Foto eines Flugbootes

Im China Clipper der Pan American über den Pazifik

Der viermotorige China Clipper (Typbezeichnung Martin M-130) der Pan American Airways leitete eine neue Ära in der Geschichte der Luftfahrt ein. Das Flugboot, bei seinem Erstflug 1935 das größte Passagierflugzeug der Welt, brauchte für den Flug von Kalifornien nach Asien über die Pazifikroute nur sechs Tage. Dampfer waren mehrere Wochen unterwegs. Das Flugboot hatte drei Decks – ein oberes Deck für den Kapitän und die Mannschaft, ein mittleres für maximal 41 Passagiere und ein unteres für die Treibstofftanks. Erforderlich waren Zwischenlandungen auf Hawaii, auf den Pazifikinseln Midway, Wake und Guam sowie in Manila.

Timmys Flug über den Pazifik – eine Erzählung aus dem Jahr 1938

Zeichnung eines Flugbootes

Am 17. Dezember 1938 verabschiedete sich der zwölfjährige Timmy Blake am Flugschiffterminal von San Francisco von seinen Eltern und ging an Bord des China Clippers. Er freute sich darauf, schon bald seinen Onkel und seine Tante, die in Hongkong lebten, wiedersehen zu können. Ein Steward führte Timmy in sein Abteil und half ihm beim Anlegen des Sicherheitsgurts. Nur langsam legte sich Timmys Aufregung. Durch das Fenster sah er noch einmal am Kai seine Eltern ihm zuwinken, dann begann das Flugzeug die Wellen der San Francisco Bay zu durchpflügen und sich in den Himmel zu erheben.

Der folgende (gekürzte) Auszug stammt aus „Timmy rides the China Clipper“ von Carol Nay, die auch das Buch illustrierte (Junior Press Books Albert Whitman, Chicago, 1939). Übersetzung: H. Kleinert.

Zeichnung eines Flugbootes

„Nun, junger Mann, gefällt es dir bei uns an Bord?“ Ein Steward in einer schicken blauen Uniform stand in der Tür zu Timmys Abteil und blickte den Jungen freundlich an.
„Ja, sehr!“, antwortete Timmy begeistert. „Wie hoch fliegen wir jetzt, Sir?“
„Rund 8000 Fuß, und unsere Geschwindigkeit beträgt 150 Meilen die Stunde.“
„Wow!“, rief Timmy, „so schnell?
„Ja, das ist unsere Durchschnittsgeschwindigkeit“, antwortete der Steward schmunzelnd. „Schon morgen früh werden wir in Honolulu landen.“ Er machte eine kleine Pause. „Ich bin Mr. Barton, der Chefsteward. Wenn du irgendeinen Wunsch hast, lass es mich wissen.“
Mr. Barton wollte das Abteil verlassen, drehte sich aber noch einmal um:
„Ich vermute, dass du dir gern unser Schiff ansehen würdest. Es ist schließlich für die nächsten Tage dein Zuhause.“

Zeichnung einer Familie im inneren eines Flugbootes

Begeistert sprang Timmy aus seinem Sessel und folgte Mr. Barton zum hinteren Ende des Flugzeugs. Hier betraten sie das mit hellen Polstersesseln und einem Sofa ausgestattete Deluxe-Abteil des Clippers. An einem Tisch saßen ein bekannter Schauspieler und seine Frau. Beide schienen über den kurzen Besuch des aufgeweckten Jungen erfreut zu sein.
Mr. Barton führte ihn an mehreren Abteilen vorbei, die genau wie das von Timmy eingerichtet waren.

Zeichnung des Vorderteiles eines Flugbootes
Zeichnung hinteres Teil eines Flugbootes

„Es gibt von diesen großen Abteilen fünf und sechs weitere mit Sitzen für nur vier Personen. Außerdem den großen Speisesaal, den du gesehen hat, als du an Bord kamst“, erklärte der Steward. Die Sitze lassen sich für den Nachtflug nach Honolulu zu zweistöckigen Kojen umbauen, so dass alle unserer 41 Passagiere schlafen können.“
„Wenn wir in Honolulu wieder starten, fliegen wir nur noch tagsüber, nicht wahr?“, fragte Timmy.
„Ja“, erwiderte Mr. Barton. „nach dem Stopp in Honolulu fliegen wir nur am Tage, und zwar nach Midway, Wake, Guam und Manila bevor wir schließlich Hongkong erreichen.“

