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	<title>Reisen &#8211; reisen damals</title>
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		<title>Die „Illegalen“: Wie Backpacker aus der DDR bis nach China kamen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Sep 2024 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[Selbst in der abgeschotteten DDR gelang es Hunderten von Rucksacktouristen, ihren Traum von Freiheit und Abenteuern zu verwirklichen. Nicht in der ganzen, aber zumindest in einem großen Teil der Erde – im riesigen sowjetischen Imperium, das sich über elf Zeitzonen erstreckte. Am Schwarzen Meer, am Polarkreis, in Zentralasien oder im Fernen Osten entdeckten wagemutige junge [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Selbst in der abgeschotteten DDR gelang es Hunderten von Rucksacktouristen, ihren Traum von Freiheit und Abenteuern zu verwirklichen. Nicht in der ganzen, aber zumindest in einem großen Teil der Erde – im riesigen sowjetischen Imperium, das sich über elf Zeitzonen erstreckte. Am Schwarzen Meer, am Polarkreis, in Zentralasien oder im Fernen Osten entdeckten wagemutige junge Frauen und Männer eine fremde, exotische Welt, die so ganz anders war als ihre durchregulierte Heimat. Die Alltagsbegegnungen mit Bergbauern und Goldsuchern, Nomaden und Wildhütern, Jägern, Fischern und den „ganz normalen“ Sowjetbürgern und -bürgerinnen zeigten ihnen, wie vielfältig und bunt die Welt ist. Und dass Gastfreundschaft gerade dort anzutreffen ist, wo Menschen selbst kaum etwas zum Verschenken haben. Erstaunlich, dass dieses Kapitel der Tourismusgeschichte der DDR weitgehend unbekannt geblieben ist, zeigt es doch, dass ein echter Globetrotter sich weder von inneren noch äußeren Grenzen aufhalten lässt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker2.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="289" height="193" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker2.jpg" alt="Traditionelle Tänzerinnen in bunter Kleidung vor einer historischen Festung mit Türmen, während einer kulturellen Veranstaltung unter klarem blauem Himmel. Zuschauer auf den Mauern." class="wp-image-2924" style="width:369px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Festung Hissar bei Duschanbe (Tadschikistan)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Individualtouristen ohne Aufpasser durften nicht einfach so in der Sowjetunion umherreisen. Das war nur mit einem illegalen Trick möglich: Wer ab 1968 nach Rumänien oder Bulgarien wollte, musste nicht über die Tschechoslowakei und Ungarn fahren, sondern konnte mit einem Transitvisum auch den Weg über Polen und die UDSSR wählen. Für die Durchreise hatte man zwei bis drei Tage Zeit. War man erst einmal in der Sowjetunion, konnte das Abenteuer beginnen. Die sowjetischen Grenzorgane kümmerten sich in der Regel nicht darum, ob man ihr Land fristgerecht wieder verlassen würde. Und bei der Rückkehr in die DDR drohten keine ernsthaften Strafen; man war ja schließlich ins heimatliche Arbeiter- und Bauernparadies zurückgekehrt. Vermutlich ließ die DDR-Regierung den Transit über die Sowjetunion nur zu, um die Tschechoslowakei in den unruhigen 1968er Zeiten des „Prager Frühlings“ von der DDR abzuschotten. Und danach vergaß man wohl, diese Regelung wieder aufzuheben.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker3.jpg"><img decoding="async" width="367" height="245" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker3.jpg" alt="Schneebedeckter Vulkan vor blauem Himmel, umgeben von grüner Vegetation im Vordergrund. Klare Sicht auf die Bergspitze und den bewachsenen Hang." class="wp-image-2925" style="width:463px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker3.jpg 367w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker3-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 367px) 100vw, 367px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die Halbinsel Kamtschatka, das „Land der Bären und Vulkane“, im äußersten Nordosten Russlands</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Wie lange die Alternativtouristen in der Sowjetunion blieben, hing von ihrem persönlichen Zeitbudget ab. Studenten konnten die zwei Monate Sommerferien nutzen, andere kündigten ihren Job und nahmen sich eine längere Auszeit. Viele kannten sich untereinander und versorgten sich gegenseitig mit Tipps und Trekkingmaterial, es gab aber verständlicherweise keine feste Organisationsstruktur. Im Laufe der Zeit etablierten sich aber unter Insidern als Erkennungsmerkmal drei Buchstaben: UdF.</p>



<h2 class="wp-block-heading">UdF: „Unerkannt durch Freundesland“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hatte man alle Dokumente zusammen, was nicht immer ganz einfach war, konnte die Rucksackreisenden nichts mehr aufhalten. Den DDR-Grenzern machte man zum Beispiel weis, dass man mit dem Zug über Kiew nach Odessa reisen wolle, um dort das Schiff übers Schwarze Meer zum bulgarischen Seebad Varna zu nehmen. Die schluckten das und ahnten nicht, dass schon in Kiew die illegale Expedition durch die Republiken des Sowjetreichs starten würde. Per Bahn und Anhalter ging es bis in die entlegensten Winkel, wo nur die Natur und nicht der Sozialismus das Leben bestimmte. Auf der Hut sein musste man allerdings vor KGB und Miliz, doch die ließen sich meist mit selbstverfassten Fantasiedokumenten (wichtig war ein Stempel) beruhigen und waren froh, die merkwürdigen Besucher aus der DDR schnell loszuwerden. Nicht selten halfen sogar Polizisten, Trucker und einmal sogar ein Hubschrauberpilot den Backpackern auf ihrer Reise weiter.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker4.jpg"><img decoding="async" width="352" height="214" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker4.jpg" alt="Belebter Marktplatz in einer Stadt mit einem Esel, der eine Kutsche mit Säcken zieht. Menschen in traditioneller Kleidung und ein alter Lastwagen im Hintergrund." class="wp-image-2926" style="width:484px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker4.jpg 352w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker4-300x182.jpg 300w" sizes="(max-width: 352px) 100vw, 352px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Marktszene in Samarkand (Usbekistan)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">So gelangten die jungen Leute in die russischen Polargebiete, nach Murmansk auf der Halbinsel Kola, auf die Krim, zu den Vulkanen Kamtschatkas, in die Berge des Kaukasus und des zentralasiatischen Tian Shans, nach Turkestan, Taschkent und Samarkand, ans Japanische Meer, zu den „Goldenen Bergen“ des Altais im chinesischen Grenzgebiet, zum Baikalsee, zu den Siebentausendern des Pamir und, und, und … grandiose Landschaften, die sie mit Zelt und Schlafsack durchwanderten.