefahr, er schonte weder sich noch seine Gefährten. Mehrmals gerieten sie in Lebensgefahr: Wilde Yaks griffen sie an, und sie wurden von feindseligen Mönchen bedroht. Dem Zugriff der tibetischen Behörden entging Hedin nur durch seine Verkleidung als Hirte. Er stieß auf vergessene Klöster, Ruinen versunkener Städte und Jahrhunderte alte Grabanlagen. In der Wüste des Tarimbeckens entdeckte er Überreste der Chinesischen Mauer. &nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin4-e1727384655527.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="426" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin4-e1727384655527.jpg" alt="Berglandschaft mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund, ein klarer, türkisfarbener See im Vordergrund und zwei Reiter am Ufer." class="wp-image-2945"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Teil der Nyainqêntanglha-Kette im Transhimalaya (Hedin-Gebirge)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als erster Europäer besuchte er den heiligen Berg Kailash, der nach der hinduistischen und buddhistischen Mythologie der Mittelpunkt der Welt ist. 1906 entdeckte er im Himalaya die Quellen der indischen Flüsse Indus und des Brahmaputra. 1908 kehrte er nach seiner dritten Expedition von Indien aus mit dem Schiff über Japan nach Schweden zurück und wurde in Stockholm in einem Triumphzug gefeiert.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="400" height="300" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin5.jpg" alt="Schneebedeckter Gipfel des Kailash-Berges unter klarem, tiefblauem Himmel." class="wp-image-2947" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin5.jpg 400w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin5-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Der heilige Berg Kailash, der „Mittelpunkt der Welt“</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Entdecker, Wissenschaftler und brillanter Erzähler</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sven Hedin gehörte danach zu den weltweit bekanntesten Naturforschern. Er erhielt Einladungen von allen bedeutenden Herrschern und Politikern der Welt. Er wurde unter anderem vom japanischen Kaiser, von US-Präsident Theodore Roosevelt und vom Papst empfangen. Seine populären Bücher wie „Transhimalaya“, „Von Pol zu Pol“ und „Rätsel der Wüste Gobi“ erschienen in 28 Sprachen. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen haben einen Umfang von rund 30.000 Seiten mit etwa 2.500 von ihm angefertigten Zeichnungen. Allein der Forschungsbericht über seine dritte Expedition („Southern Tibet“) umfasst zwölf Bände, davon drei Atlanten. Er entwarf die ersten genauen Karten von bis dahin unerforschten Gebieten: Turkestan, Pamir, Taklamakan, Tibet, die chinesische Seidenstraße und Himalaya.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="208" height="273" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/09/Hedin6.jpg" alt="Buchcover von „Southern Tibet“ von Sven Hedin mit einer detaillierten Karte des tibetischen Hochlands." class="wp-image-2941"/></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph">1923 unternahm Hedin noch eine Reise über die USA und Japan nach Peking. Von dort aus fuhr er, In für ihn ungewohnt bequemer Weise, in einem Dodge-Automobil und der Transsibirischen Eisenbahn nach Moskau und zurück nach Schweden. Ansonsten widmete er sich der wissenschaftlichen Auswertung seiner Aufzeichnungen und dem Schreiben von Büchern. Die Zeit der großen Entdeckungsreisen schien vorbei zu sein; nennenswerte weiße Flecken auf dem Weltatlas gab es nicht mehr. Doch noch einmal stellte er sich einer extremen Herausforderung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Chinesisch-Schwedische Expedition</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mit 62 Jahren war Hedin mit finanzieller Unterstützung durch die deutsche und schwedische Regierung in Zentralasien unterwegs. Diese internationale „Chinesisch-Schwedische Expedition“, die von 1927 bis 1935 dauerte, ging als eine der größten Forschungsreisen unserer Zeit in die Wissenschaftsgeschichte ein. Mit einem Team von 37 Geologen, Geografen, Meteorologen, Archäologen und Botanikern, mit 300 Kamelen und zwei Dutzend mongolischen Zelten brach Hedin im Mai 1927 von Baotou in der Inneren Mongolei auf, um durch die Wüste Gobi nach Urumtschi, der Hauptstadt Sinkiangs zu gelangen. Die Expedition hatte neben den kartografischen, geologischen und archäologischen Aufgaben das Ziel, das Gelände auf geeignete Flugplätze für eine geplante Verbindung Berlin-Peking der Lufthansa zu überprüfen. Die Suche musste jedoch nach einem Jahr ergebnislos abgebrochen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einem Teil der Reise begleitete der erfahrene Kameramann Paul Lieberenz die Karawane. Auf 16.000 Metern Film, die er in einem primitiven Zelt entwickelte, dokumentierte er die Geschichte der Expedition. „Mit Sven Hedin durch Asiens Wüsten“ wurde in Deutschland im Mai 1929 im Berliner Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt. Der Film zeigt Tempeltänze in lamaistischen Klöstern, die versunkene Stadt Charachoto, verheerende Sandstürme, Kamelrevolten, Diebesjagden und immer wieder die Forscher bei ihrer Arbeit. Unglücklicherweise war der Film noch ohne Ton und das, als gerade die Zeit des Tonfilms begonnen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die chinesische Regierung hatte Hedin auf dem letzten Teil der siebenjährigen Expedition Möglichkeiten für den Bau von Bewässerungsanlagen und Autostraßen überprüft. Anfang 1935 kehrte Hedin über <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xi%E2%80%99an" target="_blank" rel="noopener">Xi’an</a> und <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Peking" target="_blank" rel="noopener">Peking</a> nach Stockholm zurück.