Zeichnung einer Flugroute

Der Steward öffnete eine Tür und betrat mit Timmy eine makellose kleine Küche.
„Dies ist die Kombüse, in der meine Kollegen und ich die Mahlzeiten und Erfrischungen zubereiten. Sie ist perfekt ausgestattet, sogar mit Kühlschrank und Dampfkocher.“
„Das riecht verdammt gut“, sagte Timmy. „Was wird es zum Abendessen geben?“
„Ein komplettes Dinner“, versicherte ihm Mr. Barton, „und für dich jede Menge Eiscreme.“
Timmy staunte, wie klein die Küche war. „Wie wollen Sie hier bloß alles kochen?“, fragte er verblüfft.
„Bei den Zwischenlandungen wird uns das fertige Essen geliefert. Wir brauchen es nur noch mit der Heißluft von einem der Motoren erhitzen und servieren.“
„Und was ist mit dem Frühstück?“, fragte Timmy ungeduldig.
Mr. Barton lachte. „Wenn du es verträgst, kannst du zweimal Frühstück bekommen, Timmy. Einmal hier an Bord und später noch einmal im Royal Hawaiian Hotel in Honolulu.“
Timmy und Mr. Barton gingen nun in den Hauptsalon, der gleichzeitig als Restaurant diente. Dazu wurden zu den Mahlzeiten Tische zwischen die Sessel gestellt. Mr. Barton stellte den anwesenden Fluggästen Timmy als jungen Passagier vor, der ganz allein nach Hongkong reiste.
„Du wirst dich jetzt eine Weile ohne mich amüsieren müssen, Timmy. Ich muss mich um das Abendessen kümmern.“
 Die meisten Passagiere waren mit Lesen beschäftigt oder spielten Karten. Timmy war noch viel zu verwirrt von den Eindrücken, um ruhen zu können. Er stand vom Tisch auf und ging zurück in die Küche, wo Mr. Barton und sein Assistent das Dinner vorbereiteten.
„Was passiert, wenn unsere Motoren ausfallen?“, fragte Timmy und bemühte sich, nicht im Wege zu stehen.
Mr. Barton lächelte. „Es bestünde keine Gefahr, Timmy. Über unsere Funkanlage stehen wir in ständigem Kontakt mit Schiffen. Im Falle eines Falles würden wir einen Dampfer zu unserer Position beordern und sicher auf dem Meer landen.“
„Und wenn uns der Treibstoff ausginge, was dann?“
„Wir haben Treibstoff für 5.000 Meilen an Bord. Die Entfernung nach Hawaii ist weniger als die Hälfte. Selbst wenn unsere Funkanlage ausfiele, würden wir unseren Weg finden. Jeder unserer Offiziere ist ein erfahrener Navigator, der unsere Position auch von den Sternen oder der Sonne bestimmen könnte. Unser Clipper ist schließlich ein fliegendes Schiff.“

Beruhigt kehrte Timmy an seinen Tisch zurück und widmete sich mit großem Appetit seinem Abendessen. Danach nahm er in seinem Abteil den Fensterplatz ein und beobachtete den blassen Wintermond. Er schloss die Augen und lauschte dem leisen Brummen der Motoren.
Ein paar Minuten später kam Mr. Burton und führte ihn zu seiner Koje. Er zog sich hinter einem blauen Vorhang für die Nacht um und schlüpfte unter die warme Decke. In einem schmalen Tagebuch hielt er die Eindrücke seines ersten Reisetags fest. Dann legte er sich zurück auf sein Kopfkissen und schlief im Nu ein …

Aus Timmys Logbuch. Tag 1: Mittwoch, 17. Dezember 1938, an Bord des China Clippers
… Das Clipper Schiff ist das wundervollste Flugzeug, das ich je gesehen habe. Eines Tages will ich auch Pilot sein. Man braucht dafür sechs Jahre …

Tag 2: Donnerstag, 18. Dezember 1938, im Royal Hawaiian Hotel, Oahu, Island, Hawaii
 … Das Wetter war klar und warm. Hier gibt es eine Menge Spinnen. Die Leute mögen sie, weil sie die Insekten vertilgen. Ich habe ein echtes Hawaiihemd für Dad gekauft und ein paar Hula-Puppen. Morgen werden wir auf Midway landen …