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="412" height="309" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker5.jpg" alt="Weite Landschaft mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund und einem kargen, braunen Feld im Vordergrund. Eine Schafherde ist in der Ferne sichtbar. Klarer Himmel." class="wp-image-2927" style="width:474px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker5.jpg 412w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker5-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 412px) 100vw, 412px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Im Dreiländereck zwischen Kasachstan, China und Kirgistan erhebt sich eines der gewaltigsten Gebirge der Welt: der Tian Shan (hier die Nordostseite des Barkol Shan)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Zuckerschlecken waren die Reisen nicht gerade. Tagelange Zugfahrten in Abteilen mit Hühnern, pausenlos rauchenden Einheimischen, Bergen von Gepäck und nicht funktionierenden Toiletten, der ständige Geldmangel und leere Lebensmittelgeschäfte, mehrtägige Übernachtungen auf Flughäfen oder Bahnhöfen, Hitze und Kälte, Hunger und Durst setzten den Rucksacktouristen gehörig zu, aber immer wieder wurde ihnen weitergeholfen. Wenn auch manchmal nur mit einem großen Schluck aus der Wodkaflasche.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="740" height="500" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker6.jpg" alt="Felsige Halbinsel mit schroffen Klippen und einem kleinen Kiesstrand am Ufer eines ruhigen Sees. Grüne Vegetation und Bäume an den Rändern, Berge im Hintergrund." class="wp-image-2921" style="width:510px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker6.jpg 740w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker6-300x203.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Am Baikalsee:  der Schamanenfelsen auf der Insel Olchon</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in Ostdeutschland genossen die Backpacker die Bewunderung und das ungläubige Staunen von Freunden und Bekannten über ihre Erlebnisse. Während für die meisten DDR-Bürger die weite Reisewelt in Oberwiesenthal, in Zingst oder bestenfalls am Balaton oder in Varna endete, hatten die „illegalen“ schon den Geschmack der Freiheit gespürt. Das war, bevor im Herbst 1989 die Bevölkerung auf die Straßen ging, um Reisefreiheit („Visafrei bis Hawaii“) einzufordern.</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: Frank Böttcher und Cornelia Klauß (Hrsg.): Unerkannt durch Freundesland.</strong><br>In dem mit vielen privaten Fotos bebilderten Sammelband beschreiben neunzehn DDR-Rucksacktouristen ihre Abenteuer, die sie im sozialistischen „Bruderland“ erlebt haben. Der Mitherausgeber Frank Böttcher gehörte selbst zu dieser wagemutigen UdF-Subkultur. Das spannend zu lesende Buch mit seinen skurrilen und amüsanten Geschichten sollte in keinem Bücherregal von leidenschaftlichen Globetrottern und Couch-Weltenbummlern fehlen.<br>Frank Böttcher/Cornelia Klauß (Hrsg.): Unerkannt durch Freundesland. Illegale Reisen durch das Sowjetreich. Lukas- Verlag, Berlin 2011. 444 Seiten, € 24,90</pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://amzn.to/4dSzIJs" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="226" height="333" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker7.jpg" alt="" class="wp-image-2922" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker7.jpg 226w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/08/Backpacker7-204x300.jpg 204w" sizes="auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige, Affiliate-Link zu Amazon</figcaption></figure>
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		<title>Joseph Roths Reise mit dem Wolgadampfer zum Kaspischen Meer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 May 2024 10:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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		<category><![CDATA[Wolga-Flussfahrt 1926]]></category>
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					<description><![CDATA[Die zweiwöchige Schiffsreise auf der südlichen Wolga von Moskau bis nach Astrachan, unweit der Mündung ins Kaspische Meer, gehört sicher zu den ungewöhnlichsten Flussfahrten, die der Tourismus zu bieten hat – besser gesagt, hatte. Allerdings sollte man sich vor falschen Vorstellungen hüten, war schon 1897 im Baedeker zu lesen: „Großartige Naturschönheiten darf man nicht erwarten; [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Die zweiwöchige Schiffsreise auf der südlichen Wolga von Moskau bis nach Astrachan, unweit der Mündung ins Kaspische Meer, gehört sicher zu den ungewöhnlichsten Flussfahrten, die der Tourismus zu bieten hat – besser gesagt, hatte. Allerdings sollte man sich vor falschen Vorstellungen hüten, war schon 1897 im <em>Baedeker</em> zu lesen: „Großartige Naturschönheiten darf man nicht erwarten; was man auf dem Rhein in wenigen Stunden erblickt, sieht man auf der Wolga nicht in einer Woche.“ Vielleicht ist es aber gerade die beruhigende Monotonie, die den Reiz einer Fahrt auf der Wolga ausmacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterwegs begegnet man der vielfältigen südrussischen Kultur, besucht die tatarische Metropole Kasan, die ehemalige Region der Wolga-Deutschen in Saratow und das wiedererstandene Wolgograd mit der monumentalen Gedenkstätte auf dem Mamajew-Hügel. Am eindrucksvollsten ist immer wieder die Aussicht vom Kreuzfahrtschiff auf die mächtige Wolga und die unendlichen Landschaften jenseits der Ufer. Wie das Land, so der Mensch? Wenn wehmütige Balalaika-Musik aus dem Salon hinauf aufs Deck klingt und im Champagnerglas der Krimsekt perlt, glaubt wohl jeder an Bord, tief in die russische Seele blicken zu können … Doch seit dem unseligen 24. Februar 2022 ist es für Touristen aus der EU vorerst vorbei mit dem Zauber von „Mütterchen Wolga“. Was bleibt, ist die Erinnerung an Flussfahrten vergangener Zeiten. Zum Beispiel an die Wolgareise des österreichischen Schriftstellers Joseph Roth im Jahr 1926.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga2.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="318" height="150" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga2.jpg" alt="Fähren auf einem Fluss" class="wp-image-2821" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga2.jpg 318w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga2-300x142.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 318px) 100vw, 318px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Kreuzfahrtschiffe auf der Wolga (2014)</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Joseph Roths Reise, die sein Leben verändern sollte</h2>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga3.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="462" height="406" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga3.jpg" alt="Mann mit Hut" class="wp-image-2822" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga3.jpg 462w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga3-300x264.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 462px) 100vw, 462px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Joseph Roth in Paris, 1932 </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der spätere Autor des Meisterwerks „Radetzkymarsch“ bestieg 1926 in Nischij Nowgorod einen der unzähligen Wolgadampfer und begab sich auf die rund zweitausend Kilometer lange Reise nach Astrachan. An den Luxus und Komfort eines modernen Kreuzfahrtschiffs war damals allerdings nicht zu denken. Aus den Reportagen über seine „Reisen in Russland“, die im gleichen Jahr in der Frankfurter Zeitung erschienen, stammen die folgenden Passagen.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga4.