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das unrühmliche Ende eines großen Forscherlebens</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den folgenden Jahren hielt Hedin in Deutschland und den Nachbarländern über 130 Vorträge. Er bekannte offen seine Sympathie für den Nationalsozialismus und traf sich mehrmals mit Hitler und anderen NS-Größen. Für die Nazis war die Unterstützung ihrer Politik durch den populären Forscher hochwillkommen. Auch der Zweite Weltkrieg änderte nichts an Hedins politischer Einstellung. Hitler verehrte er nach wie vor („eine der größten Gestalten der Weltgeschichte“). Nach dem Krieg lebte Sven Hedin von der Öffentlichkeit weitgehend isoliert in Stockholm; für weite Kreisen war er zu einer Unperson geworden. „Sven Hedin ist ein einsamer, fast vergessener Mann“, schrieb 1949 „Der Spiegel“. Dass er mehrfach zugunsten von deportierten norwegischen und deutschen Juden bei Hitler interveniert hatte und für manche zum Lebensretter wurde, änderte nichts an der Ächtung seiner Person in seinem Heimatland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute wird das wissenschaftliche Lebenswerk des neben Alexander von Humboldts wohl bedeutendsten Entdeckers und Naturforschers des 19. bzw. 20. Jahrhunderts trotz seiner politischen Verblendung anerkannt und bewundert.</p>
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		<title>Im Zwischendeck: Friedrich Gerstäckers Reise nach New York</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Aug 2024 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Auswanderer]]></category>
		<category><![CDATA[Auswandererschiffe]]></category>
		<category><![CDATA[Ballin-Stadt]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsches Auswandererhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Gerstäcker]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischendeck]]></category>
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					<description><![CDATA[Der spätere Autor von Abenteuerromanen Friedrich Gerstäcker ist einer von Millionen Deutschen, die im 19. Jahrhundert aus wirtschaftlicher Not Deutschland verließen. Bei dem jungen Friedrich war es wohl auch die Abenteuerlust, die ihn 1837 bewog, die Fahrt über den Atlantik zu wagen. Die Reise auf den Segelschiffen dauerte damals sechs bis zehn Wochen, und nur [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Der spätere Autor von Abenteuerromanen Friedrich Gerstäcker ist einer von Millionen Deutschen, die im 19. Jahrhundert aus wirtschaftlicher Not Deutschland verließen. Bei dem jungen Friedrich war es wohl auch die Abenteuerlust, die ihn 1837 bewog, die Fahrt über den Atlantik zu wagen. Die Reise auf den Segelschiffen dauerte damals sechs bis zehn Wochen, und nur für die Passagiere, die sich eine Kajüte leisten konnten, war die Reise einigermaßen erträglich. Im Zwischendeck herrschten dagegen erbärmliche Zustände. Zusammengepfercht wie die Heringe, litten die Auswanderer in den dunklen Verließen unter unerträglichem Gestank, Seekrankheit, Ungeziefern, karger, manchmal verdorbener Kost und der Furcht vor Infektionskrankheiten, die für nicht wenige tödlich endeten. Und manchem der frühen Schiffe wurden heftige Stürme zum Verhängnis. Ohne Schwimmwesten oder genügend Rettungsbooten drohte den Passagieren der Tod im Meer. An Deck durften sie nur, wenn das Wetter und der Kapitän es erlaubten. Erst mit dem Aufkommen der Dampfschiffe ab etwa 1850 wurden die Überfahrten zu fernen Kontinenten nach und nach sicherer, schneller und komfortabler. Um 1870 dauerte die Passage auf der Nordatlantikroute nur noch zehn bis vierzehn Tage.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Zwischendeck2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="297" height="207" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Zwischendeck2.jpg" alt="Schwarz-Weiß-Darstellung einer historischen Szene, in der zahlreiche Menschen auf einem Schiff an Bord gehen. Die Menschen tragen Kleidung aus dem 19. Jahrhundert. Sie gehen auf eine Auswanderungsreise." class="wp-image-2906" style="width:467px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Deutsche Emigranten gehen an Bord (um 1850)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am 16. Mai 1837 bestieg der 21-jährige Friedrich Gerstäcker in Bremerhaven das Auswandererschiff <em>Constitution</em>. Auf der Überfahrt nach New York führte er ein Tagebuch, das er nach der Ankunft an seine Mutter zurückschicken ließ.</p>



