Altes Emblem mit Kompass, E, C, und rot-weiß-blauem Hintergrund.

„The Explorers Club”: Heimat der Abenteurer und Entdecker

Das ist wohl immer noch der Traum ambitionierter Entdecker und Erforscher: zum exklusiven Kreis der Männer und Frauen zu gehören, die sich durch Exkursionen zu Lande, zu Wasser und in der Luft, in die Tiefsee und ins Weltall unsterblichen Ruhm erworben haben. Und das ist nicht übertrieben, wenn man an ihre Leistungen denkt. Sie haben den Nordpol und den Südpol entdeckt, den Mount Everest bestiegen, sind zum tiefsten Punkt der Weltmeere hinabgetaucht und waren als Erste auf dem Mond. Doch es ist nicht ganz einfach, Mitglied zu werden. Für den Anwärter müssen mindestens zwei Clubmitglieder bürgen und bezeugen, dass er sein Leben der Forschung verschrieben hat. Weltenbummler mit lediglich wissenschaftlichem Interesse haben da keine Chance. (Seit 1981 erlaubt das Clubstatut auch den Beitritt von Frauen in die ehemalige Herrenrunde.)

Rund 3.000 Pioniere aus über sechzig Ländern haben es seit der Gründung des Explorers Clubs 1904 in New York geschafft, Mitglied zu werden. Darunter Archäologen, Ozeanographen, Ethnologen oder zum Beispiel Paläontologen, viele auch ohne akademischen Grad, aber mit großer Leidenschaft für die wissenschaftliche „Feldforschung“. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Welt noch in weiten Teilen „Terra incognita“; Reisen zu den weißen Flecken auf dem Globus waren strapaziös und gefährlich. Zu den „EC 50“, den fünfzig Menschen, die die Welt verändert haben, zählen aus dieser Zeit unter anderem der Luftfahrtpionier Charles Lindbergh für seinen Alleinflug über den Atlantik (1928), der Leiter der legendären Kon-Tiki-Expedition Thor Heyerdahl (1947) und die Zoologin Dian Fossey, die ihren Einsatz für den Schutz der Berggorillas 1985 in Ruanda mit dem Leben bezahlen musste.

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Besonderen Ruhm haben sich im letzten Jahrhundert fünf Clubmitglieder erworben, die jeweils als Erste unbekanntes Terrain erkundet haben. Fünf Helden, die im kollektiven Gedächtnis der Menschheit wohl für immer verankert sein werden.

Robert Peary (1909)

Am 1. April 1909 erreichte Robert Peary (1856 – 1920) zusammen mit Matthew Henson, ihrem Inuit-Führer Ootah und den Inuits Ooqueah, Seegloo und Egigingwah den Nordpol – oder zumindest die Nähe des Nordpols. (Peary gehörte wie andere amerikanische Clubmitglieder auch der „National Geographic Society“ an.)

Kinder mit Flaggen auf Schneehügel in einer alten Schwarz-Weiß-Aufnahme.
Robert Peary mit seinen Gefährten am vermuteten Nordpol

Roald Amundsen (1911)

Roald Amundsen (1872 – 1928) und seine Gruppe kamen am 14. Dezember 1911 am Südpol an, etwa einen Monat vor seinem Rivalen Robert F. Scott. Um drei Uhr am Nachmittag hissten sie die norwegische Flagge. (Amundsen Leben endete tragisch. 1928 kam er bei einem Rettungsflug für den in der Arktis in Not geratenen italienischen Polarforscher Umberto Nobile ums Leben.)

Vier Forscher stehen im Schnee vor einem Zelt mit Flagge in der Antarktis.
Am Südpol, 14. Dezember 1911

Edmund P. Hillary (1953)

Am Morgen des 29. Mai 1953 standen der Neuseeländer Edmund P. Hillary (1919 – 2008) und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay auf dem Gipfel des Mount Everests, 8884 Meter über dem Meeresspiegel. 25 Jahre danach durchstiegen Reinhold Messner und Peter Habeler als Erste die Todeszone zum Gipfel ohne Sauerstoffflaschen. Messner wurde für seine Exkursionen im Himalaya, durch die Wüste Gobi, durch Grönland und die Antarktis die Ehrenmitgliedschaft im Explorer Club und die Goldmedaille der Royal Geographic Society verliehen.