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="394" height="368" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga4.jpg" alt="Landkarte Wolgaregion" class="wp-image-2823" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga4.jpg 394w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga4-300x280.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 394px) 100vw, 394px" /></a></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Der Fluss, so weit wie das Land</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Wolga-Dampfer liegt weiß und festlich im Hafen. Er trägt den Namen eines berühmten russischen Revolutionärs und hat vier Klassen für Passagiere. In der ersten fahren die neuen Bürger Russlands, die Geschäftemacher, dem Sommerurlaub in den Kaukasus und in die Krim entgegen. Die vierte Klasse befindet sich tief unten. Ihre Passagiere schleppen schwere Bündel, billige Körbe, Musikinstrumente und ländliche Geräte. Alle Nationen, die an der Wolga und weiter in der Steppe und im Kaukasus wohnen, sind hier vertreten. Hier sind kleine Landarbeiter, arme Handwerker, wandernde Musikanten, blinde Korsaren, fliegende Händler, halbwüchsige Schuhputzer und die obdachlosen Kinder, die von der Luft und vom Unglück leben. Die Menschen schlafen in hölzernen Schubläden, in zwei Etagen übereinander. Sie essen Kürbisse, suchen nach Ungeziefer auf den Köpfen der Kinder, stillen Säuglinge, waschen Windeln, kochen Tee und spielen Balalaika und Mundharmonika.“</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga5.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="332" height="221" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga5.jpg" alt="Männer mit Fischernetzen" class="wp-image-2824" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga5.jpg 332w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga5-300x200.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Wolgafischer in Astrachan </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Himmel über der Wolga ist nah und flach und mit unbeweglichen Wolken bemalt. Zu beiden Seiten hinter den Ufern sieht man in weiten Fernen jeden emporragenden Baum, jeden aufsteigenden Vogel, jedes weidende Tier. Ein Wald wirkt hier wie ein künstliches Gebilde. Alles hat die Tendenz, sich auszubreiten und zu zerstreuen. Dörfer, Städte und Völker sind weit voneinander entfernt. Gehöfte, Hütten, Zelte wandernder Menschen stehen da, umgeben von Einsamkeit. Diese Erde gibt das Gefühl der Freiheit, wie bei uns nur das Wasser und die Luft.“</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga6.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="451" height="285" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga6.jpg" alt="Männer am Flussufer" class="wp-image-2825" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga6.jpg 451w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga6-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 451px) 100vw, 451px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Wolgaufer in Nishnij Nowgorod </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Fluss ist wie das Land: breit, unendlich lang (von Nischnij-Nowgorod bis Astrachan sind es mehr als zweitausend Kilometer) und sehr langsam. An seinen Ufern erwachsen erst spät die ‚Wolga-Hügel‘, niedrige Würfel. Ihr nacktes felsiges Innere haben sie dem Fluss zugekehrt. Hinter ihnen dehnt sich wieder die Fläche, vor der die Horizonte zurückweichen, immer weiter, bis hinter die Steppe. Ihren großen Atem schickt sie über die Hügel, über den Fluss. Im Anblick der großen Berge und der uferlosen Meere fühlt man sich verloren und bedroht. Gegenüber der weiten Ebene ist der Mensch verloren, aber getröstet. Er ist nichts mehr als ein Halm, aber er wird nicht untergehen: Man ist wie ein Kind, das in der ersten Stunde eines Sommermorgens erwacht, wenn alle noch schlafen. Man ist verloren und geborgen zugleich in der unbegrenzten Stille. Wenn eine Fliege summt, ein gedämpfter Pendelschlag tönt, liegt in diesen Geräuschen dieselbe tröstliche, weil überirdische und zeitlose Trauer einer weiten Ebene … Wir halten vor Dörfern, deren Häuser aus Holz sind und aus Lehm, mit Schindeln und mit Stroh gedeckt. Manchmal ruht die breite Kuppel einer Kirche in der Mitte der Hütten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Roths Rückkehr von seiner Reise in die Ukraine und nach Russland ist der überzeugte Sozialist von der Lebenswirklichkeit in der Sowjetunion desillusioniert. Nicht aber von seinen Bürgern: „Ich bin noch in keinem Lande von fremden Menschen so selbstverständlich, so freimütig eingeladen worden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung&nbsp;emigriert Joseph Roth nach Paris.&nbsp;Von persönlichen Schicksalsschlägen und lebenslangem starkem Alkoholkonsum gezeichnet, stirbt er am 27. Mai 1939 im Alter von 45 Jahren in einem Pariser Armenhospital.</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: Joseph Roth, „Reisen in die Ukraine und nach Russland“. Herausgegeben von Jan Bürger </strong><br>Auf seinen Expeditionen nach Kiew, Moskau und Odessa, nach Lemberg, Baku oder Astrachan taucht der Schriftsteller und Journalist Joseph Roth in den vielgestaltigen Kosmos des östlichen Europas ein. Seine Berichte und Essays aus den1920er Jahren sind bewegende Zeugnisse von großer Aktualität. (136 Seiten, 14,95 €. Verlag C.H. Beck, München 2015/2022)</pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://amzn.to/3JY7MHe" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="387" height="605" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga7.jpg" alt="Buchcover Reisen in die Ukraine" class="wp-image-2819" style="width:245px;height:auto" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga7.jpg 387w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2024/05/Wolga7-192x300.jpg 192w" sizes="auto, (max-width: 387px) 100vw, 387px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige</figcaption></figure>
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		<title>Kronprinz Rudolfs Reise in den Orient</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Dec 2023 11:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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		<category><![CDATA[Alfred Brehm]]></category>
		<category><![CDATA[Kronprinz Rudolf]]></category>