<h2 class="wp-block-heading">64 Tage auf dem Meer &nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>16. Mai:</strong> Die <em>Constitution</em> ist ein schöner dreimastiger Schnellsegler, der bestimmt ist, uns einem neuen Vaterlande entgegenzuführen! Wenn der Wind günstig ist, werden wir bald und glücklich in Amerika landen können. Ich will Dir nun die Verwirrung beschreiben, die jetzt an Bord begann: Die eine Hälfte der Auswanderer hatte schon zwei Tage früher an Bord gedurft und konnte sich dadurch besser und bequemer im Zwischendeck einrichten als wir, die wir uns nun noch einklemmen mussten. Stelle Dir bitte einen Raum von zehn mal acht Meter und zwei Meter Höhe vor, vollgestellt mit Kisten und Koffern und mit doppelstöckigen Schlafkojen für hundert Auswanderer. Denke nun an ihre Ausdünstung, an das Lachen, Toben, Übergeben, Kinderschreien usw., und Du wirst dann ein ziemlich getreues Bild von diesem Raum haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>19. Mai:</strong> Morgens um zwei wurden die Anker gelichtet, und dann ging’s hinaus in die offene See … Wir quetschen uns zu fünft in einer Koje. Meine Bettgenossen sind ein Tischlermeister, ein Apotheker und zwei Bekannte aus Braunschweig. Das Schaukeln wurde nun heftiger, und es war bei Gott ein amüsantes Vergnügen die armen Seekranken zu beobachten. Ich selbst blieb bis jetzt noch verschont davon.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>21. Mai:</strong> Es regnete heute, was vom lieben Himmel herunter wollte. Bei solchem Wetter ist es nun wahrlich eine Höllenqual, Bewohner des lieblichen Zwischendecks zu sein, denn wenn das Wetter zu arg wird, kann man es unmöglich auf dem Verdeck aushalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>22. Mai:</strong> Heute war ein stürmischer Tag. Als ich morgens aufwachte, tönten mir polternde und kullernde Töne ins Ohr, und nur zu bald überzeugte ich mich davon, dass wieder eine „allgemeine Brecherei“ ausgebrochen war.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Zwischendeck3.jpg"><img decoding="async" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Zwischendeck3.jpg" alt="Historische Schwarz-Weiß-Darstellung einer belebten Schiffsunterkunft, in der zahlreiche Menschen verschiedener Altersgruppen auf engen Raum zusammenkommen, um ihre Zeit während der Überfahrt zu verbringen." class="wp-image-2907" style="width:501px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Auswanderer auf dem Weg nach Amerika (1850)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>30. Mai:</strong> Heute brachen auf dem Schiff möglicherweise die Pocken aus, bei einem jungen Mädchen, das aber sogleich abgesperrt wurde. Wir hoffen, dass es nicht weiter ansteckend sein wird. Im allerungünstigsten Fall droht uns eine lange Quarantäne in New York. Mein Gott, wir wollen das Beste hoffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>31. Mai:</strong> Gegen Abend hörte der Regen auf und so ziehe ich mir denn meine Matratze und Decke heraus und schlafe vorne, so sanft und ruhig vom schwankenden Schiff gewiegt wie zu Haus. Das Gurgeln der sich Übergebenden ist meine Serenade.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>10. Juni:</strong> Der Wind ist etwas stärker und es regnet. Über solche Tage lässt sich nicht viel mehr sagen als „Verdecksnässe und Zwischendeck-Gestank“. Es sind wenige Worte, aber inhaltsschwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>17. Juni:</strong> Sturm! Die Wellen schlagen mit solcher Gewalt über das Verdeck, dass man im Augenblick durchnässt wurde. Ich musste ins Zwischendeck. Der Gestank ist kaum auszuhalten. Wenn man die Sachen fortwährend nass hat, faulen sie wahrhaftig auf dem Leibe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>27. Juni:</strong> Läuse im Zwischendeck! Zwar noch nicht bei uns, aber doch in der Nähe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>29. Juni:</strong> Wir haben noch nicht einmal dreiviertel unseres Weges zurückgelegt, obgleich wir schon vierzig Tage auf See sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>12. bis 15. Juli</strong>: Wenn wir noch lange auf dem Schiff bleiben, werden wir verrückt. Gelbe Erbsen, weiße Bohnen, angebrannter Reis, Speck, salziges Fleisch – Flöhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>18. Juli:</strong> „Land!“, donnerte es. Ich sprang hinauf in den Mast, und dann trat immer deutlicher ein schwacher blauer Streifen über dem dunklen Horizont hervor. Wie aus einem holländischen Käse die Maden, so krochen aus dem engen Eingangsloch jetzt die schlaftrunkenen Passagiere eilfertig hervor. Bald waren schon die Spitzen der Berge deutlich zu erkennen.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Zwischendeck4-e1722458341818.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="421" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Zwischendeck4-e1722458341818.jpg" alt="Historisches Gemälde zeigt viele Menschen in bunter Kleidung, die sich an einem Hafen versammeln, um an Bord eines großen Segelschiffs zu gehen. Das Schiff ist mit Segeln und Takelagen ausgestattet." class="wp-image-2908"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Hafen von New York (Castle Garden), 1847</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>19. Juli:</strong>  Long Island lag vor uns. Um elf Uhr sahen wir einen kleinen Schoner auf uns zufahren. Es war der Lotse, und neues Leben kam an Bord. Klarer und klarer wurde das Land, und um vier Uhr nachmittags lag die Küste Amerikas in ihrer ganzen Pracht vor unseren Augen … Endlich warfen wir in New York Anker. Kaum lag das Schiff still, als auch schon ein Doktor kam, um uns zu untersuchen. Trotz einer sechseckigen Brille merkte er nichts von Blattern und Pocken. Mit einem „All well“ verließ er uns bald wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>20. Juli:</strong> Gegen Mittag wurden wir mit unseren Siebensachen zu einem Blockhaus geführt. Alle Koffer und Kisten wurden hier durchsucht, teils nach steuerpflichtigen Sachen, teils nach schmutziger Wäsche, die nicht nach New York eingeführt werden darf. Wir lagen nun hier für eine Nacht auf dem Quarantäne-Kai, ohne Betten und ohne Essen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>21 Juli:</strong> Endlich! Meine vier Genossen und ich fuhren für einen Vierteldollar mit dem Steamboat in einer halben Stunde nach New York. So sind wir denn nun in Amerika, der langersehnten neuen Heimat. Wie es nun weiter werden soll, da muss der liebe Gott noch ein wenig mithelfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Quelle: Auszüge aus Gerstäckers „Brieftagebuch einer Überfahrt im Zwischendeck 1837“, Hrsg. Stiftung Deutsches Schifffahrtsmuseum, Bremerhaven.