Werbeplakat Simplonlinie

Der Golden Mountain Pullman Express: Luxus wie im Orient-Express

In den 1930er-Jahren verkehrte auf einer Zweigstrecke von Montreux nach Interlaken der Golden Mountain Pullman Express, ein Luxuszug mit dem Ambiente des legendären Orient-Express. Schon damals gehörten Fahrten mit der Eisenbahn zu den unvergesslichen touristischen Attraktionen, die die Schweiz zu bieten hat. Und wer heute im Bahnhof von Montreux am Ufer des Genfer Sees in den Goldenpass Belle Époque umsteigt, den erwartet ein nostalgisches Erlebnis: Der Goldenpass Belle Époque ist ein (nicht ganz) authentischer Nachbau des Golden Mountain Pullman Express. Das ist es aber nicht allein.Der Belle Époque schlängelt sich durch eine Bilderbuchlandschaft mit Wiesen, Hügeln und Chalets, die zu den schönsten Bahnstrecken der Schweiz zählt. Zweimal am Tag fährt der Zug vom palmengesäumten Ufer des Genfer Sees in zwei Stunden über Gstaad nach Zweisimmen im Berner Oberland und wieder zurück.

Die Überwindung der Schweizer Bergwelt – eine Mammutaufgabe

Fast alle Schweizer Bahnstrecken führen durch unzählige Viadukte und Tunnel, ohne die das Bergmassiv zwischen West- und Ostalpen unüberwindlich sein würde. Der Bau dieser Linien, wie zum Beispiel der Simplon-Linie, gilt noch heute als Beispiel für herausragende Ingenieurskunst und Bautechnik. Die 233 Kilometer lange Simplon-Linie, eine der Hauptbahnstrecken in der Schweiz und in Italien, wurde von 1898 bis 1906 erbaut und in den zwanziger Jahren elektrifiziert. Sie führt durch einen zwanzig Kilometer langen Tunnel durch die östlichen Walliser Alpen und verbindet Vallorbe an der französischen Grenze mit Lausanne, Montreux und Domodossola im italienischen Piemont.

Viaduc
Viaduc du Day (Simplon-Linie)
Altes Werbeplakat
Plakat von 1931

Der Golden Mountain Pullman Express von 1931

Die CIWL (Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express Européens), der Betreiber des Orient-Express, hatte vier Salonwagen bauen lassen, die bei der Montreux-Berner-Oberland-Bahn (MOB )1931 in Dienst gestellt wurden. Insgesamt stand den Fahrgästen des Golden Mountain Pullman Express damit ein luxuriöser Zug mit vier Pullman-Wagen (mit je 14 Plätzen in der 1. und 18 in der 2. Klasse) und ein Speisewagen für die Fahrt von Montreux nach Zweisimmen zur Verfügung. Statt der bis dahin üblichen Fenstergröße von 1,2 x 0,9 m hatten einige Wagen „Erker“ mit feststehenden Seitenteilen, die sogar einen Blick nach vorn in Fahrtrichtung erlaubten. Sie waren damit so etwas wie Vorläufer der heutigen Panoramawagen. Leider war diesem mit Goldmedaillen ausgezeichneten edlen Zug kein Erfolg beschieden. Schon nach wenigen Monaten war wegen der Weltwirtschaftskrise das Ende des fahrplanmäßigen Einsatzes dieser Wagen gekommen; für Urlaubsfahrten in Luxuszügen fehlte das Geld. Im Jahr 1932 gab es dann mit den Pullmanwagen nur noch vereinzelte Sonderfahrten.

Salon im historischen Zug
Interieur eines Pullmann-Orient-Express-Salons im Stil der 1920er/1930er

Mit dem Goldenpass Belle Époque durch das Voralpenland der Westschweiz

Wenn sich heute der Belle Époque in Montreux in die Höhe schraubt, ist am Ufer des Genfer Sees durch die Panoramascheiben das eindrucksvolle Château de Chillon zu sehen. Ihre heutige Gestalt erhielt die Wasserburg im 13. und 14. Jahrhundert. Dank der auffälligen Position vor der imposanten Gebirgskulisse der Alpen zählt das gut erhaltene Baudenkmal seit mehr als 150 Jahren dank des Eisenbahnanschlusses zu den beliebtesten Reisezielen der Westschweiz. 