		<category><![CDATA[Orientreise 1881]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie bei seiner Mutter, der österreichischen Kaiserin Elisabeth („Sisi“), kannte auch Kronprinz Rudolfs Reiselust buchstäblich keine Grenzen. Doch anders als bei der unsteten, ruhelosen Sisi, war es nicht die Flucht vor den Zwängen des Wiener Hofs, die ihn in die Ferne zog, sondern Wissensdurst und Neugier. Nach einer freudlosen, ja grausamen Kindheit ohne die Fürsorge [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Wie bei seiner Mutter, der österreichischen Kaiserin Elisabeth („Sisi“), kannte auch Kronprinz Rudolfs Reiselust buchstäblich keine Grenzen. Doch anders als bei der unsteten, ruhelosen Sisi, war es nicht die Flucht vor den Zwängen des Wiener Hofs, die ihn in die Ferne zog, sondern Wissensdurst und Neugier. Nach einer freudlosen, ja grausamen Kindheit ohne die Fürsorge seiner Mutter genoss er eine wissenschaftlich orientierte Ausbildung, die in ihm ein großes Interesse für die Pflanzen- und Tierwelt weckte, insbesondere für die Ornithologie. Der Tierforscher und Bestseller-Autor („Brehms Tierleben“) Alfred Brehm wurde zu seinem Mentor.<strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinen jungen Jahren hatte er nur wenig offizielle Aufgaben am Hof, und so reifte in ihm der Wunsch in den Orient reisen. Es traf sich gut, dass das Habsburger Reich aus geopolitischen und wirtschaftlichen Gründen im Nahen Osten stärker Flagge zeigen wollte. So stimmte Kaiser Franz Joseph den Plänen seines Sohns zu und bewilligte so üppige „Reisespesen“, dass Rudolf bestens ausgerüstet und mit einer großen Entourage im Herbst 1881 zu seiner Orientreise aufbrechen konnte. Von Triest fuhr er nach Alexandria und Kairo, dann ging es mit dem Dampfer nilaufwärts bis Assuan und danach nach Palästina zum Besuch der heiligen Stätten der Christenheit.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz2-e1702415924853.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="708" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz2-1024x708.jpg" alt="Gemälde altes Palästina" class="wp-image-2652" style="width:566px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Ankunft in Palästina (Jaffa)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die dreimonatige Studien-, Jagd- und Pilgerreise des Kronprinzen endete im Mai 1882 wieder im Hafen von Triest. Viel Zeit für Muße bot das dichtgedrängte Programm, das er absolvierte, nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kronprinz Rudolf führte während der Reise ein Tagebuch, das er nach seiner Rückkehr in Form eines Reiseberichts veröffentlichte. Einige Bilder und hier gekürzt wiedergegebene Auszüge vermitteln einen Eindruck, wie die Orientreise verlief. (Quelle: „Eine Orientreise vom Jahre 1881“, beschrieben vom Kronprinzen Rudolf von Österreich, illustriert mit Holzschnitten nach Original-Zeichnungen von Franz von Pausinger, Kaiserlich-Königliche Hof- und Staatsdruckerei Wien, 1885.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Reiseimpressionen aus Ägypten</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Die Pyramiden von Gizeh beschreiben, hieße eine unzählige Mal schon verfasste Schilderung nachplappern. Sie gehören in den Bereich der Reisehandbücher, der abgetretensten Touristenwege. Die Pyramiden machten auf mich, besonders wenn Menschen und Tiere auf denselben kletterten, den Eindruck eines künstlichen Hochgebirges und keineswegs jenen eines architektonischen Baudenkmales.“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz3-scaled-e1702415969302.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="785" height="1024" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz3-785x1024.jpg" alt="Gemälde Schakaljagd" class="wp-image-2653" style="width:499px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Schakaljagd auf den Pyramiden</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„An dem Landungsplatze von Girge, unter hohem staubigen Ufer legten wir an, um da die Nacht zu verbringen. Nach dem Speisen leistete die Reisegesellschaft einer Einladung eines reichen Kopten Folge. Nach einer engen, steilen Stiege waren die halb europäisch, halb morgenländisch eingerichteten Zimmer erreicht. Kaum dass wir uns alle niedergesetzt hatten und zu rauchen begannen, als auch schon die Musikbande eintrat. Als die ersten Akkorde erklangen, erschienen auch schon Tänzerinnen in ihren langen, knapp anliegenden, bunten Gewändern mit hoher Taille, den Münzenschmuck um den Hals, das Gesicht natürlich nicht verschleiert. Unter Drehungen, Verbeugungen und eben nicht ungraziösen Bewegungen beginnt der Tanz, dessen ganzen Verlauf zu schildern mir die Schicklichkeit verbietet; es ist eine Orgie, die sich meiner Ansicht nach aus dem an derlei krankhaften Entartungen der Phantasie reichen Altertum erhalten hat. Nach kurzem Aufenthalt kehrten wir abermals durch die Stadt nach unserem Schiffe zurück, um die wohlverdiente Ruhe aufzusuchen.“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz4-e1702416096903.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="906" height="1024" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz4-906x1024.jpg" alt="Gemälde Tänzerin" class="wp-image-2654" style="width:488px;height:auto"/></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Am 2. März wurde mit Tagesanbruch die Reise fortgesetzt. Die Vormittagsstunden verlebten wir am Verdeck, die schönen, doch wenig Abwechslung bietenden Landschaften betrachtend. Grüne Felder, Dum- und Dattelpalmenhaine, einzelne kleine Städte und die das Niltal einsäumenden Hochgebirge glitten im ununterbrochenen Einerlei an uns vorüber.“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz5-e1702416226831.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="873" height="1024" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz5-873x1024.jpg" alt="Gemälde altes Palästina" class="wp-image-2655" style="width:485px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Fellach-Dorf mit Taubenhäusern bei Abydus</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Schon von weitem wurden die hochragenden Tore, Säulen und Mauern der berühmten Ruinen von Karnak sichtbar, die sich inmitten des Kulturlandes neben einem üppigen Palmenwald erheben.&nbsp;<a></a>Nachdem wir die weiten Räume, den Wald von Ruinen und Säulen sowie die Schutthaufen der großen Tempelanlagen durchstöbert hatten, kehrten wir alle auf demselben Wege nach Luxor zurück. Während wir noch am Platze die Denkmäler betrachteten, strömten aus den Gassen die gewinnsüchtigen Araber mit Ausgrabungen, meist kleinen, gefälschten Antiquitäten, auf uns zu, ihre Waren in der lästigsten Weise aufdrängend. Auf die energischste Weise musste man sich der zudringlichen, kreischenden und lebhaft gestikulierenden Menschenmenge erwehren.“</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz6-scaled-e1702416338466.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="860" height="1024" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz6-860x1024.jpg" alt="Gemälde altes Palästina" class="wp-image-2656" style="width:508px;height:auto"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Tempel von Karnak</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die letzten Reisen des Kronprinzen . . .</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück in Wien gilt seine Sorge der Zukunft des Habsburger Kaiserreichs. Er tritt für mehr Selbstständigkeit der unter der österreichisch-ungarischen Krone vereinten Nationen ein, vermeidet aber in dieser Frage den Konflikt mit seinem erzkonservativen Vater Kaiser Franz Joseph. Mit seiner Ehefrau Stefanie von Belgien unternimmt der liberale Freigeist 1884 „in friedlicher Mission“ noch eine größere Reise nach Belgrad, Konstantinopel, Bulgarien und Rumänien.&nbsp; Für Stefanie wird diese „prachtvolle Reise mit den schönsten Erinnerungen meines Lebens“ verbunden sein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">. . . und sein tragisches Ende</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 30. Januar 1889 tritt der 31jährige Thronfolger seine finale Reise an. Im Jagdschloss Mayerling in Niederösterreich erschießt der an einer Depression leidende Rudolf erst seine junge Geliebte Mary Vetsera und dann sich selbst.&nbsp; Sein Tod gilt als Symbol für den Niedergang der Habsburger Doppelmonarchie. Neuer Thronfolger wird sein Cousin Erbprinz Franz Ferdinand.</p>