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein rastlos schreibender Abenteurer&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Friedrich Gerstäcker durchstreifte unter anderem als Heizer, Matrose, Jäger, Farmer, Koch und Holzfäller sechs Jahre Amerika. „Ich habe jahrelang in großen Städten von Komfort umgeben und ebenso von Wildfleisch oder einem alten Kakadu gelebt. Ich bin Gast von gekrönten Häuptern und Feuermann auf einem Mississippi-Dampfer gewesen, aber ich war stets frei und unabhängig wie der Vogel in der Luft“, beschreibt er in seinen Erinnerungen sein abenteuerliches Leben in den Vereinigten Staaten. 1845, nach einer Rückkehr nach Deutschland, verfasste er eine Reihe von Romanen, die in Nordamerika spielen. Geldsorgen musste er sich ab dann nicht mehr machen. Insbesondere „Die Regulatoren in Arkansas“ und „Die Flusspiraten des Mississippi“ zählen bis heute zu den Klassikern spannender Abenteuerliteratur. Einer seiner fleißigsten Leser war übrigens Karl May, der für seine Wild-West-Romane ganze Abschnitte aus Gerstäckers Büchern abgeschrieben hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Friedrich Gerstäcker unternahm immer wieder längere Reisen, die ihn nach Nord- und Lateinamerika, in die Südsee und nach Australien führten. 1872 starb er in Braunschweig im Alter von nur 56 Jahren mitten in den Vorbereitungen für eine Reise nach Asien an einem Schlaganfall.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Zwischendeck5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="145" height="193" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Zwischendeck5.jpg" alt="Porträt eines Mannes mit vollem Bart und lockigem Haar in einem dunklen Anzug und einer Krawatte, um 19. Jahrhundert. Der Mann schaut nach rechts und hat einen ernsten Gesichtsausdruck." class="wp-image-2909" style="width:249px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Friedrich Gerstäcker (um 1850)</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Tipp: die Auswandermuseen in Hamburg und Bremerhaven</strong><br><strong>Das Auswandermuseum <em>BallinStadt Hamburg</em></strong><br>In der Ballin-Stadt erleben die Besucher hautnah Ein- und Auswanderungsgeschichte über vier Epochen hinweg. Auf 2.500 qm kann man in drei Hallen die Emigranten des 19. und 20. Jahrhunderts mit all ihren Wünschen und Träumen auf ihrem Weg in eine neue Heimat „virtuell“ begleiten.<br><a href="http://www.ballinstadt.de" target="_blank" rel="noopener">www.ballinstadt.de</a><br><strong>Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven</strong><br>Zwischen 1830 und 1874 war Bremerhaven&nbsp;der größte Auswandererhafen Kontinentaleuropas. Das preisgekrönte Erlebnismuseum präsentiert inmitten detailgetreu rekonstruierter Ausstellungsräume und anhand realer Familiengeschichten sowohl die europäische Auswanderung nach Übersee als auch 330 Jahre Einwanderungsgeschichte nach Deutschland.<br><a href="https://dah-bremerhaven.de/" target="_blank" rel="noopener">www.dah-bremerhaven.de</a></pre>
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		<title>Ludwig Salvator: Mallorcas Wegbereiter für einen sanften Tourismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2024 10:05:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Balearen]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwig Salvator]]></category>
		<category><![CDATA[Mallorca]]></category>
		<category><![CDATA[sanfter Tourismus]]></category>
		<category><![CDATA[Son Marriog]]></category>
		<category><![CDATA[Son Miramar]]></category>
		<category><![CDATA[Tramuntana-Gebirge]]></category>
		<category><![CDATA[Valdemossa]]></category>
		<category><![CDATA[Wandern auf Mallorca]]></category>
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					<description><![CDATA[Noch vor etwa 150 Jahren spielte Mallorca als Reiseziel kaum eine Rolle – bis der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator, den man später den „König der Balearen&#8220; nannte, die wilde Schönheit der Insel in einem illustrierten Monumentalwerk feierte und bekannt machte. 1878 erhielt er hierfür auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille. Zwanzig Jahre später folgte die [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Noch vor etwa 150 Jahren spielte Mallorca als Reiseziel kaum eine Rolle – bis der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator, den man später den „König der Balearen&#8220; nannte, die wilde Schönheit der Insel in einem illustrierten Monumentalwerk feierte und bekannt machte. 1878 erhielt er hierfür auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille. Zwanzig Jahre später folgte die zweibändige Volksausgabe „Die Balearen, geschildert in Wort und Bild“. Mallorca und seine Nachbarinseln waren nicht länger ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte Europas.