Hütten im Hintergrund Palmen

Eduard Hildebrandts Reisebilder: schöner als die Wirklichkeit

Der Maler Eduard Hildebrandt (geb. 1817 in Danzig, gest. 1868 in Berlin) unternahm in seinem nur kurzen Leben innerhalb und außerhalb Europas viele ausgedehnte Reisen. Aus den Skizzen, die er dabei anfertigte, entstanden später im Atelier Aquarelle und, seltener, Ölgemälde. Zu seinen Lebzeiten waren seine Werke höchst populär, heute sind sie fast vergessen. Von 1861 bis 1862 führte ihn seine letzte große Kunstreise um die ganze Welt. Hildebrandts Bilder trugen wesentlich dazu bei, visuelle Eindrücke von frem­den Län­dern und Völkern nach Europa zu vermitteln, bevor dies zunehmend die Fotografie übernahm.

Zeichnung von Eduard Hildebrandt
Holzschnitt nach Adolf Neumann (1859)
Landschaft bei Theben
Memnon-Kolosse bei Theben

Im September 1862 verließ Hildebrandt Berlin und fuhr von Triest aus nach Ägypten, dann durch das Rote Meer in den Jemen. Von dort segelte er nach Indien, Ceylon, Siam und Thailand, China, Japan. Nachdem er länger als ein Jahr Asien durchwandert hatte, fuhr er von Manila nach Hongkong und trat von dort aus die Rückfahrt über San Francisco, Acapulco und Panama nach Europa an. Rund zwei Jahre nach dem Aufbruch zu seiner Weltreise, im Winter 1864/65, war er wieder in Berlin.

Die malerische Ausbeute der Reise war beeindruckend: Kairo im milden Abendglanz, Bombay Madras, Kalkutta, majestätische Tempelbauten, goldene Pagoden, indische Paläste, das „asiatische Venedig“ Bangkok, der mit Hunderten von Booten belebte Hafen von Hongkong, Japans grüne Reisterrassen … „Kein anderer Maler übertrifft Hildebrandt an Frische, Reichtum und Durchsichtigkeit der Farben. Seine Bilder offenbaren eine bisher unbekannte Schönheit“, urteilte seinerzeit der Präsident der „Gesellschaft der Schönen Künste“ in Paris.

Den über dreihundert Aquarellen ist nicht anzusehen, unter welchen Strapazen sie entstanden sind. Tropische Hitze und Insektenplagen hatten das Malen für Hildebrandt zur Tortur gemacht. Hinzu kamen die Seekrankheit, unter der er auf langen Schiffpassagen litt, schmutzige Dampfschiffe und Unterkünfte und so manche unliebsamen Begegnungen mit Einheimischen. Phasenweise litt Hildebrandt unter Schwermut, aus der ihn nur die großartige Schönheit der tropischen Natur herausriss.

Gemälde historisches Bangkok
Blick auf Bangkok
Historisches Gebäude in China
Tientsin, China

Hildebrandts Bilder stießen in Deutschland auf ein geteiltes Echo. Manchen Kunstexperten waren die Bilder zu grell, von „zu überkräftigem Kolorit“, wie es hieß. Andere, wie zum Beispiel Theodor Fontane, bewunderten die Werke und nannten sie „genialisch“. Und heute? Ausstellungen der Bilder Hildebrands sind selten, seine Werke fristen in den Depots der Museen ein Schattendasein – vermutlich, weil die Aquarelle eine vorindustrielle Welt zeigen, die es damals, als der Impressionismus dabei war, die Malerei zu revolutionieren, schon nicht mehr gab. Sein naturalistischer Malstil galt und gilt als überholt, er wurde abgelöst und perfektioniert von der Fotografie – und die erinnert heute dank Photoshop wieder an Hildebrandts Kunst: Auch die Abbildungen in heutigen Reisebüchern und Reisekatalogen sind manchmal zu schön, um wahr zu sein. Der einsame weiße Strand, das Blau des Meeres, der malerische Sonnenuntergang – erst die Computerkunst des Fotografen macht’s möglich.   

Hildebrandts Zeitgenossen aus dem Bürgertum gefielen die Bilder gerade wegen ihrer romantisch überhöhten Schönheit. Als hochwertige Chromolithographien waren seine Aquarelle heiß begehrt. Durch sie kam die große ferne Welt ins Wohnzimmer.

Pfahlbauten in Manila
Manila
Historisches China
Yokohama
Küste von Macao
Pearl River, Macao

Eduard Hildebrandt starb am 25. Oktober 1868 im Alter von nur 51 Jahren in Berlin. Die Strapazen der Weltreise hatten seine Gesundheit ruiniert. Seine Rastlosigkeit, die ihn auch nach seiner Rückkehr nicht ruhen ließ, verhinderte die Genesung. Bis spät in die Nacht, oft bis zum Morgen arbeitete er, gegen den Rat der Ärzte, an der Staffelei. Seine Kräfte schwanden immer mehr, bis er das Krankenlager nicht mehr verlassen konnte.

Bildquellen

  • Hildebrandt2: Adolf Neumann via Wikimedia Commons | Public Domain Mark 1.0
  • Hildebrandt3: Steinbock und Loeillot: Reise um die Erde. (34 Blätter), Wagner, Berlin 1874 (Privatarchiv Kleinert). | All Rights Reserved
  • Hildebrandt4: Steinbock und Loeillot: Reise um die Erde. (34 Blätter), Wagner, Berlin 1874 (Privatarchiv Kleinert). | All Rights Reserved
  • Hildebrandt5: Steinbock und Loeillot: Reise um die Erde. (34 Blätter), Wagner, Berlin 1874 (Privatarchiv Kleinert). | All Rights Reserved
  • Hildebrandt6: Steinbock und Loeillot: Reise um die Erde. (34 Blätter), Wagner, Berlin 1874 (Privatarchiv Kleinert). | All Rights Reserved
  • Hildebrandt7: Steinbock und Loeillot: Reise um die Erde. (34 Blätter), Wagner, Berlin 1874 (Privatarchiv Kleinert). | All Rights Reserved
  • Hildebrandt8: Steinbock und Loeillot: Reise um die Erde. (34 Blätter), Wagner, Berlin 1874 (Privatarchiv Kleinert). | All Rights Reserved
  • Hildebrandt1: Steinbock und Loeillot: Reise um die Erde. (34 Blätter), Wagner, Berlin 1874 (Privatarchiv Kleinert). | All Rights Reserved

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