<pre class="wp-block-verse"><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: Kronprinz Rudolfs Reisebericht<br>Im <em>Projekt Gutenberg-DE</em> ist unter dem Titel „Zu Tempeln und Pyramiden“ der hochinteressante Bericht Rudolfs über seine Orientreise als Volltext-Datei abrufbar.<br><a href="http://www.projekt-gutenberg.org/rudolfvh/zutempel/zutempel.html" target="_blank" rel="noopener">www.projekt-gutenberg.org/rudolfvh/zutempel/zutempel.html</a></pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz7-e1702416613653.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="639" height="359" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/12/Kronprinz7-e1702416613653.jpg" alt="Gemälde Pyramiden" class="wp-image-2658" style="width:545px;height:auto"/></a></figure>
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		<title>Im Luftschiff Graf Zeppelin um die Welt. Ein Bordtagebuch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Mar 2023 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Luftschiff Graf Zeppelin]]></category>
		<category><![CDATA[Luftschiff Hindenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Weltfahrt 1929]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Herbst 1929 errang die Graf Zeppelin unter ihrem Kommandanten Hugo Eckener mit der Fahrt um die nördliche Welthalbkugel zwei bis heute ungebrochene Weltrekorde: die längste zurückgelegte Fahrtstrecke (11.247 km) und die längste Fahrtdauer (102 Stunden) eines Luftschiffs im Nonstop-Verkehr. Die Gesamtstrecke betrug über 34.000 km, die die Graf Zeppelin in 21 Tagen (inklusive der [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Herbst 1929 errang die <em>Graf Zeppelin</em> unter ihrem Kommandanten Hugo Eckener mit der Fahrt um die nördliche Welthalbkugel zwei bis heute ungebrochene Weltrekorde: die längste zurückgelegte Fahrtstrecke (11.247 km) und die längste Fahrtdauer (102 Stunden) eines Luftschiffs im Nonstop-Verkehr. Die Gesamtstrecke betrug über 34.000 km, die die <em>Graf Zeppelin</em> in 21 Tagen (inklusive der Zwischenstopps) bewältigte. Wie verlief die Reise? Im privaten Bordtagebuch eines Passagiers könnten die folgenden Eintragungen zu lesen sein:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;1: Eine Stunde nach unserem Start in Friedrichshafen am Bodensee tauchte unter uns Ulm auf; die Spitze des mächtigen Münsters war zum Greifen nah. Über dem Messegelände am Berliner Funkturm drehten wir eine Schleife. Die Teilnehmer des dort tagenden Weltreklamekongresses wünschten unserer Weltfahrt per Funkbotschaft gutes Gelingen. Jetzt nehmen wir Kurs auf Danzig, Königsberg und Moskau. Die ganze Welt verfolgt unsere Pionierfahrt mit Spannung und Begeisterung.</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt2-e1676496965374.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt2-e1676496965374.jpg" alt="Weltkarte mit Streckenverlauf" class="wp-image-2142" width="367" height="291" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt2-e1676496965374.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt2-e1676496965374-300x238.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 367px) 100vw, 367px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Streckenkarte der Weltrundfahrt 1929 der Graf Zeppelin</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;2: Die Nacht war bitterkalt. Da ich nicht schlafen konnte, ging ich in den Salon und blickte in die schwarze Nacht. Ich fühlte mich wie im Weltall – unzählige Sterne funkelten wie Diamanten direkt vor meinen Augen. Das Uralgebirge war am Morgen erreicht, eine riesige hügelige Waldlandschaft. Breite Feuerherde zwangen uns, zeitweise durch grau-roten Rauch zu fahren. Ein wahres Inferno. Dann blickten wir auf die sibirische Wildnis, die Taiga. Eine gespenstische Landschaft. Nur Sümpfe, Baumgruppen und mäandernde Flüsse. Jetzt gleiten wir über einen in allen Farben leuchtenden Blumenteppich. Der zum Dinner gereichte Mosel ist vorzüglich.</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt3-e1676498257178.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="261" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt3-e1676498257178.jpg" alt="Luftbild von Wald und Seen" class="wp-image-2143" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt3-e1676498257178.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt3-e1676498257178-300x122.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Waldlandschaft</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;3: In der Nacht blieb der Himmel bis in den Morgen hell. Wir haben den Bereich der Mitternachtssonne verlassen und nähern uns dem mittelsibirischen Hochland. Als das Schiff sich am Nachmittag durch die Schluchten des zweitausend Meter hohen Stanowoigebirges schlängelte, stockte uns der Atem. Man meinte, die Felswände berühren zu können</em>.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt4-e1676498409949.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="268" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt4-e1676498409949.jpg" alt="Foto von einer Gebirgslandschaft" class="wp-image-2144" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt4-e1676498409949.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt4-e1676498409949-300x126.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Im Gebirge</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;4: Wir haben Gegenden überquert, die noch kein Geologe betreten hat – schroff, kahl und menschenleer. Seit einer Stunde fahren wir nun in einen atemberaubend prachtvollen Sonnenuntergang, der die Erde unter uns mit goldenem Licht überflutet. Im Süden ist knapp über dem Horizont wie eine große gelbe Kugel schon der Vollmond zu sehen. Am Abend überrascht uns die Bordküche wieder mit einem exzellenten Menü: Chinakohl mit Bergkäse, in Birnenessig eingelegte Kräutersaitlinge, Landhuhn mit Schmorgurkenpüree (Hauptgang) und als Dessert Omelette surprise. &nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;5: Wir haben die Insel Hokkaido erreicht. Dreihundert Meter unter uns sahen wir einen Leuchtturm, weiße Sandstrände und kleine Fischerhütten. Die Bauern in den grünen Reisfeldern blickten wie erstarrt auf das Ungetüm am Himmel.</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt5-e1676498504301.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="306" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt5-e1676498504301.jpg" alt="Foto von Reisterrassen" class="wp-image-2145" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt5-e1676498504301.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt5-e1676498504301-300x143.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Reisterrassen</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Am schneebedeckten Fujiyama vorbei ging es über Tokio zum Landeplatz in Yokohama. Unsere Landung wurde von Tausenden von Zuschauern in bunten Kimonos bejubelt. Nach einer Rundfahrt durch Tokio stiegen wir im Imperial Hotel ab. Heute Abend gibt die japanische Regierung uns zu Ehren ein Gala-Dinner. Nach den fünf Tagen an Bord freue ich mich auf eine heiße Dusche. In Tokio werden wir vier Tage bleiben</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt6-e1676498576966.