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="283" height="331" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator2.jpg" alt="Porträt eines Mannes mit dunklem Haar und Schnurrbart, gekleidet in einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, vor einem dunklen Hintergrund." class="wp-image-2896" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator2.jpg 283w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator2-256x300.jpg 256w" sizes="auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Erzherzog Ludwig Salvator (1878 – 1915) mit zwanzig Jahren</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der Thronfolge der Habsburger belegte Erzherzog Ludwig Salvator nur den siebzehnten Platz, doch damit hatte der uneitle Spross des toskanischen Zweiges des Hauses Habsburg-Lothringen kein Problem. Politischer Ehrgeiz war ihm fremd und höfisches Zeremoniell verabscheute der 1847 in Florenz geborene Ludwig. Seine Leidenschaft galt schon früh dem Meer und den Ländern des Südens. Er war musisch und naturwissenschaftlich interessiert und liebte es, Fakten zu sammeln. Fünf Jahre studierte Ludwig mit großem Eifer unter anderem Zoologie, Botanik und Mineralogie, bevor er mit seiner 50-Meter-Dampfsegelyacht „Nixe“ aufbrach, um auf zahlreichen Seereisen den gesamten Mittelmeerraum zwischen Nordafrika und Griechenland zu erkunden. Sein Cousin, Kaiser Franz Joseph, war vermutlich ganz froh, den “dicken Luigi“, wie er ihn nannte, meist weit entfernt zu wissen. Der lebensfrohe Globetrotter galt als Sonderling, über den man sich am Wiener Hof über seine abgewetzte Kleidung und sein unangepasstes Benehmens lustig machte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="271" height="175" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator3.jpg" alt="Historisches Schwarz-Weiß-Foto eines Dampfschiffs mit drei Masten, das in einem Hafen vor Anker liegt, mit Bergen im Hintergrund." class="wp-image-2897" style="width:367px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Rudolf Salvators Yacht „Nixe“</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Forscher und Chronist des Mittelmeers</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ludwig war jahrelang auf dem Meer unterwegs, meist in Begleitung einer bunt zusammengewürfelten Reisegesellschaft von Männern und Frauen und von Hunden, Katzen und Vögeln. Sogar ein Schimpanse, der auf den Namen „Gorilla“ hörte, war dabei. „Der Wandertrieb ist dem Menschen angeboren“, schrieb er später, „nur die Pflichten der sogenannten Zivilisation brachten ihn zum sesshaften Leben.“ Auf seinen Reisen war er unermüdlich damit beschäftigt zu forschen, zu schreiben und zu zeichnen. Über achtzig Arbeiten über die Inseln und Küstenstriche des Mittelmeers begründeten seinen Ruf als wohl bedeutendster Erforscher des Mittelmeerraums.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator4-e1720474120943.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="444" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator4-1024x444.jpg" alt="Panoramablick auf eine Küstenlandschaft mit steilen Klippen, klarem blauem Meer und bewachsenen Hügeln unter einem weiten, teilweise bewölkten Himmel." class="wp-image-2898" style="width:772px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Aussicht von San Marroig</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">1867, da war er zwanzig, hatte er zum ersten Mal&nbsp;Mallorca besucht, der Insel, der von da an seine ganze Leidenschaft gehören sollte. Drei Jahre später machte er die Insel zu seinem Lebensmittelpunkt. An der Nordküste, in den Ausläufern des Tramuntana-Gebirgszugs mit den senkrecht aus dem Meer ragenden Felswänden, den uralten Ölbaumterrassen und malerischen Bergdörfern erwarb er – nicht immer mit eigenem Geld – nach und nach zwischen Valldemossa&nbsp;und&nbsp;Deià mehrere Landgüter. Schließlich besaß er ein etwa sechzehn Kilometer langes und zehn Kilometer ins Landesinnere reichendes Gebiet. Er restaurierte Herrenhäuser und Fincas, schützte die uralten Ölbäume vor den Äxten der Bauern und ließ steinerne Bänke, Aussichtspunkte (Miradores) und Pfade in den Bergen anlegen, die heute als Wanderwege dienen. Kein Baum durfte auf seinem Besitz gefällt werden, Tiere, die nicht der Ernährung dienten, nicht getötet werden. Der Arxiduc, wie der Erzherzog bald respektvoll genannt wurde, war einer der ersten Umweltschützer seiner Zeit – und der Wegbereiter für den mallorquinischen Fremdenverkehr. Es lag ihm viel daran, die wilde Schönheit des nördlichen Küstenstrichs mit anderen zu teilen zu können. Für die noch seltenen Touristen jener Tage errichtete Ludwig die Hospederia Ca Madó Pilla, ein Gästehaus, in dem bis zu zwanzig Reisende drei Tage gratis übernachten konnten. (Das Essen mussten sie allerdings selbst mitbringen.)</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator5-e1720474090645.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="541" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator5-1024x541.jpg" alt="Historisches Gebäude mit Steinfassade und einem hohen Turm, umgeben von Bäumen und einem gepflasterten Hof unter klarem blauem Himmel." class="wp-image-2899" style="width:741px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Son Marroig</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Auf Mallorca wird Ludwig Salvator bis heute verehrt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gastfreundschaft&nbsp;Ludwig Salvators&nbsp;war legendär. Auf seinem Hauptwohnsitz, erst war es das ehemalige Kloster Son Miramar, später kam Son Marroig hinzu, liebte er es, Besucher zu empfangen und ihnen seine Ländereien zu zeigen. Unterhalb von Son Marroig ankerte die Yacht des&nbsp;Erzherzogs.