Tag 3: Freitag, 19. Dezember 1938, im Pan American Hotel, Midway
… Ich bin hier in der Mitte des Pazifiks. Das, was mir am besten gefiel, war ein Ritt auf einer großen Schildkröte. Heute Abend haben die Bordmechaniker jedes Teil des Clippers kontrolliert. Am nächsten Morgen fliegen wir nach Wake …

Tag 5: Sonntag, 21. Dezember 1938, Pan American Hotel, Wake Island
… Wir haben die Datumsgrenze überflogen und einen ganzen Tag gewonnen. Auf Wake bleiben wir noch einen Tag. Ich freue mich aufs Speerfischen …

Hütten in einem tropischen Land

Tag 6: Montag, 22. Dezember 1938,Pan American Hotel, Wake Island
… Auf Wake gibt es die schönsten tropischen Fische, die ich je gesehen habe. Mr. Barton sagte, ich sei der beste Speerfischer-Schüler, den er hatte. Wir werden um sechs Uhr früh nach Guam starten …

Tag 7: Dienstag, 23. Dezember 1938, Pan American Hotel, Guam
… Am Vormittag überflogen wir ein großes Versorgungsschiff. Ein wunderschöner Viermaster, ein richtiger Clipper wie aus einer vergangenen Zeit. Mr. Barton erzählte mir, dass die Eingeborenen sich vor der Dunkelheit fürchten. Nachts schließen sie alle Fenster und Türen, um die bösen Geister fernzuhalten. Auf Guam gibt es eine Menge Eidechsen. Manche werden über einen Meter lang …

Tag 7: Mittwoch, 24. Dezember 1938, Pan American Hotel, Manila
… In Manila ist es feuchtwarm wie auf Guam. Ich habe ein paar Weihnachtsgeschenke in der Altstadt gekauft und eine lustige Fahrt mit einer Carmatta gemacht. Das ist eine schwarze Kutsche, die mit viel blinkendem Messing verziert ist, und von einem kleinen Pferd durch die Straßen gezogen wird. Alle Filipinos gehen Weihnachten in die Kirche. Statt Mistelzweigen hängen in den Fenstern sternförmige Lampions …

Zeichnung eines Flugbootes

Tag 8: Donnerstag, 25. Dezember 1938, in Hongkong
… Hongkong ist eine wunderbare Stadt, voller Dschunken. Rikschas, große Regierungsgebäude und unzähligen Häusern, die sich die Berge hochziehen. Onkel George und Tante Kate feierten mit mir in einem schönen Hotel Weihnachten. Sie haben ein schönes Haus hoch in den Hügeln. Von der Terrasse aus kann man die Bucht sehen, die voll von Schiffen ist … Es war die wundervollste Reise der Welt, und mein Logbuch ist jetzt zum Ende gekommen.

Das tragische Ende drei großer Flugboote: verschwunden, versunken, zerschellt
Die drei für die Pan Am gebauten Maschinen vom Typ M-130 (China Clipper, Philippine Clipper und Hawaii Clipper) flogen hauptsächlich auf der Pazifikroute von San Francisco nach Manila. Den Flugbooten war das Glück nicht hold: Der Hawaiian Clipper verschwand spurlos am 28. Juli 1938 östlich von Manila. Der Philippine Clipper flog am 21. Januar 1943 etwa 160 km nördlich von San Francisco gegen einen Berg, und der China Clipper sank am 8. Januar 1945 in Port of Spain auf Trinidad sank. Die Ära der großen Flugboote näherte sich damit ihrem Ende. 1946 stellte Pan Am alle Flugboote außer Dienst.

Reisen damals-Lesetipp: „Tommy rides the China Clipper”, von Carol Nay
Wenn Sie mehr über Tommys Flug mit dem China Clipper nach Hongkong erfahren wollen, können Sie sich das Buch (104 Seiten) als PDF-Datei kostenfrei herunterladen:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Timmy_rides_the_China_clipper;_(IA_timmyrideschinac00nayc).pdf Nay, Carol, Public domain, via Wikimedia Commons

2 Kommentare zu „Im China Clipper der Pan American über den Pazifik“

    1. Ja, Abenteuer und Luxus pur – doch nur für Superreiche. Der Flug über den Stillen Ozean kostete wohl so viel wie ein heutiger Mittelklassewagen.

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