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="318" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt6-e1676498576966.jpg" alt="Foto vom Fujiyama" class="wp-image-2146" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt6-e1676498576966.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt6-e1676498576966-300x149.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Fujiyama</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;9: Wir sind über dem Pazifik und blicken auf die endlose Wasserfläche. Kein Schiff ist zu sehen. Höhepunkt war ein Wal, der einsam die Wellenkämme durchpflügte. Obwohl wir einige Gewitterböen durchqueren mussten, blieb der Zeppelin nur leicht schaukelnd auf Kurs. Das Überfliegen der Datumsgrenze hat uns einen Kalendertag geschenkt.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;10: Ich habe Freundschaft mit Lady Drummond Hay geschlossen, der einzigen Frau an Bord. Lady Hay ist Journalistin, die für die Hearst-Presse schreibt. Eine patente, immer gut gelaunte junge Dame. Meine Einladung nach Berlin hat sie angenommen. Ich werde sie dort in die „Dreigroschenoper“ begleiten. Das neueste Werk des jungen Dramatikers Bertolt Brecht ist jeden Abend ausverkauft.</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt7-e1676499054409.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt7-1024x640.jpg" alt="Frau am Fenster" class="wp-image-2147" width="625" height="390"/></a><figcaption class="wp-element-caption">Lady Hay an Bord der Graf Zeppelin (1929). Lady Drummond-Hay (geb. 1895) arbeitete später als Kriegsreporterin. Im zweiten Weltkrieg wurde sie von den Japanern in Manila interniert und 1945 schwerkrank entlassen. Sie starb 1946 in New York.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;11: Salutschüsse und Schiffssirenen begrüßten uns, als der Zeppelin über San Francisco einschwebte; der Lärm war ohrenbetäubend. Jetzt, in der Abendsonne, schimmert die Bucht von San Francisco in goldroten Farben. Ein fantastisches Panorama. In der Nacht grüßt Los Angeles mit unzähligen Lichtern zu uns hinauf. In der Früh werden wir in der Nähe landen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 12: Fast hätte die Reise um die Welt beim Landemanöver in Los Angeles in einer Katastrophe geendet: Wegen der hohen Außentemperatur am frühen Morgen musste der Zeppelin, um zu landen Gas ablassen. Da tauchte plötzlich eine Starkstromleitung auf. Erst im letzten Moment konnte der Steuermann das Schiff steil nach oben reißen; die Gondel schrammte nur wenige Meter an der Leitung vorbei, bevor sie auf dem Boden aufsetzte. Alle bekamen einen gehörigen Schreck!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag 13: Bei einem Bankett in Hollywood begegnete ich Ernst Lubitsch und Charly Chaplin. In unseren Gläsern war nur Wasser; in den USA herrscht Prohibition. (Den Whiskey hielten die Kalifornier in der Hosentasche versteckt.) Am Nachmittag hieß es wieder ‚Leinen los, Ship up’. Per Funktelegramm erreichte uns die Nachricht, dass Max Schmeling nach fünf Siegen in Folge in den USA im nächsten Jahr im New Yorker Yankee-Stadion gegen Jack Sharkey um den Weltmeistertitel boxen werde. Jubel bei den deutschen Passagieren.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;14: Über Arizona und New Mexiko fuhren wir nach El Paso. Im Norden sahen wir den gewaltigen Colorado River. Kommandant Eckener will den Zeppelin auf über tausend Meter steigen lassen, so dass wir in der Ferne den rot leuchtenden Grand Canyon sehen könnten. Danach würde es über Wüstengebiete, endlose Weizenfelder und die Prärie über den Missouri in Richtung Ostküste weitergehen.</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt8-e1676499175533.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="197" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt8-e1676499175533.jpg" alt="Wüstenlandschaft" class="wp-image-2148" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt8-e1676499175533.jpg 640w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt8-e1676499175533-300x92.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Grand Canyon</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;15: Chicago präsentierte sich uns mit seinen Plätzen, den breiten Boulevards und seinen Uferpromenaden am Michigansee. Überall wimmelte es von Menschen, die den Zeppelin wie eine Himmelserscheinung bestaunten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;16: Am frühen Morgen überflogen wir die Wolkenkratzer von Manhattan. Ein Bild, das mich an Fritz Langs futuristischen Film „Metropolis“ erinnerte. Zwei Stunden später musste ich Lady Hay goodbye sagen. Sie und die meisten Amerikaner haben in Lakehurst das Schiff verlassen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;17: In zwei Tagen geht es mit neuen Gästen zurück nach Old Europe. Die Amerikaner sind ziemlich aufgeregt über widersprüchliche Börsenmeldungen. An der Wall Street sollen die Aktienkurse verrückt spielen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Tag&nbsp;21: Wir haben die Azoren überquert und Spanien, Frankreich, die Alpen und den Bodensee überflogen. In Friedrichshafen wartet auf uns bereits die Presse.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Aus: Horst Kleinert „Traumreisen mit dem Luftschiff“, Lüneburg 2017</em></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt9.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="621" height="414" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt9.jpg" alt="Luftschiff über Menschenmasse" class="wp-image-2149" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt9.jpg 621w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Welt9-300x200.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 621px) 100vw, 621px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Mehrere Zehntausend begeisterte Menschen beobachteten am 4. September 1929 In Friedrichshafen die Landung des Luftschiffs Graf Zeppelin</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Erfolgsstory der <em>Graf Zeppelin</em> ging weiter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1931 nahm das Schiff&nbsp;den regulären Flugbetrieb nach Recife und Rio de Janeiro auf. Die Zeitersparnis war beträchtlich: Ozeandampfer brauchten von Europa nach Südamerika mehr als zwei Wochen, die <em>Graf Zeppelin</em> nur drei bis vier Tage. Insgesamt überquerte das Luftschiff&nbsp;von 1928 bis 1937 140-mal den Atlantik nach bzw. von Nord- und Südamerika – ohne nennenswerte Probleme, immer vollbesetzt und zur Zufriedenheit der Passagiere. Nach dem Absturz <em>der Hindenburg</em> am 6. Mai 1937 wurde die <em>Graf Zeppelin</em> außer Betrieb genommen. In einer Halle auf dem Frankfurter Flughafen hatte die Bevölkerung noch lange danach Gelegenheit, das Schiff gegen Entgelt zu besichtigen. Der Andrang war riesengroß.</p>



<pre class="wp-block-verse"><strong><em>Reisen damals</em>-Lesetipp: „Traumreisen mit dem Luftschiff. Aufstieg, Fall und Rückkehr der Zeppeline“</strong>
Der Autor Horst Kleinert beschreibt die Anfänge der zivilen Luftschifffahrt und ihre große Zeit bis zu ihrem jähen Ende am 6. Mai 1937. Dabei steht nicht die Technologie im Vordergrund, sondern das Reiseerlebnis für die Passagiere. Außerdem widmet sich das Buch der Frage, ob ein Neuanfang der touristischen Luftfahrt mit innovativen Großraum-Zeppelinen denkbar ist. Thurm-Verlag, Lüneburg (2017), 164 Seiten, € 14,90.