&nbsp;Immer wieder unternahm er mit der „Nixe“ Forschungsfahrten zu kleinen, naturwissenschaftlich noch wenig erschlossenen Inseln wie den Liparischen Inseln im Norden Siziliens oder den Ionischen Inseln in der Ägäis. Auch die „Miramar“, das Schiff der&nbsp;Kaiserin Elisabethvon Österreich, ging vor Son Marriog vor Anker, als sie ihren Cousin Weihnachten 1892 besuchte. Mit Sisi verband ihn eine enge Freundschaft. Die unstete „Reisekaiserin“, die wie Ludwig sich lieber auf oder am Meer aufhielt als am Wiener Hof, sah in ihm ihren Seelenverwandten.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator6-e1720474174929.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator6-e1720474174929.jpg" alt="Aussicht von einer Säulenveranda auf ein klassisches Pavillon und eine Küstenlandschaft bei Sonnenuntergang, mit Bergen und Meer im Hintergrund." class="wp-image-2892"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Blick von der Terrasse von Son Marroig</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Son Marroig&nbsp;ist heute ein Museum. Gezeigt werden Memorabilia des&nbsp;Erzherzogs. Der Mirador von Son Marroig, ein kleiner ionischer Tempel aus weißem Carrara-Marmor ist eines der beliebtesten Fotomotive Mallorcas.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator7-e1720474148791.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="480" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator7-e1720474148791.jpg" alt="Weißes Pavillon auf einem steinernen Plateau mit Blick auf eine bewaldete Küstenlandschaft und das Meer, im Hintergrund sind Berge zu sehen." class="wp-image-2893"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Der Mirador von Son Marroig</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Wien nährte der unkonventionelle Lebensstil des Junggesellen die Gerüchte um den „komischen Heiligen“. So soll er beiden Geschlechtern zugetan gewesen sein und zahllose Affären gehabt haben, aus denen eine große Kinderschar hervorging. Ihn störte das Getuschel nicht. Er „lebe lieber vielfältig als einfältig“ konterte er alle Anwürfe. Rudolf bevorzugte die Gesellschaft einfacher Leute, und wenn man ihn auf der Insel in seiner schäbigen Kleidung für einen Landarbeiter hielt, gefiel ihm das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der Erste Weltkrieg ausbrach, beorderte der Kaiser ihn zurück nach Österreich. Im Oktober 1915 starb Ludwig Salvator an den Folgen einer chronischen Erkrankung seines Lymphsystems. Beigesetzt wurde er in der Kapuzinergruft in Wien. Seinen visionären Ideen und innovativen Naturschutzprojekten ist es mit zu verdanken, dass sein Refugium, die Serra di Tramuntana vom Massentourismus und der damit einhergehenden immensen Bebauung ab den sechziger Jahren weitgehend verschont geblieben ist. 2011 wurde das Gebiet zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator8.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="244" height="325" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator8.jpg" alt="Bronzebüste von Erzherzog Ludwig Salvator von Habsburg-Lothringen auf einem Steinsockel mit Inschrift, umgeben von grüner Vegetation." class="wp-image-2894" style="width:320px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator8.jpg 244w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/07/Salvator8-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 244px) 100vw, 244px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Büste von Ludwig Salvator im Garten der Kartäuse von Valldemossa</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In der&nbsp;Kartäuse von Valldemossa,&nbsp;einem ehemaligen Kloster des Kartäuserordens und heutigen Museum, ist eine Abteilung dem Erzherzog&nbsp;gewidmet. Außerdem sind hier die Zellen zu besichtigen, in denen die Schriftstellerin George Sand&nbsp;und&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A9d%C3%A9ric_Chopin" target="_blank" rel="noopener">der</a> Komponist Frédéric Chopin&nbsp;im Winter 1838/39 wohnten.</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Wander- und Ausflugstipp: Auf den Spuren des Erzherzogs</strong><br>Für Mallorca-Besucher, die die Gegend, in der Ludwig Salvator lebte, erkunden wollen, hält der Blog  „Tischgespräch“ einen Wandertipp bereit: „Die Wanderung besteht eigentlich aus einem Waldspaziergang und zwei Wanderungen: Dem Weg über den <em>Coll de Son Gallard</em> und auf der anderen Seite herunter nach <em>Valldemossa</em>, oder aber – mit Start in <em>Valldemossa</em> – dem Weg hinauf zum <em>Mirador de ses Puntes</em> und wieder zurück. Du kannst die Teilstrecken aber auch als eine etwas größere Wanderung machen. Die Wanderungen bringen dich mitten in die wunderbare Welt des <em>Tramuntana</em>-Gebirges, mit fantastischen Ausblicken von <em>Palma</em> bis <em>Soller</em>. Für den Waldspaziergang wirst du etwa zwei Stunden benötigen, für die Wanderung über den <em>Coll</em> zirka 5 Stunden und für die Wanderung zum <em>Mirador de ses Puntes</em> und zurück etwa 3 Stunden. Die Wege sind gut und sicher, manchmal natürlich etwas steil und von <em>Valldemossa</em> herauf (oder herunter) ziemlich steinig.“ Weitere nützliche Informationen liefern die Tischgespräch-Blogbeiträge „Auf den Spuren des Erzherzogs Ludwig Salvator“ und „Wandern über den <em>Coll de Son Gallard“.</em></pre>