Zwei Piloten in Fliegerjacken und Schutzbrillen, lachend vor dem Flugzeug.
Edmund Hillary (links) und Tenzing Norgay

Jacques Piccard (1960)

Rund viereinhalb Stunden dauerte am 23. Januar 1960 der Abstieg im Tauchboot „Trieste“ zum tiefsten Punkt der Erde. Dann hatten der Schweizer Ingenieur Jacques Piccard und der US-Leutnant Don Walsh ihr Ziel, 11.000 Meter unter dem Meeresspiegel im pazifischen Marianengraben, erreicht. Dort unten lastete auf der „Trieste“ eine Wassersäule von mehr als 40 Millionen Tonnen Gewicht. Zu sehen gab es auf dem Meeresboden außer einer Wüste aus hellem Schlick und immerhin einem Plattfisch nichts. „Es ging uns nicht darum, dort etwas zu entdecken – es ging darum, dort gewesen zu sein“, sagte Piccard.

Historisches U-Boot im Wasser, das während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt wurde.
Das Tauchboot „Trieste“

Neil Armstrong (1969)

Am 20. Juli 1969 betrat Apollo-11-Kommandant Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Kurz danach folgte ihm Edwin „Buzz“ Aldrin. Michel Collins umkreiste unterdessen im Kommandomodul der „Columbia“ den Mond. Armstrong hätte auf dem Mond gern die Flagge des Explorers Club gehisst, doch dies wurde ihm von der NASA nicht erlaubt. Als es beim Flug von Apollo 13 dafür die Genehmigung gegeben hatte, musste die Landung wegen eines explodierten Sauerstofftanks abgebrochen werden und das Kommandomodul mit den drei Astronauten zur Erde zurückkehren („Houston, wir haben ein Problem“).

Astronauten im Raumanzug vor dem Mond, historische Raumfahrtaufnahme.
Armstrong, Collins und Aldrin (von links)

Die Clubfahne – ein Staffelstab des wissenschaftlichen Fortschritts

Gemäß den Statuten muss bei einer vom Club abgesegneten Expedition („The Explorers Club Flag Expedition“) am erfolgreichen Ende der Unternehmung eine Clubfahne gehisst und wieder zum New Yorker Clubhouse in der 70sten Straße zurückgebracht werden. Nur wenige „Flaggenexpeditionen“ erfüllen pro Jahr die strengen Kriterien, die für die Genehmigung erforderlich sind. Waren es früher meistens spektakuläre Entdeckungsreisen, so sind es heute meist wissenschaftliche Erkundungen. Im Vordergrund steht dabei die Untersuchung spezieller ökologischer oder geologischer Aspekte, die ohne mediale und finanzielle Unterstützung des Explorer Clubs kaum zustande kommen würden. (2022 wurde der deutsche Ethnopharmakologe Fabien Schultz für seine Studien über die Selbstmedikation freilebender Berggorillas in Uganda ausgezeichnet.)

So ganz kann und will sich der Explorers Club von seinem Image, ein Verein abenteuerlustiger Helden in der Tradition der früheren Entdecker zu sein, nicht ganz lösen. Einige Flaggenexpeditionen neueren Datums erinnern eher an Mutproben großer Jungs als an ernsthafte Forschungsarbeit. Sich zum Beispiel aus 30 Kilometer Höhe aus einem Heliumballon todesmutig in die Tiefe zu stürzen, drei Achttausender hintereinander zu besteigen oder mit einem primitiven Schilfboot von New York aus den Atlantik zu überqueren, dürfte wenig wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn bringen. Aber auch solche publicityträchtigen Höchstleistungen gehören mit zur DNA des Explorer Clubs. Die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit ist für den exklusivsten Helden-Club der Welt sicherlich nicht ganz unwichtig.

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