<a href="https://thurm-verlag.de/traumreisen-mit-dem-luftschiff/" target="_blank" rel="noopener">www.thurm-verlag.de</a></pre>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://amzn.to/3YRIobl" target="_blank" rel="noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="307" height="417" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Traumreise.jpg" alt="Cover des Buches Traumreisen mit dem Luftschiff" class="wp-image-2140" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Traumreise.jpg 307w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2023/02/Traumreise-221x300.jpg 221w" sizes="auto, (max-width: 307px) 100vw, 307px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Anzeige</figcaption></figure>
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		<title>Mit Postkutsche und Eisenbahn nach Venedig – anno 1864</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Horst Kleinert]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 31 Dec 2022 11:03:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Verkehrsmittel Land]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Reiseziele]]></category>
		<category><![CDATA[Caffè Lavena]]></category>
		<category><![CDATA[Ernestine Senfft von Pilsach]]></category>
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					<description><![CDATA[Aus den Erinnerungen von Ernestine Senfft von Pilsach. Am 29. August 1864 fuhren die junge Ernestine, Tochter eines Gutsbesitzers, ihre drei Schwestern und ihre Eltern vom heimatlichen Sandow in Brandenburg in zwei Postkutschen nach Frankfurt an der Oder. Von Frankfurt aus ging es mit Eisenbahn, Pferdeomnibus, Dampfschiff und Kalesche über Dresden, Prag, München und über [&#8230;]]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Aus den Erinnerungen von Ernestine Senfft von Pilsach.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am 29. August 1864 fuhren die junge Ernestine, Tochter eines Gutsbesitzers, ihre drei Schwestern und ihre Eltern vom heimatlichen Sandow in Brandenburg in zwei Postkutschen nach Frankfurt an der Oder. Von Frankfurt aus ging es mit Eisenbahn, Pferdeomnibus, Dampfschiff und Kalesche über Dresden, Prag, München und über den Brennerpass nach Bozen und Mailand. (Ernestine beobachtete dabei von der Kutsche aus den Bau der Brenner-Eisenbahn, die 1867 fertiggestellt wurde.)</p>



<span id="more-162"></span>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Diligence_du_Grand_Bureau_ou_Messageries_Royales.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="378" height="263" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Diligence_du_Grand_Bureau_ou_Messageries_Royales.jpg" alt="Kutscher auf Pferdeomnibus im Gespräch mit Passagier" class="wp-image-157" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Diligence_du_Grand_Bureau_ou_Messageries_Royales.jpg 378w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Diligence_du_Grand_Bureau_ou_Messageries_Royales-300x209.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Pferdeomnibus</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">In Mailand verbrachten sie vier Tage. Am Abend des 1. Oktobers erreichten sie Venedig. Sie verließen die Stadt am 4. Oktober und waren nach der Rückreise über Triest, Wien und Breslau am 10. Oktober wieder in Sandow. Ernestine hat auf der Reise ein Tagebuch geführt, aus dem der folgende Auszug stammt:</p>



<h2 class="wp-block-heading">Venedig, 1. bis 4. Oktober 1864</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Sonnabend, den 1. Oktober, verließen wir Mailand. Um sechs Uhr am Abend kamen wir in Venedig an. Wir wurden auf dem Bahnhof von einer Gondel empfangen, die uns zum Hotel Bellevue fuhr. Es war eine schöne Fahrt, wir hörten nur Glockentöne und das Plätschern der Ruder, ansonsten herrschte tiefe Stille. Es war mir ein unbegreiflicher Traum, dass ich mich in Venedig befand. Unser Gasthaus befand sich an der Ecke des Markusplatzes, den ich mir ganz anders vorgestellt hatte. Er war sehr hell erleuchtet schon durch alle Läden, die durch ihren Glanz und Pracht viele Zuschauer an die Schaufenster lockten. Wir setzten uns, wie es hier Sitte ist, vor eine Konditorei, genossen Eis und betrachteten dabei alles in größter Ruhe. Es war ein herrlicher Abend, den ich nie vergessen werde. Wir gingen erst spät zu Bett.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Sonntag benutzten wir hauptsächlich für Gondelfahrten, bei denen man Venedig am besten kennenlernt. Wir bewegten uns lange Zeit auf dem Canale Grande und ließen uns bei jedem Palast, der uns gefiel, von dessen Geschichte und seinem Besitzer erzählen. Wir hatten sehr lebhafte Schiffer, die nicht aufhörten, uns fleißig in ihrer Sprache zu unterhalten, wovon wir leider nur wenig verstanden. Den Nachmittag und Abend verbrachten wir auf dem Markusplatz bei recht hübscher italienischer Musik, bei der es ganz frei zugeht. Während dem kamen Männer und Kinder an unsere Plätze und boten uns ihre Waren feil, venezianische Muschelarbeiten, Süßigkeiten, Streichholzbüchsen usw. Es liegt im Charakter der Italiener, dass sie sehr mit sich handeln lassen, immer zuerst höhere Preise verlangen und schließlich durch große Gutmütigkeit und Gewinnsucht ihre Waren wohl unter Wert verkaufen.“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Canale-Grande.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="882" height="623" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Canale-Grande.jpg" alt="Blich auf den Canale Grande" class="wp-image-158" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Canale-Grande.jpg 882w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Canale-Grande-300x212.jpg 300w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Canale-Grande-768x542.