<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-tischgespr-ch wp-block-embed-tischgespr-ch"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="i5K3h7RZHS"><a href="https://tischgespraech.blog/2017/04/22/mallorca-coll-de-son-gallard/" target="_blank" rel="noopener">Wandern auf Mallorca: Über den Coll de Son&nbsp;Gallard</a></blockquote><iframe loading="lazy" class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Wandern auf Mallorca: Über den Coll de Son&nbsp;Gallard&#8220; &#8212; Tischgespräch" src="https://tischgespraech.blog/2017/04/22/mallorca-coll-de-son-gallard/embed/#?secret=OYQvnKY6H1#?secret=i5K3h7RZHS" data-secret="i5K3h7RZHS" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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		<title>Heinz Helfgens Reise mit dem Fahrrad um die Welt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Mar 2024 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Personen]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrradtour]]></category>
		<category><![CDATA[Heinz Helfgen]]></category>
		<category><![CDATA[Weltreise]]></category>
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					<description><![CDATA[Unglaublich, was Heinz Helfgen geleistet hat. Mit 3 Mark 80 in der Tasche und grenzenlosem Optimismus gesegnet, setzt sich der arbeitslose Reporter am 3. September 1951 morgens um sieben Uhr auf sein Fahrrad und beginnt seine Reise um die Welt. Da ist er immerhin schon 41 Jahre alt. Er radelt von Düsseldorf aus den Rhein [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Unglaublich, was Heinz Helfgen geleistet hat. Mit 3 Mark 80 in der Tasche und grenzenlosem Optimismus gesegnet, setzt sich der arbeitslose Reporter am 3. September 1951 morgens um sieben Uhr auf sein Fahrrad und beginnt seine Reise um die Welt. Da ist er immerhin schon 41 Jahre alt. Er radelt von Düsseldorf aus den Rhein entlang, in Richtung Köln und Frankfurt. Am Abend ist er kurz vor Frankfurt. Über 200 Kilometer hat er auf dieser ersten Tagesetappe geschafft, bei Regen und mit 30 kg Gepäck. Er will vom Rad absteigen und auf einer Wiese sein Zelt aufbauen. „Ging nicht“, erinnerte er sich. „Ich brachte das Bein weder über den Sattel noch das Gestänge.“ Doch mehr drückt Helfgen ein anderes Problem. Mit ein paar Mark würde er nicht weit kommen; er brauchte finanzielle Unterstützung. Am nächsten Tag würde sich entscheiden, ob er seinen abenteuerlichen Plan tatsächlich in die Tat umsetzen kann …</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein aberwitziges Vorhaben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1951, nach seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft, hatte sich Heinz Helfgen bei mehreren Zeitungen um einen Job bemüht. Vergeblich, er musste sich in die lange Schlange der Wartenden auf dem Arbeitsamt einreihen. Im Journalismus seien „alle Stühle bereits besetzt“ gewesen, schrieb er später. So reifte bei ihm der Gedanke, eine journalistische Leistung zu vollbringen, die „meine Pressekollegen zwingen würde, meine Reportagen zu drucken.“ Der Plan für eine Radtour um die Welt war geboren. Innerhalb von vierzehn Tagen hatte er alles zusammen: den Reisepass, ein geliehenes Fahrrad der Marke „Patria WKC“ (mit Dreigangschaltung und verstärkten Felgen), eine von einem Sportgeschäft gesponserte Campingausrüstung, eine alte Kamera, Fernglas und ein Fahrtenmesser. Sein wichtigstes Reisekapital waren aber seine Sprachkenntnisse und seine exzellente Fitness, die er sich in der amerikanischen Gefangenschaft durch ständigen Sport erworben hatte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="309" height="490" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen2.jpg" alt="Buchcover Heinz Helfgen" class="wp-image-2752" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen2.jpg 309w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen2-189x300.jpg 189w" sizes="auto, (max-width: 309px) 100vw, 309px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Cover der heute vergriffenen Erstauflagen der beiden Bände aus dem Bertelsmann Verlag, Gütersloh</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Tag nach seiner Abreise aus Düsseldorf besuchte Helfgen in Frankfurt die Boulevardzeitung „Abendpost“ – und hatte Glück. Man würde sich über Beiträge von ihm freuen, versicherte ihm die Redaktion. Das Honorar war nicht üppig, würde aber fürs Erste reichen. Während er unterwegs war, druckte das Blatt ein- bis zweimal pro Woche eine Reportage von ihm, insgesamt 157 Folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">800 Tage später war er wieder zuhause und verfasste sein Buch, das zum erfolgreichsten Reisebericht in der jungen Bundesrepublik werden sollte. Seine Reise hatte ihn durch Österreich, Jugoslawien, Griechenland, die Türkei, Syrien, Irak, Persien, Pakistan, Indien und Ostindien (Bangladesch), Burma, Thailand Kambodscha, Vietnam, Japan, die USA, Kuba, Jamaika, Aruba, Venezuela und Brasilien geführt. Was er Spannendes erlebte, machen die 65 Kapitelüberschriften aus den beiden Bänden deutlich. Es geht relativ harmlos los („Fahrt über die Alpen nach Jugoslawien“) doch dann beginnen die Abenteuer: Im Schweigelager der vergessenen Kriegsgefangenen / Amöbenruhr am Euphrat / Krise in Bagdad / Schüsse an der Grenze und Opium / Die Salzwüste Lut / Schmuggler, Banditen und ein Mädchen / Ich werde Fürst des Bugditstammes / Tiger, Tempel und die Heilige Kuh / Im Dschungel-Hauptquartier der Kommunisten / Drei Stunden in den Fluten des Irawadi / Frontflug nach Hanoi und Fallschirmabsprung in Feindesland / Mit dem Kaiser von Vietnam auf Großwildjagd / Besteigung des Fujiyama / Kubanische Abenteuer … Auf Kuba trinkt Helfgen mit Ernst Hemingway („sieht aus wie ein normannischer Fischer“) in dessen Stammkneipe El Floridita ein paar Daiquiris. Zwei Tage später besucht er den Dichter auf seinem Landgut. Wieder fließt reichlich Alkohol – bis Hemingway im Wohnzimmersessel plötzlich einschläft. Helfgen macht sich davon und übernachtet in seinem Zelt im Garten. Danach beginnen die letzten Etappen der Weltreise: Labyrinth Jamaika / Auf dem Weg zur Grünen Hölle / Das letzte große Abenteuer: Vom Orinoco zum Amazonas … Von Brasilien aus ging es schließlich per Schiff zurück nach Deutschland.</p>