Mitte des 19. Jahrhunderts wollte man Burg abtragen, um die Steine beim Bau der Eisenbahn zu benutzen. Doch wegen der reizvollen Lage und der romantischen Geschichten um die ehemaligen Gefangenen in der Burg nahm man glücklicherweise davon Abstand. Und so können auch noch heute Touristen das Schloss, das man seit den 1820er Jahren auch von den neuen Dampfschiffen auf dem Genfer See aus betrachten konnte, besichtigen.

Ge,mälde Schloss im See
Schloss Chillon, Gemälde von Hubert Sattler (19. Jh.)
Alte Postkarte mit Dampfschiff
Dampfschiff „Général Dufor“ (um 1928)

Nachdem der Belle Époque die Weinberge des Lavaux und in 1.110 m Höhe den Jamantunnel durchfahren hat, hält er in Chateau d’Oex an einem wunderschönen Bahnhof im Chalet-Stil. Vergessen Sie nicht, Ihren Blick nach oben zu richten: Der Ort gilt als Hauptstadt der Heißluftballons. Von hier aus startete im März 1999 Bertrand Piccard zu seiner zwanzigtägigen Weltumrundung (ohne Zwischenlandung) im Heliumballon. Nach einem Halt in Rougemont überquert der Belle Époque den sogenannten „Röstigraben“ zwischen der französischsprachigen und der deutschsprachigen Schweiz und befindet sich ab Saanen, einem der schönsten Chaletdörfer des Berner Oberlands, in der deutschen Schweiz. Nächster Halt ist der „Weltkulturort“ Gstaad.

Als Gstaad 1905 an die Eisenbahn angeschlossen worden war, entwickelte sich das kleine Bauerndorf zu einem mondänen Ort für den internationalen Jetset. Davon profitierte auch der legendäre „Gstaad Palace“. Seit der Eröffnung im Jahr 1913 genossen an der Bar des Grandhotels unzählige Berühmtheiten ihre Drinks: Louis Armstrong, Curd Jürgens, Elizabeth Taylor und Richard Burton, Gunther Sachs, Roger Moore und Tony Curtis. Michael Jackson war vom Palace so begeistert, dass er sich (vergeblich) bemühte, das Hotel zu kaufen.

Gemälde mit Schloss
Hotel Gstaad Palace

Wer den Luxus liebt, sollte in Gstaad einen Zwischenstopp einlegen, aber die Goldene Kreditkarte dabeihaben. Von Louis Vuitton bis Ralph Lauren sind in den Edelboutiquen ziemlich alle Marken für den gehobenen Anspruch vertreten. Wenn Sie dann noch Geld übrighaben, könnten Sie im „Palace“ eine Übernachtung einlegen. (Rechnen Sie mit rund tausend Euro für ein Zimmer.) 

Reisen damals-Tipp: Ein Ausflug mit dem Goldenpass Belle Époque 
Der Goldenpass Belle Époque-Zug fährt mit vier Salonwagen 1. Klasse in etwas mehr als zwei Stunden von Montreux bis Zweisimmen. Hier gibt es Umsteigemöglichkeiten auf andere attraktive Bahnstrecken. Der Goldenpass Belle Époque verkehrt täglich. Reservierung für „Essen am Platz“ ist obligatorisch. Es gelten die normalen Ticketpreise der Montreux-Berner-Oberland-Bahn (MOB), ohne dass ein Aufschlag erhoben wird. 
https://mob.ch/activity/goldenpass-belle-epoque

1 Kommentar zu „Der Golden Mountain Pullman Express: Luxus wie im Orient-Express“

  1. Fritz Rechsteiner

    Als Kind lernte ich die MOB als ärmliche Bimmelbahn kennen und war als Teenager stolz darauf, als diese Bahn 1976 den ersten modernen klimatisierten Panoramawagen erfand und selber baute. Traurig war ich darüber dass damals die originalwagen des Golden Mountain Pullman Express von der CIWL an die «grosse» Rhätische Bahn verkauft wurden. Als mitlerweile Erwachsener, war ich überglücklich über die vier von der MOB nachgebauten Salonwagen des damaligen GoldenPass Classic (heute GoldenPass Belle-Époque): Die MOB, klein aber oho!

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