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 882px) 100vw, 882px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Canale Grande</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Montag, den 3. Oktober, benutzten wir hauptsächlich, um uns über die Kunstschätze Venedigs zu unterrichten, was ein geschwätziger Führer übernahm. Wir besuchten zuerst San Marco, eine Basilika byzantinischen Stils, begonnen im 10. Jahrhundert. Die Kathedrale trägt so recht das Gepräge des Altertums und gewährt dadurch einen seltenen Genuss. Wir gingen nun zum Dogenpalast, dessen Prachtbau im maurisch-gotischen Stil aus dem 14. Jahrhundert stammt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Räume dieses Palastes sind großartig in ihrer Höhe und Größe. Ein Saal mit Skulpturen wurde uns dann gezeigt, von dessen Inhalt wir wenig verstanden, dagegen interessierten uns die Räume, in denen die Dogen ihre Sitzungen und Beratungen abhielten, sehr. Wir sahen hinauf zu den Bleidächern, zu denen eine Hühnerstiege führt, und besuchten noch die übrigen Gefängnisse des Gebäudes mit ihren steinernen Nachtlagern, worauf nur ein Strohsack gelegt wurde. Wir mussten bei diesen Gemächern viel an die Gefangenen denken, auch bei der Seufzerbrücke, die wir sahen, unter der viele ihren Tod fanden.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Rialtobruecke.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Rialtobruecke-1024x683.jpg" alt="Sicht auf die Rialtobrücke vom Canale Grande" class="wp-image-159" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Rialtobruecke-1024x683.jpg 1024w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Rialtobruecke-300x200.jpg 300w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Rialtobruecke-768x512.jpg 768w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Rialtobruecke-840x560.jpg 840w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Rialtobruecke-1200x800.jpg 1200w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Rialtobruecke.jpg 1230w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Rialtobrücke</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Um einen recht schönen Blick auf das Meer und Venedig zu haben bestiegen wir die Glockentürme von San Marco. Es war ein imposanter Genuss, der durch das heute sehr unruhige Meer noch erhöht war. Sehr merkwürdig sahen die schwarzen Gondeln aus, die eingeführt worden sind, weil die Venezianerinnen so großen Luxus mit diesen Fahrzeugen trieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde uns von den vielen Glasbläsereien erzählt, die hier existierten, weshalb wir wünschten, eine zu sehen. Weil ein katholischer Feiertag war, war das Gedränge in den schmutzigen Gassen sehr groß, man merkte hier nichts von der gewesenen und noch herrschenden Pracht Venedigs. So sehr mich diese Stadt interessiert hat, kann ich doch einen tief melancholischen Eindruck nicht wegwischen, den ich von diesem Wohnsitz so vieler gewesener hoher Häupter erhalten habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dienstag, der 4. Oktober war leider der letzte Tag, den wir hier verlebten. Der Abschied von Venedig wurde mir sehr schwer. Wir fuhren von hier aus in der Nacht mit der Eisenbahn nach Triest.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/San-Giorgo-Maggiore.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/San-Giorgo-Maggiore-1024x683.jpg" alt="Blick auf San Giorgo Maggiore" class="wp-image-160" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/San-Giorgo-Maggiore-1024x683.jpg 1024w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/San-Giorgo-Maggiore-300x200.jpg 300w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/San-Giorgo-Maggiore-768x512.jpg 768w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/San-Giorgo-Maggiore-840x560.jpg 840w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/San-Giorgo-Maggiore-1200x800.jpg 1200w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/San-Giorgo-Maggiore.jpg 1230w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">San Giorgo Maggiore </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Immer mit dabei: der Baedeker</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Vergnügungsreisen“ wie die von Ernestine und ihrer Familie bedeuteten nicht, möglichst schnell und bequem an ein Ziel zu kommen. Im Gegenteil, man ließ sich für Besichtigungen und Ausflüge viel Zeit. So verzichtete die Familie auf dem Weg nach Venedig nicht darauf, touristische Highlights wie Salzburg, Bad Ischl, Meran, den Lago Maggiore, Lugano, den Comer und den Gardasee zu besuchen. Wertvolle Dienste leistete ihnen dabei der Baedeker Oberitalien. (Bereits 1855 wurde vom Verlag Karl Baedeker der erste Reiseführer über diese Region unter dem Titel Südbayern, Tirol, Salzburg, und Oberitalien herausgegeben.)</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Wilhelm_von_Diez_Postkutschenreise.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="450" height="354" src="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Wilhelm_von_Diez_Postkutschenreise.jpg" alt="Gemälde von Wilhelm von Diez mit fahrender Postkutsche" class="wp-image-161" srcset="https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Wilhelm_von_Diez_Postkutschenreise.jpg 450w, https://reisen-damals.de/wp-content/uploads/2022/08/Wilhelm_von_Diez_Postkutschenreise-300x236.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Postkutschenreise. Gemälde von Wilhelm von Diez (1864)

</figcaption></figure>



<pre class="wp-block-verse"><strong>‚Reisen damals‘- Tipp: das <a href="https://www.caffelavena.it/en/" target="_blank" rel="noopener">Caffè Lavena</a> (wenn’s unbedingt ein Kaffeehaus auf dem Markusplatz sein muss)</strong>
Venedig-Tipps sind im Grunde überflüssig, denn mit jedem Schritt stoßen Sie auf historische Reminiszenzen. Eines der traditionsreichsten und bekannteste Cafés der Welt ist das Caffè Florian – und entsprechend hoch sind die Preise. Von Goethe bis Clooney reicht die Liste der prominenten Besucher. (Venedig-Fan Ernest Hemingway weilte vermutlich selten dort. Sein Lieblingsort war Harry’s Bar, westlich vom Markusplatz in der Cala Vallaresso). Das Ambiente des Florian erinnert an seine fast dreihundertjährige Geschichte. Wenn Sie Ihren Cappuccino preiswerter genießen wollen, gehen Sie Ins weniger berühmte, aber nicht minder eindrucksvolle Caffè Lavena schräg gegenüber.</pre>
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