<h2 class="wp-block-heading">„Ich radle um die Welt“ war der erfolgreichste Reisebericht in der jungen Bundesrepublik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Helfgens Buch liest sich spannend wie ein Abenteuerroman. Die Kritiker, die ihn als „Karl May des 20. Jahrhunderts“ bezeichneten, wollten wohl andeuten, dass einige Begebenheiten seiner Fantasie entsprungen sein könnten. Möglicherweise hatte er an einigen Stellen die Dramatik der Ereignisse und seine eigene Rolle dabei etwas übertrieben dargestellt, doch alle wesentlichen Fakten stimmten. „Ich reise um die Welt“, ist ein Reise-Sachbuch, das beste Unterhaltung bietet. (Natürlich muss man berücksichtigen, dass das Buch im Zeitgeist der fünfziger Jahre geschrieben wurde und einige deutschtümelnde Formulierungen enthält, die heute als political incorrect gelten würden.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der tristen Nachkriegszeit war das Buch eine Sensation. Von den beiden Bänden „Ich radle um die Welt“ wurden in den fünfziger Jahren 600.000 Exemplare gedruckt. Das Fernsehen steckte noch in den Kinderschuhen, und weite Reisen konnten sich nur wenige leisten. So verwundert es nicht, dass Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Bücher und Radiosendungen über die Abenteuer Reisender in fremden Ländern auf riesiges Interesse stießen – insbesondere, wenn sie von einem so brillanten Erzähler wie Helfgen stammten.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="466" height="326" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen3.jpg" alt="Foto mit Mann neben Fahrrad" class="wp-image-2753" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen3.jpg 466w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen3-300x210.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 466px) 100vw, 466px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Für den kleinen Jungen in Indochina ist die Reisschale wichtiger als der merkwürdige Fremde</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem beginnenden Massentourismus, der viele Deutsche auch in ferne Länder führte, verloren Bücher von und über Weltenbummler an Faszination. Zwar veröffentlichte Helfgen noch einige Reisebücher wie zum Beispiel „Ich trampe zum Nordpol“, einen abenteuerlichen Bericht über seine Expedition mit Auto, Buschflugzeug, Hundeschlitten und Schlauchboot, doch an den Erfolg seines Hauptwerkes konnte auch dieses Buch nicht anknüpfen. Ende der 60er Jahre war der größte Reise-Bestseller der Nachkriegszeit fast vergessen, und auch um einen der prominentesten Deutschen der bundesrepublikanischen Nachkriegszeit wurde es still. Heinz Helfgen starb mit 80 Jahren am 28. Oktober 1990 in Völklingen.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="475" height="551" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen4.jpg" alt="Foto Mann neben Kajak" class="wp-image-2754" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen4.jpg 475w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen4-259x300.jpg 259w" sizes="auto, (max-width: 475px) 100vw, 475px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Heinz Helfgen vor seinem Aufbruch zum Nordpol (1956)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist das Verdienst des Reise- und Radjournalisten Stefan Etzel „Ich radle um die Welt“ in überarbeiteter Form wieder herausgebracht zu haben. Ergänzt wurde das Buch durch Episoden, die seinerzeit aus politischen Gründen nicht hätten mitgeteilt werden dürfen, wie z. B. die Umstände von Helfgens Flucht aus Jugoslawien mit Hilfe der CIA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;„Eine erneute Erdumrundung mit dem Fahrrad auf meinen Spuren würde heutzutage auf bedeutend größere Schwierigkeiten stoßen“, schrieb Helfgen 1988. Das klingt ziemlich untertrieben; eine Weltreise per Rad wie Anfang der 50er Jahre wäre schon 1988 nur mit sehr viel Glück durchführbar gewesen – und heute wohl nur unter Lebensgefahr. Aber vielleicht ist das gerade der Grund, warum „Ich radle um die Welt“ das Zeug hat, erneut zum Reisekultbuch nicht nur für ambitionierte Radsportler zu werden.</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: „Ich radle um die Welt“ von Heinz Helfgen</strong><br>Die beiden Bände sind in der von Stefan Tetzel herausgegebenen Neuauflage zu einem Band zusammengefasst. Das Buch beschreibt nicht nur eine spannende Weltreise, sondern aus der Sicht von heute auch eine faszinierende Zeitreise.<br>398 Seiten, 16,98 € (Taschenbuch). Auch bei Kindle als eBook erhältlich (4,99 €). Erschienen im Verlag Rad und Soziales, 2014</pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://amzn.to/492tjbS" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="157" height="236" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/03/Helfgen5.jpg" alt="Buchcover" class="wp-image-2750"/></a></figure>
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